Viele sind angetan von Hannos Text zum Amoklauf von Winnenden. Mir zeigt das, dass noch nicht alles verloren ist. Der Beitrag reflektiert die “Arbeit” der Medien nach der Tragödie von Winnenden und offenbar empfinden viele das, was uns in den letzten Tagen passiert ist, kein bisschen anders als ich es getan habe.
Eine Chance, diesem Umgang mit den furchtbaren Geschehnissen, zu entkommen haben wir kaum. So versuchen wir Blogger die Eindrücke abzuschütteln, in dem wir uns möglichst zurückhalten und nicht alles kommentieren, was uns da an Angeboten vor die Flinte kommt.
Einen Gedanken will ich allerdings aufnehmen, auch wenn er an unseren gelernten Reflexen natürlich nichts ändern wird.
Medienleute begründen – wahrscheinlich deshalb, weil sie es sonst selbst nicht mehr ertragen können – auch in diesem Fall ihr Engagement damit, dass sie ja die Pflicht hätten, die Öffentlichkeit über alle Details des aktuellen Ereignisses zu informieren. Sie müssen erkennen, dass es genau darum längst nicht mehr geht. Es geht um Quoten – letztlich um Geld und um den eigenen Job. Der gnadenlose Wettbewerb im Kampf um die beste und schnellste Information hat zu dieser Entwicklung geführt. Dieser Erkenntnis sollte man sich wenigstens stellen. So nämlich funktioniert dieses System.
Aber das sollte uns nicht weiter beunruhigen. Ich habe den Eindruck, dass viele von uns ahnen, dass dieses ausbeuterische System ohnehin kurz vor den Untergang steht. Blöd nur, dass wir alle noch an Bord sind.
Mancherlei JobsKapitalismusMedienPresseWinnenden
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Es geht also darum, was sie Zuschauer wollen. Nicht das System ist krank, sondern diejenigen, es bedient.
Und was sagst du zu den sich gegenseitig befeuernden Seiten? Ganz so einfach wird es leider nicht sein.
Wieso? Das ist der Wettbewerb darum, die Bedürfnisse der Zuschauer am besten zu bedienen. Gäbe es irgendwo eine Gegenbewegung, würde der nicht stattfinden.
Ja, ja. Die Märkte. Ich würde nicht von einer Gegenbewegung sprechen. Dafür sind die Leute zu lange zum Konsumieren “erzogen” worden. Das gilt selbstverständlich genauso für die Unsäglichkeiten, die uns über die Medien erreichen. Wenn man das Ergebnis dann als Bedürfnis umschreibt ist in meinen Augen etwas falsch gelaufen. Und damit werde ich nicht ganz alleine sein – nehme ich jetzt mal an.
Aber wie hast du persönlich denn die “Berichterstattung” gesehen? Ist es so, dass du daran nichts auszusetzen hast?
Ob du das “Märkte” nennst oder nicht, es beschreibt die Mechanismen, die da wirken. Wenn die meisten Leuten sich vor dieser Art der Berichterstattung grausen würden, fände sie nicht statt. Nicht obwohl, sondern weil es da um Quote geht.
Was ich an einer solchen Berichterstattung auszusetzen habe, ist eigentlich nur mein Problem. Ich muss ja nicht hinsehen. Aber es genügt ein kleiner Unfall auf der Autobahn und der sich daran unvermeidlich anschließende Gaffer-Stau auf der Gegenseite, um etwas nüchterner über menschliche (An-)Triebe zu denken und die Schuld nicht bei irgendwelchen “Erziehern” zu suchen, sondern auch mal das Rückenmark zu respektieren.
ich finde es ganz schlimm, was diesen menschen da passiert ist. auch heute noch fehlen mir einfach die worte dazu.
@Rayson: Natürlich kann man abschalten. Tue ich ja auch. Aber ich möchte auch mal wieder Nachrichten sehen, die nicht vollgestopft sind mit diesen Meldungen. Ich muss mich dieser “Realität” aussetzen, weil ich ja informiert werden will. Nun mag es ja durchaus Menschen geben, die von solchen Nachrichten nicht genug kriegen. Ich habe aber das Gefühl, dass es auch viele gibt, die damit die gleichen oder ähnliche Probleme haben, wie ich sie geäußert habe. Vielleicht liegt das ja daran, dass ich mich altersmäßig längst außerhalb der werberelevaten Zielgruppe befinde.
@shibumi: Dass diese Ereignisse schlimm waren und unsere Gedanken eine ganze Weile um das Schicksal der Betroffenen kreisen und bei ihren Familien sind, hat mit der Art der Berichterstattung nicht unbedingt viel zu tun. Oder?
Bei mir findeste Du eine Kleine Verschnaufpause vom Amoklauf. Wie uich Dagmar Dragana Schlütter, geborene Schlonzen, kennenlernte.