Bauen wir doch noch ein Einkaufszentrum!

Achtung: Das ist ein kritischer Beitrag. Kritisch für mich. Und zwar deshalb, weil ich in einem Teil Fraktur rede, zu dem ich mich normalerweise zurückhaltend und jedenfalls überwiegend politisch korrekt äußere.

In unsere Kreisstadt Bergheim zieht meine Frau und mich selten etwas. Das war früher einmal anders. Schließlich liegt sie nur knapp 10 km von hier entfernt. Aber trotz Fußgängerzone ist sie ausgesprochen unattraktiv. Die Bevölkerungsstruktur der Stadt hat sich seit Jahren verändert und das nicht zum Positiven. Es gibt dort kaum noch interessante Geschäfte.

In der Stadt gibt es eine Debatte darüber, ob die politische Entscheidung richtig war, um den Bahnhof herum ein neues Einkaufszentrum zu errichten. Die untere Hauptstraße (Fußgängerzone) könnte veröden. So die Gegenseite, die natürlich eigene Interessen verfolgt, weil sie Geschäfte in diesem Teil der Stadt besitzt.

Als potenzieller Kunde merke ich dazu an, dass die Fußgängerzone heute wirklich ziemlich öde ist. Das letzte Geschäft, das ich dort regelmäßig besucht habe, hat letztes Jahr geschlossen. Es findet sich dort heute kaum ein Geschäft, das über eine gewisse Anziehungskraft verfügen würde. Eisdielen jetzt mal nicht mitgerechnet. Die noch vorhandenen Geschäfte sind überwiegend Billigläden. Und vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, dort wirtschaftlich zu überleben.

Weshalb Politiker glauben, dass sich daran mit der Errichtung eines neuen Einkaufszentrum irgendetwas zum Positiven hin verändern könnte, bleibt ihr Geheimnis. Gute oder gehobene Geschäfte haben sich in der Fußgängerzone nicht halten können. Sie liegt nur wenige Hundert Meter entfernt vom Bahnhofsgelände. An der Lage wird es also wohl nicht gelegen haben.

Nein, ich bin davon überzeugt, dass es die Bevölkerungsstruktur ist. Aus einem Bericht der Fachstelle für Integration, Bergheim von Ende 2008:

In der Kreisstadt Bergheim leben 62.492 Einwohner. Der Ausländeranteil beträgt 13,3% (Stand
30.09.2008). In einigen Stadtteilen wird dieser Wert deutlich überschritten, in einem Stadtteil liegt
er sogar bei 30%. Wird der Migrationshintergrund berücksichtigt, ist davon auszugehen, dass fast
ein Drittel der Bergheimer Bevölkerung dazu gehört.

Das deckt sich mit unserer persönlichen Wahrnehmung. Auch mit der meines Schwagers, der seit Jahrzehnten in Bergheim lebt und der seine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht hat. Er wurde vor einigen Jahren von drei Marokkanern krankenhausreif geschlagen, weil er sich mit diesen um einen Parkplatz gestritten hat. Meine Schwiegermutter lebt in einem anderen Stadtteil von Bergheim. Sie wurde von zwei Jugendlichen (südländischen Aussehens) überfallen und beraubt. Das war im letzten Jahr. Zu oft liest man in unserer regionalen Zeitung von derartigen Vorfällen. Zu häufig sind Ausländer daran beteiligt.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Innenstädten und der Bevölkerungsstruktur. Das wird niemand bestreiten. Für diese Struktur haben zunächst einmal die Politiker die Verantwortung zu tragen. Für ein vernünftiges Zusammenleben und eine prosperierende Entwicklung der Gemeinde aber haben alle Bürgerinnen und Bürger eine hohe Mitverantwortung. Wenn ein großer Teil der Einwohner diese aber aus sozialen, kulturellen oder anderen Gründen nicht tragen kann oder will werden in der Zukunft Probleme entstehen, deren Dimension weit über den Streit über ein neues Einkaufszentrum hinausgeht.


Kommentare

  1. steffino meint:

    tja, die südländer… manchmal wird die bemühung um politisch korrektes denken und reden eben doch etwas überstrapaziert. ich glaube es täte gut, öfter mal klartext zu reden. fakten anstatt propaganda (egal in welche richtung).

    steffino´s letzter Blogbeitrag: rauschmittel demokratie

  2. Andreas meint:

    Bei uns ist die Innenstadt ähnlich tot. Das liegt aber eher an der Alterstruktur – hier wohnen – auch aufgrund der Klinik- und Kurlandschaft – viele Ältere und Kranke. Zudem haben unsere super-klugen Politiker vor ca. 12 Jahren dem Bau einer riesigen Einkaufsmall auf der Wiese, ca. 2 Kilometer von der Innenstadt entfernt, zugestimmt. 3 mal darf man raten, wo die Kunden sind.

    Schade dass ich damals noch nicht so viel im Netz zu diesen Themen geschrieben habe – das der Werrepark der Todesstoß für die Oeynhausener Innenstadt ist, habe ich damals schon gesagt. Kunststück damit Recht zu behalten.

