Zumwinkel ist frei. Was war eigentlich mit Peter Graf?

Als Peter Graf (Ihr wisst schon: der Vater von Steffi) damals wegen Steuerhinterziehung (angeblich 41 Mio. DM) so richtig ins Gefängnis einfuhr und dort eine ganze Reihe von Jahren zubringen musste, habe ich wegen der Art und Weise, wie die Presse damals über den Fall berichtet hat, einen Leserbrief an den Stern geschrieben. Keine Ahnung, wo der ist. Schließlich ist das lange her.

Nachdem das erwartet milde Urteil (1 Mio. Strafe ist ja auch kein Pappenstiel!) heute gesprochen wurde, musste ich gleich an Graf denken. Er war zwar auch populär, hatte aber vermutlich keine Lobby. Ich unterstelle jetzt mal, dass Zumwinkel die sehr wohl hat. Und zwar, obwohl heute viele so tun, als würden sie ihn nicht mehr kennen.

Das Volksempfinden ist also mal wieder auf der Palme. Mir ist der Fall und der Mann doch eher egal. Gut finde ich nicht, was Zumwinkel gemacht hat. Aber ins Gefängnis muss man ihn dafür nicht schicken. Allerdings füge ich hinzu: Das würde ich bei allen anderen Leuten, die Steuern hinterziehen, auch schreiben.

Wir sind sowieso Pleite. So richtig total Pleite. Und dann die Empörung über 1 Mio. Euro. irgendwie schon ein bisschen komisch. Erst finde es alle falsch, dass die Regierung sich zu lange Zeit lässt, um Rettungspakete zu schnüren. Dann sind sie nicht gut genug und zu klein. Und am Ende gucken wir uns alle blöd an und stellen fest, dass die Staatsverschuldung sehr stark gestiegen ist und wir vielleicht die Maastricht Kriterien mal wieder nicht erfüllen. Huch – sach ich mal.


Kommentare

  1. Gilbert meint:

    Das Problem ist zwiespältig. Einerseits haben wir die Steuerpolitik, die ja bekanntlich von der 2., 3., 4. und 5. Versteuerung bereits versteuerten Einkommens keinen Halt macht und mehr oder weniger dazu führt, dass Leute, die heute ernsthaft an die Bildung langfristiger Rücklagen für das Alter denken, Kandidaten für die nächste Klappse sind. Andererseits haben wir da die Manager, die ohne jegliche echte Verantwortung so viel verdienen, dass nach Ansicht des Normalbürgers die 6., 7., 8. und 9. Nachversteuerung eigentlich immer noch zu wenig ist.

    Jetzt sollte sich jeder mal überlegen, wo er die Grenze zwischen “da ist wieder so ein armes Schwein beim Wahren seiner Naturrechte erwischt worden” und “diese Sau ist wieder viel zu leicht davon gekommen” ziehen möchte.

    Gilbert´s letzter Blogbeitrag: Grenze der Energieeinsparung erreicht?

  2. Horst meint:

    Mehr als diese beiden Sichtweisen gibt es in dieser Diskussion nicht. Wir neigen eben stark dazu, jemanden zu hängen, wenn er ein wenig von der Normalnorm abweicht. In Zumwinkels Fall ist es das Geld, das er hat. Das beschert ihm ganz flott die vorgefassten Meinungen. Ich höre, dass man im Moment überlegt, ihm das Bundesverdientkreuz wieder abzunehmen. Vielleicht ist das ja richtig. Allerdings sehe ich da keinen direkten Zusammenhang zwischen der Verleihung eines solchen Ordens und seiner Tat. Vielleicht bin ich da zu nachsichtig.

    Übrigens würde ich gern mal sehen, wenn die ganzen Leute, die unseren Staat ständig betrügen (ich glaube, es sind unendlich viele) sich äußern würden, wenn ihnen deshalb mal der Prozess gemacht würde. Bestimmt würden sie wieder mit dem alten Lied kommen: Die Kleinen hängt man, die großen lässt man laufen. Da wäre mal darauf zu gucken, welcher Schaden (volkswirtschaftlich gesehen) wohl mehr zu Buche schlägt. (I)

    Horst´s letzter Blogbeitrag: Siemens gibt Atom-Geschäft vorerst auf

  3. dimido meint:

    Mir fällt immer Boris Becker ein. Der war Sportler und hatte es sicher nicht mit Zahlen und Steuererklärungen. Ich denke das er zu Gutgläubig war. Am Ende bekam er 2 Jahre auf Bewährung.

