Ergodans Frustgrenze ist wohl arg niedrig

Inwieweit Ergodans Ausbruch in Davos nachvollziehbar oder sogar berechtigt war, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich war nicht dort und man sollte sich hüten, denen zu glauben, die von solchen Veranstaltungen berichten. Gerade dieses Forum offenbart, was man unter Lobbyismus versteht.

Vielleicht ist Ergodan wirklich zu kurz gekommen und hat sich zu Recht über seine Benachteiligung gegenüber dem israelischen Präsidenten Simon Peres aufgeregt. Er ist wutentbrannt abgereist und wurde, wie man den Nachrichten entnehmen konnte, in der Türkei wie ein Held gefeiert.

Die Reaktion von mehreren Tausend Demonstranten in der Türkei ist bemerkenswerter als der Eklat in Davos es war. Ergodan wurde als Held begrüßt und gefeiert. Das spricht zum einen für ein geringes Selbstwertgefühl und zum anderen dafür, dass Ergodan das getan hat, was sein Volk scheinbar von ihm erwartet hat: wieder einmal richtig aufzutrumpfen und türkische Positionen zu vertreten. So wie er den Entgleisungen Vorschub geleistet hat, als er nach dem Brand in Ludwigshafen dorthin reiste und wir mit üblen Vorverurteilungen konfrontiert wurden.

Es ist wahrscheinlich, dass die versammelten Demonstranten zum Eklat in Davos mit Statements wie “Nieder mit Israel” mehr Aufschluss über die Haltung vieler Türken gegeben haben, als Ergodan und seine Regierung es offen zugeben würden.

Man muss nicht für die israelische Position im Gaza – Krieg sein, um festzustellen, dass solche “Stimmungsbilder” in der Türkei besorgniserregend sind. Auch an den Demos in Deutschland gegen den Krieg der Israelis in Gaza waren sehr viele Türken beteiligt.

Ergodans Regierung hat sich bemüht, in diesem Konflikt zu vermitteln. Das war erfolglos, weil die Israelis den Angriff auf Gaza schon begonnen hatten, bevor die Gespräche überhaupt richtig in Gang kamen. Darüber kann man frustriert sein und natürlich soll man das auch zum Ausdruck bringen dürfen. Nur sind Begriff wie “Nieder mit Israel” Ausdruck einer ganz anderen Haltung. Da sag ich ganz klar und unmissverständlich: In Europa wollen wir keine Islamisten!

Kommentare

  1. StoiBär meint:

    Es ging wohl mehr darum, das Ergodan zwischen Libanon, Palästinensern und Israel vermitteln sollte. Dazu wurde er auch von Israel eingeladen und als es gerade mit Verhandlungen losgehen sollte, haben die Israelis einfach mit dem Krieg angefangen und ihn als Deppen hingestellt.

  2. Horst meint:

    Und in Davos wollte er das gerne auch noch einmal los werden, nur hat man ihn offenbar nicht gelassen. Das frustet natürlich ganz schön.

  3. Willi meint:

    Erst dieser Eklat und die sofortige Abreise aus Davos haben Erdogan ins Rampenlicht gerückt. Das war doch eine bewusste Selbstinszenierung. Vom WEF 2009 in Davos wird nur von Erdogan geredet, nicht von Merkel, Clinton, Putin und den “Wirtschaftskapitänen”. Clever gemacht!

    Willi´s letzter Blogbeitrag: Kauft nicht bei Coop!

  4. Horst meint:

    Ja, es wirkt als hätte er das clever angestellt. Dabei war er in Wahrheit einfach nur wütend. Jedenfalls wirkte es so, als er aus seinem Sessel flog und sich vom Acker gemacht hat. Die Wirkung war natürlich, wie du sie beschrieben hast. Er war der Star.