Auch die UBS will Bonus von 2 Mrd. Sfr. auszahlen

Sicher ist bereits, auch die UBS einen Milliardenverlust schreibt. Noch nicht sicher ist allerdings, ob die daran ja vermutlich nicht ganz unbeteiligten Manager mit Bonusverträgen diese Boni deshalb nicht einstreichen dürfen.

Die UBS hat eine Analyse durchgeführt. Danach kann man, so die vorläufige Aussage zum Thema, zumindest nicht völlig auf die Zahlung von Bonus verzichten. Im Vorjahr wurden von der schweizerischen Bank 12,1 Mrd. Sfr. an Bonus gezahlt. Die Schweiz hat ihrer größten Bank im Herbst vergangenen Jahres einen Kredit in Höhe von 6 Mrd. Sfr. gewährt. Nur aus diesem Grund ist es wohl überhaupt so, dass über die Bonuszahlungen öffentlich gesprochen wird.

Es geht in der Diskussion vor allem um die benutzten Wortschöpfungen. Da ist die Rede von Bonus, Gratifikation und von variablen Vergütungskomponenten. Der normale Mensch würde alle Begriffe für ein und dasselbe halten. Scheinbar ist das aber nicht der Fall. Bonus ist eine freiwillige Leistung, die vom Unternehmen jederzeit zurückgezogen werden kann. Bei variablen Vergütungskomponenten ist das scheinbar nicht so einfach.

Juristisch ist es nämlich so, dass ein Bonus dann zu einem “geschuldeten Lohnbestandteil” wird, wenn dieser an klare und messbare Kriterien gebunden ist. In der Schweiz ist ja einiges anders. Persönlich kenne ich solche Regelungen seit Jahrzehnten. “Management by objectivs” (MbO) nennt sich dieses Prinzip. Ein Bestandteil der Vereinbarung war, so, wie gesagt, kenne ich dies, dass ein Bonus überhaupt nur dann ausgezahlt wird, wenn eine bestimmte EBIT-Marke erreicht wird. Aber in der Schweiz ticken die Uhren wohl anders. Jedenfalls scheint es diese simple Präambel in den Bonusverträgen mit den UBS – Managern wohl nicht zu geben.

Auch die Behauptung, dass so etwas wie ein Gewohnheitsrecht aus den Bonuszahlungen früherer Jahre abgeleitet werden könne, ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Entweder bin ich mit sittenwidrigen Verträgen konfrontiert worden oder aber die Schweizer haben eine arbeitnehmerfreundlichere Rechtsprechung. Hier steht nämlich, behaupte ich mal, in jedem Vertrag, dass aus der Tatsache der Bonuszahlung kein Anspruch auf zukünftige Zahlungen abgeleitet werden könne. Das ist sogar beim “einfachen” Weihnachtsgeld genauso der Fall. Wie gesagt, es könnte ja auch sein, dass ich einfach die falschen (schlechten) Verträge hatte.

Mit Freude lese ich folgende Ankündigung:

Immerhin setzt die UBS im laufenden Quartal ein neues Salärsystem in Kraft, das die Entlöhnung der Spitzenleute stärker an die langfristig nachhaltige Gewinnentwicklung der Bank knüpft, etwa indem es neben einer Bonus-Komponente auch einen Malus-Mechanismus vorsieht. (NZZ)

(Hervorhebung von mir)

Nachhaltigkeit ist der Schlüssel. Vieles wäre anders gelaufen, wenn diese Weitsicht bereits früher bestanden hätte.

Etwas anderes wird in dem verlinkten Artikel aber kaum –nur als Nebensache- angesprochen: Es dürfte schwierig sein, die Leute, denen erhebliche Teile ihres Einkommens verloren geht, zu halten. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Motivation dieser Menschen in den Keller rauscht. Das hat für das Unternehmen sehr weitreichende Folgen, die nicht weniger gefährlich und kritisch zu sehen sind, wie die direkten Folgen der Finanzmarktkrise. Solche Überlegungen gehören in die Gruppe nachhaltiger bzw. langfristig wirkender Maßnahmen. Und damit haben sie es bisher nicht so, die Manager.


Kommentare

  1. patrick meint:

    Na, ist doch schon, wenn man Bonus bekommt, obwohl man mies gewirtschaftet hat! In den USA ist es ja nicht anders: Da zahlt der Steuerzahler (!) direkt die Boni für die tollen Manager. Unfassbar, aber die Medien scheren sich nicht weiter darum.
    Es ist schon toll, Steuerzahler zu sein…

  2. Horst meint:

    Die Medien kritisieren das zwar, nur scheint sich doch keiner darum zu scheren. Das finde ich bemerkenswert – auch angesichts der in der Öffentlichkeit geführten Diskussion. Die da oben verhalten sich nach dem Muster: Was interessiert es mich, wenn ein Schwein sich an mir kratzt?

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