Das war wieder was für die Jubelperser

Hoffentlich lassen sich die Amis nicht den Schneid abkaufen. Die Formulierung kennen wir vom Fußball. Zu Beginn eines Spieles wird der gefährlichste Angreifer des Gegners besonders hart attackiert in der Hoffnung, dass er seine Ambitionen etwas zurücknimmt. Vielleicht hat man so schon Tore verhindert.

Mein Bild steht für den Versuch einer neuen Politik der Amerikaner. Zur Sicherheitskonferenz nach München sind 300 internationale Experten und Politiker angereist und haben bestimmt gehofft, die Aufbruchstimmung durch Obamas Wahl zum Präsidenten würde auch die Regierung Irans erfasst haben.

Das war vielleicht doch einen Tick zu naiv.

Der iranische Vertreter, Ali Laridschani (Parlamentspräsident des Iran) zerstörte die bis zu seinem Auftritt friedliche Fassade des Treffens mit einer ganzen Reihe bekannter und immer noch unverständlicher Vorhaltungen an die Adresse der Amerikaner:

Glauben Sie, dass das Leid nur durch einen neuen Tonfall wieder gut gemacht werden kann?

Er machte die Amerikaner für “Krieg und Tod im Nahen Osten” verantwortlich. Er beklagte sich darüber, dass der Westen in der Frage der iranischen Nuklearprogramme mit zweierlei Maß messe. Im Falle von Indien und Pakistan wären beide Staaten nicht mit Sanktionen bedroht worden.

Von Klaedden hielt Laridschani vor, dass der iranische Präsident den Holocaust leugne und sein Land die Hisbollah und Hamas mit Raketen versorge, die gegen Israel eingesetzt würden. Laridschani verteidigte die iranische Unterstützung der Hamas und bezeichnete das sogar als Ehre, weil diese ja so unterdrückt werde.

Manche Menschen werden dieser fatalen Demonstration islamischen Selbstbewusstseins Beifall spenden. Ganz sicher solche, die von ihren Regierungen als Jubelperser engagiert und natürlich sehr absichtsvoll vor westlichen Medien eingesetzt werden. Mich erinnerte das an den Eklat, als Erdogan in Davos empört aufsprang, von dannen zog und zu Hause in der Türkei als Held gefeiert wurde. Der eigentlichen Sache wird zwar nicht gedient, aber man erfüllt jedenfalls die Erwartungen der Hardliner zu Hause.

Es kommt mir so vor, als wolle der Iran auch das Forum der Sicherheitskonferenz dazu benutzen, dem Westen seine sogar in Teilen unserer Medien attestierte Schwäche vorzuführen. Unser freiheitlich demokratisches Grundverständnis und unseren Willen, auch solch schwierigen Konflikte auf dem Verhandlungsweg auszuräumen, betrachten sie selbst vielleicht nicht wirklich als Schwäche, sie versuchen aber diesen Umstand über die Medien (auch unsere Medien) genauso wirken zu lassen. Und wir sind darauf auch hereingefallen.

Viele Staaten sind beteiligt und viele verschiedene Interessen im Spiel. Das macht die Sache schwierig. Aber – auf der anderen Seite steht ein totalitärer Unrechtsstaat, dessen Präsident aus ausgewiesener Volksverhetzer und Antisemit ist. Ein solches Unrechtsregime hat es, wie wir aus unserer eigenen Vergangenheit wissen sollten, leichter das eigene Volk mit demagogischen Mitteln zu verführen.

Morgen kommt Joe Biden nach München, der neue us-amerikanische Vizepräsident. Ich hoffe, dass er sich durch die heutigen Einlassungen des iranischen Vertreter nicht entmutigen lassen wird.

Zum Dialog gibt es nämlich keine Alternative. Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass dies die meisten Iraner längst begriffen haben. Es ist spannend. Hoffentlich bewegt sich etwas.


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