    Andreas´s letzter Blogbeitrag: Twilight

  3. Horst meint:

    @Steffino: Ich weiß halt nicht, woher die Leute kamen. Waren es Türken oder Albaner? Keine Ahnung. Daher muss ich auch von “Südländern” sprechen. Ich hatte da ja kürzlich auch was zu gebloggt. Mich würde schon sehr interessieren, wie du persönlich zu diesen Fragen stehst? Wie soll jemals eine Integration erfolgreich vonstatten gehen, wenn die Wirkungen, die zunächst einmal von ihr ausgehen, in vielen Bereichen überhaupt nicht zur Kenntnis genommen werden?

    @Andreas: Dass die Politiker solche Zusammenhänge nicht sehen. Ich korrigiere mich: Sie sehen sie wohl aber sie handeln nicht danach, weil das nicht ihren Interessen entsprechen würde. Das ist ein hartes Urteil, aber eine andere Erklärung habe ich nicht dafür.

  4. steffino meint:

    ich denke, dass integration nicht nach dem motto ‘augen zu und durch’ gelingen kann – und dass eben weder (schwächer oder stärker ausgeprägte) islamophobie noch politisch korrektes wegschauen und -reden weiterhilft. wie heisst es doch so schön? fordern und fördern – und zwar beide seiten!

    steffino´s letzter Blogbeitrag: rauschmittel demokratie

  5. Horst meint:

    Richtig. Ich habe etwas lange gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Demokratie erfordert Selbstbewusstsein nicht Duckmäusertum.

  6. Anngret meint:

    Leider werden die Innenstädte immer uninteressanter, vor allen Dingen in den kleineren Städten. Doch liegt das nicht nur an den Migranten, sondern weil die Ladenmieten oftmals einfach viel zu teuer geworden sind und die Inhaber der Geschäfte das wieder auf die Preise aufschlagen müssen, um überhaupt noch überleben zu können. Auch sollte man die Gewalttaten nicht nur den Ausländern zu schreiben, schließlich gibt es genug Deutsche, die davor auch nicht zurück schrecken. Vielleicht sollten hier die Gesetze einmal etwas härter durchgreifen, denn die Strafen sind teilweise viel zu mild.

  7. Horst meint:

    @Anngret: Deine Argumente sind stichhaltig. Und natürlich will ich die Entwicklung nicht “den” Ausländern zuschieben. Ich hoffe doch, dass das trotz meiner diesbezüglichen Hinweise auch hinreichend klar geworden ist. Es gibt zwei Wege: Der eine ist, dass sich das Angebot der Nachfrage anpasst und wir sehen müssen, was in Zukunft passiert. Im schlimmsten Fall gibt es Regionen, in denen kaum mehr einer zufrieden leben wird. Der andere Weg wäre, dafür zu sorgen, dass sich die Bevölkerungsstruktur nicht in der beschriebenen Art und Weise weiterentwickelt. Wenn es in Regionen oder Kommunen aus den unterschiedlichsten Gründen zu viele Leute gibt, die von Hartz IV leben müssen, können sich auch keine attraktiven Geschäfte halten.

  8. StoiBär meint:

    Wir bauen solche Einkaufszentren. Dazu ist folgendes zu sagen. Solche Einkaufszentrn können ein Magnet für neue Besucher sein. Am Beispiel Ansbach/Mittelfranken zeigt sich das sehr gut. Das bringt viele Menschen in die Stadt, die sonst woanders hingefahren wären. Die Kombination mit dem Bahnhof bringt nochmal was.
    ABER: Den Innenstädten tut das nicht gut. Die verkommen dann oft zum Freilichtmuseum und zur Kneipenmeile. Die einheimischen Geschäfte wollen oft nicht ins Einkaufszentrum, weil sie dort mehr Miete zahlen müssen etc. Am alten Standtort können sie sich dann gar nicht halten.

    Die Situation der Geschäfte in den Innenstädten ist auch oft von den Kommunen gemacht. Eine desolate Verkehrspolitik vertreibt die Besucher aus den Städten. Es reicht nicht, überall Fußgängerzonen zu machen. Die Fremden müssen auch hinkommen können. Kein Mensch kauft größere Mengen ein, wenn er/sie einen Kilometer zum Auto schleppen muss oder mit dem ÖPNV unterwegs ist. Regensburg ist das beste Beispiel. Dazu haben dann noch horrend teuere Parkhäuser alle vertrieben.

    Mit dem Donaueinkaufszentrum betreiben wir die viertgrößte Shoppingmall in Deutschland. 3600 kostenlose Parkplätze, alle namhaften Ketten und dazu viele der einheimischen Geschäfte. Das Konzept geht auf. Für die Besucher und die Geschäftstreibenden.

  9. Horst Schulte meint:

    @Stoibär: Es gibt positive Beispiele – auch in unserer Region. Ich denke da insbesondere an das inzwischen riesige Einkaufszentrum in Köln-Weiden, das meine Frau und ich seit Jahrzehnten gern besuchen. Nur hast du die Problematik ja auf der anderen Seite auch angesprochen.

    Mein Punkt ist, dass es den Geschäftsleuten in der Fußgängerzone schon heute nicht gut geht. Wie wird das nun erst werden, wenn jetzt auch noch ein EKZ dazu kommt, das sich noch dazu in unmittelbarer Nähe befindet? Ich kann mir vorstellen, dass die Sorgen der ansässigen Geschäftsleute sehr berechtigt sind.