Einige taten überrascht, dass nun auch in der Ausdauersportart Biathlon gedopt wurde. Die Russen waren es. Ich erinnerte mich, dass vor nicht allzu langer Zeit auch mal ein Verdacht gegen deutsche Vertreter dieser Sportart laut wurde. Die Vorwürfe verstummten aber, soweit ich mich erinnere, sehr bald.
Bei den Russen wurde allerdings tatsächlich gedopt. Nach der B-Probe ist das erwiesen. Drei Spitzensportler wurden deshalb von den Weltmeisterschaften zurückgezogen.
Heute lesen wir auch in unseren Tageszeitungen, dass sehr viele Menschen dopen, weil sie vermutlich glauben, sonst den Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz nicht gerecht werden zu können. Es handelt sich nicht um ein paar Dutzend Spitzensportler, die sicher nicht zuletzt durch unsere die Spitzenleistungen fordernde Haltung der Öffentlichkeit scheinbar gar keinen anderen Ausweg sehen, als ihre Gesundheit zu ruinieren, sondern um hundertausende von Menschen.
Ausschließen will ich aber nicht, dass die Leute, die sich eines bestimmten Wirkstoffes bedienen, den Umgang mit Medikamenten dieser Art schon mal trainieren möchten. Im Rahmen der Kostenerhöhung für die Pflegeversicherung haben wir gelernt, dass insbesondere die Leistungen für Demenzkranke verbessert wurden. Und zwar deshalb, weil, wie wir jetzt wissen, aufgrund der demografischen Entwicklung auch der Anteil von an Demenz erkrankten Menschen stark zugenommen hat. Da ist also das Stichwort: Der Wirkstoff, der beim Privatdoping offenbar vorzugsweise konsumiert wird, kommt eigentlich zur Behandlung von Demenzerkrankungen zum Einsatz. Blöd, dass man nicht genau weiß, ob nicht die Wirkung vielleicht dann ausbleiben könnte, wenn man solche Medikamente irgendwann später mal wirklich braucht.
Persönlich muss ich leider seit Jahren ein Mittel gegen Bluthochdruck (kein Betablocker!) einnehmen. Das hat zwar auch Nebenwirkungen aber auf der Dopingliste wird es wohl nicht stehen. Schlaf- oder Beruhigungstabletten nehmen meine Frau und ich ebenso wenig wie Aufputschmittel. Wir kommen ohne aus, obwohl wir in letzter Zeit nicht gerade besonders gut schlafen. Vielleicht hat das mit der Wirtschaftskrise zu tun. Wir versuchen, dagegen was zu tun, in dem wir uns mehr als früher bewegen. Das soll ja auch noch andere Vorteile haben.
Die Psychologen wissen natürlich, weshalb so viele Leute zum Privatdoping greifen. Sie wollen immer perfekt funktionieren. Und um dieses zu erreichen, greifen wir zu Medikamenten. Wenn man dann genauer hinguckt ist es wahrscheinlich die nackte Angst, im Beruf zu versagen und am Ende deshalb den Job zu verlieren. Manche versprechen sich davon vielleicht auch, leichter Karriere zu machen. Der Zweck einigt also die Normalos und unsere Spitzensportler: Wir wollen doch alle wenigstens ein bisschen erfolgreich sein.












Ich bin auch aktiver Bierathlet und habe bislang noch keinerlei Probleme mit Doping gehabt.
Aber mal im Ernst: wenn ein Mohnbrötchen für einen positiven Drogentest genügt und auf der anderen Seite ein Mordsgeschrei erhoben wird, wenn ein Athlet nicht ganz oben auf dem Treppchen steht, muss man schon mal nach der Qualität der Tests und der Scheinheiligkeit der ganzen Gesellschaft fragen.
Meine medizinische Ausrüstung besteht schon immer und regelmäßig lediglich aus einem Päckchen Aspirin, einer Handcreme gegen trockene Haut und einem Vorratspäckchen Pflaster.
Leute, die glauben, “dopen” zu müssen, um angeblich besser “funktionieren” zu können, finde ich bestenfalls bemitleidenswert. So freundlich will ich da noch sein, denn normalerweise habe ich für Leute, die sich selbstverschuldet und mit vollem Bewusstsein schädigen, kein Mitleid übrig.
@Gilbert: Es gibt wirklich wenig Besseres, als mit einem kühlen Bierchen vor der Glotze die Sportschau zu gucken, vielleicht auch ne andere Sportart. Aber die Zeiten des Selbermachens ist Vergangenheit. Will sagen: Wir dopen und echauffieren uns gleichzeitig darüber, dass unsere Helden es auch tun. Wie du sagst, eine sehr scheinheilige Debatte.
@Boris: Wie beschrieben, umfasst mein Medivorrat ein paar andere Dinge. Ansonsten kommt an meinen Körper nur Wasser und CD. Gut, regelmäßiges Bier oder mal einen Rotwein darf ich nicht vergessen. Ich fürchte, mit dieser Einstellung machen wir nie Karriere.