Politiker sind nicht an Weisungen gebunden, höchstens an Überweisungen.
Graf Fito

Glos wollte nicht, er musste

Vielleicht stimmt es, dass Mann und Amt von Beginn an nicht zusammengepasst haben. Die öffentliche Meinung war sich jedenfalls in dieser Beziehung ziemlich einig und arg brutal, wie ich hinzufügen will. Ich wünsche keinem Menschen, in dieser Form desavouiert zu werden. Aber darauf nehmen wir in der heutigen Zeit keine Rücksicht mehr. Keine Ahnung, ob es früher anders war. Manchmal kommt mir das jedenfalls so vor.

Die FAZ veröffentlicht Glos’ Abschiedsbrief. Eigentlich ist auch das etwas, was ein schlechten Beigeschmack hinterlässt. Und das ist wahrscheinlich nicht Herrn Glos anzulasten.

Uns fehlt also ein fähiger Wirtschaftsminister. Im Herbst werden wir einen haben – wahrscheinlich. Einer von der FDP. Die steht mit ihrem omnipotenten Personal Gewehr bei Fuß und kriegt sich derzeit gar nicht mehr ein darüber, dass sie die Möllemannchen 18% (sie lag in Hessen bei 16%) tatsächlich noch in diesem Jahrhundert erreichen könnte.

Was ich persönlich einfach nicht begreife, ist dass so viele sich über die Finanz- und Wirtschaftskrise aufregen und dabei übersehen, dass diese Partei wie keine andere (seit dem Leipziger Parteitag der CDU ist ja nicht nur viel Zeit vergangen :-) ) für Neoliberalismus steht. Täusche ich mich oder meinen nicht sehr viele Menschen, dass das exakt das Gegenteil von dem ist, was wir brauchen?  Aber wählt die FDP mal schön. Dann kriegen wir wenigstens einen gescheiten Wirtschaftsminister. So einen tollen, wie Otto Graf Lambsdorff beispielsweise.

Von diesem Teil aber mal ganz abgesehen: Mir tut Michael Glos leid. Diese Behandlung hat keiner verdient. Er weiß, dass das Amt eine Nummer zu groß für ihn ist und für den Moment sieht es so aus, als müsse er diese Last noch eine Weile tragen.

Kommentare

  1. dimido meint:

    Ich würde gerne meinen Senf zur FDP hier schreiben, aber trau mich nicht, denn in der Uni sind halt alle FDP’ler.

    Diese Mitmenschen stellen halt jeden Tag eine Kerze für den Turbo-Kapitalismus auf und wundern sich jetzt um die Krise.

    Ich bin auch ein Kapitalist, aber in der Einschränkung “Leben und Leben lassen” und “Jeder muss profitieren”, denn…, sonst fällt das ganze System zusammen und am Ende sind Werte (also Vermögen und Errungenschaften unseres Zusammenlebens) kaputt und am Ende steht die Krise und dass Nichts!

    dimido´s letzter Blogbeitrag: Karneval in Köln – NEIN DANKE

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  2. JürgenHugo meint:

    @Horst:

    Für das, was der jetzt an Gehalt und sonstigem (und später an Pension) bekommt – da würd´ ich mich pausenlos “desavouieren” lassen. :-P

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  3. Horst meint:

    Soll das heißen, du bist käuflich? Tja, wer auf die Insel will, der muss flexibel sein.

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  4. Matthias meint:

    Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass das Wort Neoliberalismus als Schimpfwort verwendet wird. Aber dabei ist Neoliberalismus die Grundlage der sozialen Marktwirtschaft – die schließlich so schlecht nicht sein kann, da sie ja unseren Staat trägt.

    Dass es jetzt zu einer Krise kam, liegt auch nicht am Neoliberalismus – sondern genau daran, dass es immer noch zu viele Eingriffe des Staates in die Wirtschaft gibt. Hätte der Staat nicht jahrelang Unmengen an Geld in die Sicherung des Bankensystems gepumpt und somit jegliches unternehmerisches Risiko vertrieben, hätten wir jetzt (vielleicht) ein paar Probleme weniger.