    Wenn ich DAS nun mit Zumwinkel vergleiche, dann hätte Zumwinkel eine höhere Strafe bekommen müssen, weil er doch mit Zahlen umgehen muss, laut seinen akademischen Abschlüssen.

    Sorry, aber für mich muss Zumwinkel ins Gefängnis – zumindest die zwei Jahre.

    dimido´s letzter Blogbeitrag: Schwäbisch, die Zweite

  4. Horst meint:

    Mensch, Martin, bist du streng. 2 Jahre. Und die nur deshalb (im Vergleich mit Boris Becker meine ich), weil er studiert hat? Interessante Sichtweise. Aber du kennst doch den Grundsatz: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Oder so. Demnach hätte auch das Bobele einfahren müssen – oder?

  5. Was mich wesentlich mehr stört als dieses Urteil (ob es gerecht ist, kann ich sowieso nicht beurteilen), ist seine Larmoyanz. Wie er sich über die Medien beklagt hat, fand ich unangemessen. An seiner Stigmatisierung hat er den größten Anteil.
    Vielleicht ist das die gerechte Strafe…

    Stadtneurotiker´s letzter Blogbeitrag: Wenn der Burger singt…

  6. Ecki meint:

    Meiner Meinung nach wäre eine Gefängnisstrafe von 9-12 Monaten durchaus gerechtfertigt gewesen. Nicht, weil er Steuern hinterzogen hat, etwas tricksen tun ja einige. Aber die Art, wie er es getan hat, war ja schon richtig organisiert-kriminell: Geheimcodes, Wechsel des Fahrzeugs, Verschleierung unter dem Deckmantel einer gemeinnützigen Stiftung.

    All das zeigt doch, das Klaus Zumwinkel über Jahrzehnte genau wusste, was er tat und das dieses Handeln hochgradig illegal war. Das mit einem einfachen Steuerbetrüger gleichzusetzen, der seinen Privat-PC als Arbeits-PC von der Steuer absetzt, ist Malen in schwarz-weis.

    Und außerdem ist es meiner Meinung nach nur frech, seine angeblichen Verdienste für den deutschen Staat als strafmildernderes Argument anzuführen. Sicher haben seine Sparpläne der Post geholfen, auf der anderen Seite haben wir dafür jede Menge unterbezahlte Briefzusteller und höhere Portogebühren für den Bürger, die ja beide bekanntlich den Staat bilden.

    Ecki´s letzter Blogbeitrag: Der Ballon

  7. Horst meint:

    @Ecki:

    All das zeigt doch, das Klaus Zumwinkel über Jahrzehnte genau wusste, was er tat und das dieses Handeln hochgradig illegal war. Das mit einem einfachen Steuerbetrüger gleichzusetzen, der seinen Privat-PC als Arbeits-PC von der Steuer absetzt, ist Malen in schwarz-weis.

    Einen PC kann als als Arbeitsmittel absetzen. Also isolierte Handlung eines Einzelnen mag das weniger ins Gewicht fallen, wie die Hinterziehung von Millionen Steuergeldern. Wenn man aber mal unterstellt, dass die Möglichkeiten einer Steuerhinterziehung selbstverständlich immer auch vom Einkommen bzw. den Vermögensverhältnissen der betreffenden Person abhängig ist und auf der anderen Seite, wie viele Leute in Deutschland das Finanzamt, die Arbeitsagentur, ihre Versicherung und vieles mehr systematisch betrügen, erscheint das alles schon in einem etwas anderen Licht. Ich verteidige Zumwinkel nicht. Wie käme ich auch dazu. Ich empfehle lediglich, mal darüber nachzudenken, wie viele Beispiele man selbst schon kennengelernt hat und u.U., welche Tricks man selbst angewendet hat, die nicht legal waren. Addiert man das mal zusammen wird der volkswirtschaftliche Schaden schon beträchtlich sein. Oder?

    @Stadtneurotiker: Nein, beklagen kann sich Zumwinkel eigentlich nicht. Er hat ein mildes Urteil erhalten und über den Schaden, die sein Ruf durch seine Straftaten genommen hat, braucht er nicht zu jammern.

    Horst´s letzter Blogbeitrag: Vorgelesen