Wie gut staatliche Regulierung wirkt sieht man am Gesundheitssystem

Seit dem Höhepunkt der Finanzwirtschaftskrise forderten viele, dass dieser Bereich viel stärker als bisher reguliert werden müsse. Diejenigen, die es mit staatlicher Regulierung nicht so haben, warnen dann fast reflexartig davor, ebendies zu tun. Dabei gehört gerade der Bankensektor bekanntermaßen zu den am stärksten regulierten Märkten, die wir überhaupt kennen. Blöd nur, dass die Regeln schlicht vergessen bzw. nicht angewandt wurden. Die Folgen sind immer noch unabsehbar.

Dass jedenfalls eine mögliche staatliche Regulierung nicht unbedingt zielführend ist zeigt die Eskalation um die erst kürzlich in Kraft getretene neue Honorarregelung für Ärzte. Einerseits irritiert es den “unbeteiligten” Betrachter ein wenig, dass ja schließlich die Ärzte mit ihren Ständevertretern an den Verhandlungen direkt beteiligt waren und nun von den getroffenen Vereinbarungen nichts mehr wissen wollen. Andererseits aber hat der Staat (in der öffentlichen Wahrnehmung mehr die Person der Bundesgesundheitsministerin) wieder mal ein Regelwerk geschaffen, das zu höchstem Unmut und wohl auch zu gewissen Ungerechtigkeiten führt, die nun “die” Ärzte (vornehmlich wohl die bayerischen), auf die Barrikaden bringen.

Offenbar will die staatliche Regulierung, auch wenn sie noch so gut gemeint ist (was ich im Gegensatz zu Ulla- Schmidt-Hassern ausdrücklich unterstellen möchte), keine positiven Wirkungen entfalten. Gerade das Gesundheitssystem ist inzwischen wohl ein schwarzes Loch an gut gemeinten aber schlecht gemachten Regulierungen. Möglicherweise ist auch die Anzahl der Regeln im Regelungswerk des Gesundheitswesens zu hoch.

Wer weiß, ob uns das nicht mit den staatlichen Regulierungsversuchen für den Finanzmarkt ebenso gehen wird?


Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    @Horst:

    Das “Gesundheitssystem” hab´ich gerade aus eigener Anschauung erlebt (ich darf ja noch ca. 3 Monate auf Krücken humpeln) – näheres habe ich ja im Beitrag:

    “Was für das Guiness-Buch der Rekorde: 60 Mrd. $ Verlust in 3 Monaten” OT geschrieben.

    Kleines Update dazu: Fahrtkosten zum Arzt – Pustekuchen. Dem Gesetzgeber/Krankenkasse ist scheißegal, wie weit man mit seinen Krücken dahin humpeln muß. Gibt´s nicht. Und wenn man eventuell wieder auf die Schnauze fällt – dann wird eben die nächste OP bezahlt. Das nennt man dann wohl Kosteneinsparung. Ich pieke mich jetzt ein paar Wochen selber in den Bauch (jeden Tag eine Spritze gegen Thrombosegefahr) – das ist fast so schön wie Surfen mit dem IE… :cry:

    Wenn die noch mehr “regulieren” – dann darf man sich das Bein irgendwann selbst abhacken – die nötige Axt müsste man sich natürlich privat besorgen.

    Gott sei Dank habe ich ganz tolle Nachbarn (ein älteres Ehepaar so um die 75) – die kaufen für mich ein usw. Als ich mir die erste Spritze geben wollte, hab´ ich bei denen geklingelt: “Ich trau mich alleine nicht” hab´ ich gesagt – sie haben mich hereingebeten, und der Mann hat mir gut zugeredet. Eine Viertelstunde später hab´ ich´s dann gemacht. Tat nur ein bisschen weh. Jetzt habe ich Mut genug, es morgen alleine zu machen. Das fand/finde ich ganz Klasse von denen. Hab´ ich ihnen auch gesagt.

    Der temporär “Einbeinige” grüßt dich.

  2. shibumi meint:

    naja ich denke zu wenig ist nicht richtig und zuviel ist auch nicht richtig. im finanzwesen war und ist es zu wenig kontrolle und im gesundheitswesen ist es zuviel. es fehlt das gesunde mittelmass.