    Und nur wegen dem unrühmlichen Beispiel eines Politikers auf die Gesamtheit aller Politiker in einer Partei zu schließen, ist auch nicht gerade fair…

    Matthias´s letzter Blogbeitrag: Was ist ein “Blog”?

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  5. Horst meint:

    Hast schon recht, Matthias. Das Wort “Neoliberalismus” wird inflationär eingesetzt und im Grund auch in einem falschen Sinn. Vielleicht nennst du mir einen Begriff, der sich besser dazu eignet, ihn zum Gegenstand des eigenen Unverständnisses zu machen? Darüber wird auch immer lamentiert und trotz wissen alle, was gemeint ist, wenn man vom Neoliberalismus redet.

    Ein Unverständnis darüber, dass ausgerechnet die Leute (FDP) nun von der Krise zu profitieren scheinen, die wie ich schon sagte, mit ihren wirtschaftspolitischen Überzeugungen maßgeblich dazu beigetragen haben.

    Wenn du dem Staat vorwirfst, er habe unternehmerisches Risiko durch Fehler zurückgedrängt, dann ist das schon ein starkes Stück. Schließlich gehören dazu immer zwei Seiten. Nämlich eine, die gibt und die andere, die nimmt. Och, ich kenne das jetzt folgende Argument schon lange. Es heißt sinngemäß etwa: Würdest du nicht auch die Chance beim Schopf packen, wenn du günstig an staatliche Mittel (Subventionen) kommen kannst. Diese Frage stellt sich aber weniger als die, wie viel Chuzpe es erfordert, um dem Staat vorzuhalten, dass man selbst gierig und maßlos ist.

    Und ich greife grundsätzlich nur die Politiker an, die den neoliberalen Wahnsinn auch weiter auf die Spitze treiben wollen. Von der Wirtschaft und ihren “Führern” darf man nicht mehr verlangen. Ich verweise da auf Ackermann, der jetzt schon wieder die Behauptung aufgestellt hat, dass in 3 Jahren die gleichen Umsatzrenditen wie vor der Krise gefordert werden. Der hat nicht begriffen, was wirklich vor sich geht. Kunststück, solche Typen tangieren die Probleme der kleinen Leute nur am Rande.

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  6. Matthias meint:

    Ich gebe zu, dass natürlich immer zwei Leute dazugehören. Aber die FDP ist doch nicht die Wirtschaft?! Denn wir fordern doch schon seit langem, dass die aktuelle Subventionspolitik nicht richtig ist und man neue Wege suchen muss. (Der Bankenschutzschirm ist etwas anderes, der neue Unternehmensschutzschirm geht mir persönlich jedoch wieder zu weit.) Dass man als Opposition aber nicht unbedingt initiativ das umsetzen kann was man fordert, ist aber auch klar.

    Und wenn du schreibst, Aber wählt die FDP mal schön. Dann kriegen wir wenigstens einen gescheiten Wirtschaftsminister. So einen tollen, wie Otto Graf Lambsdorff beispielsweise., dann ist das doch kein konkreter Angriff sondern eine einfache, polemische Pauschalisierung.

    Übrigens sei mir zum Thema Neoliberalismus ein Link zur FAZ erlaubt (hoffentlich :) ). Es wird zwar in dem Artikel mehr auf den vermeintlichen Neoliberalismus der CDU eingegangen, aber zeigt ganz nett, dass Neoliberalismus eben nichts böses ist.

    PS: Schön, dass du jetzt wieder Subscribe to Comments eingebaut hast. Etwas weiter oben wäre allerdings schön, dann übersieht man die Option nicht…

    Matthias´s letzter Blogbeitrag: Spreeblick-Interview mit Peter Müller

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