  3. Horst Schulte meint:

    Lieber Jürgen,

    das sind ja Dinge, die dir da passieren. Ich erinnere mich noch daran, als früher praktisch fast jede Fahrt von zu Hause zum Arzt und umgekehrt von den Kassen übernommen wurden. Vielleicht war das ja tatsächlich zu teuer. Aber heute müsste man doch wenigstens darauf achten, mit welchen Leuten man es zu tun hat. Hat jemand wenig Geld, dann muss es doch auch möglich sein, diesem Menschen die Kosten für ein Taxi zu erstatten. Es ist einfach zum Verrücktwerden. Ich hoffe, dir geht es schon ein bisschen besser. Das mit den Spritzen sollte man kaum glauben. Sie sind wahrscheinlich so ähnlich, als würde man sich gegen Zucker spritzen. So hört sich deine Schilderung jedenfalls an.

    Ich wünsche dir weiterhin gute Besserung. Und gut, dass es noch Menschen wie dieses ältere Ehepaar gibt, die sich wenigstens noch ein bisschen um ihre Mitmenschen kümmern. Wie gesagt, alles Gute und bis bald. Horst :wink:

  4. Horst Schulte meint:

    @shibumi: Eigentlich sollte es so sein, dass sich diese Dinge ergeben. Durch den Markt. Die Regulierungen, die der Staat versucht, fruchten alle nicht. Im Gegenteil: Sie verschlimmbessern offensichtlich die ganze Sache noch. Es sind einfach zu viele Interessen, die da aufeinander stoßen. Der Staat soll die Rahmenbedingungen geben und die übrigen Dinge denen überlassen, die in diesem System tätig sind. Das wäre am Ende vermutlich viel besser und natürlich auch effektiver. Damit würden also auch Kosten gespart werden können.

  5. JürgenHugo meint:

    @Horst:

    Na – gar so schlimm ist das mit den Spritzen nicht. Wenn das jemand anderes macht (das braucht kein Fachmann sein – ich würde mich von dir nach einer kurzen Erklärung in den Bauch “pieken” lassen – ich weiß ja wie´s geht). Das Problem ist nur, sich selber zu pieken, das hat mir auch eine Krankenschwester im Spital gesagt: “Ich tu´ mich damit auch schwer” – und die kann das normalerweise perfekt im Schlaf – bei jemand anderem.

    Es ist eine seeehr dünne Nadel, und wenn alles “drin” ist fährt die Nadel automatisch zurück (federgesteuert) – und ich schmeiß´ die Spritze in den Papierkorb. Die sind immer nur für einmal – der Arzt hat mir einen kleinen Vorrat gegeben, der reicht bis ich zum Fäden ziehen sowieso hin muß – dann krieg ich neue.

    Aber gern mach´ ich das eben trotzdem nicht – ist wohl mehr ein psychologisches Problem.

    Meine neue Maus ist mir ein kleiner Trost – die rast wie ein Teufel über den Desktop, so schnell hab´ ich sie eingestellt. Und trotzdem präzise und wireless. Die ist den “Redmond-Boys” besser gelungen als Vista. :razz: :razz: :razz:

    Danke für deine Genesungswünsche – das hilft immer.

    P.S.: theoretisch könnte ich jetzt 10 Tage Nonstop am Computer sitzen – Zeit hab´ ich ja genug – und Vorräte auch… :razz:

  6. Gilbert meint:

    Wie kommst du bloß darauf, dass staatliche Regulierung gut gemeint ist? Mit sind nur zwei Gründe für das “Handeln” staatlicher Stellen bekannt:

    a) Man sagt etwas ganz einfach aus dem Grund, weil man es darf und weil es im großen politischen Spiel schädlich ist, nichts zu sagen, wenn man es darf (so ähnlich wie mit dem Hund, der sich hinten leckt).

    b) Eine Lobby nimmt einem die Arbeit ab und diktiert den gewünschte Gesetzestext, wobei sie sogar noch ein paar Zuwendungen rausrückt.

    Mit irgendeiner Form von Sachverstand und gutem Willen hat das doch überhaupt nichts zu tun.

  7. Horst Schulte meint:

    Weil ich diesen Staat (meinen Staat) noch nicht aufgegeben habe. Wir haben ja auch keinen anderen. :twisted: