Ich bin einfach anders, weil ich über 50 bin?

Stellenmarkt, Foto von Paul-Georg Meister @ pixelio.de

Stellenmarkt, Foto von Paul-Georg Meister @ pixelio.de

Versucht mal, euch als über 50jähriger mit langjähriger Erfahrung im Job, mit dem “Angebot” eines deutlich kleineren Gehalts zu bewerben, also dem Personalreferenten der Firma, bei der ihr euch bewerbt, klar zu machen, dass ihr auf x Prozent eures Einkommens zu verzichten bereit seid, wenn man euch überhaupt nur die Chance lässt, euer Können unter Beweis zu stellen. Wetten, dass ihr garantiert eine Absage bekommt?

  • Der traut sich nix mehr zu.
  • Der ist ausgebrannt.
  • Irgendwas stimmt mit dem nicht.

Das sind die Gedanken, die denen durch den Kopf gehen werden, die eine solche Bewerbung lesen würden. Vielleicht laufen die Gedanken auch in gewissen Varianten ab. Nur im Ergebnis läuft es (leider) auf das Gleiche hinaus. Ihr erhaltet eine Absage – so sicher wie das Amen in der Kirche!

Age Management kommt in deutschen Unternehmen nach nach diesem Artikel bei “Buisiness-Wissen.de” fast nicht vor.

Obwohl in den letzten Jahren die Erwerbstätigkeit Älterer deutlich zugenommen hat, bleibt der Anteil der Neueinstellungen Älterer weiterhin konstant. Laut Altersübergangs-Report 2009 der Hans Böckler Stiftung liegt dieser seit Jahren bei etwa 10 Prozent aller Neueinstellungen.

Mein Gefühl hat mich also nicht getäuscht. Die Chancen der älteren Arbeitnehmer sind schlecht. Angesichts der sich verschärfenden Situation am Arbeitsmarkt wird sich das natürlich noch verschlechtern. Ich mache mir keine Illusionen.

Die abgewogenen Argumente sind wohl alle berechtigt und stichhaltig und so gesehen könnte man sagen, dass es eigentlich ziemlich dumm ist von “den” Unternehmen, dass sie nicht mehr auf eine altersmäßig vernünftige Struktur der Belegschaft achten. Andererseits zählt nicht erst seit heute zuvorderst, was ein Mitarbeiter kostet. Und da liegen jüngere Leute natürlich weit vorn. Der Mensch als Kostenfaktor. Das Humankapital der Unternehmen. Es wäre nicht schlecht, wenn man dieses Bild wieder aus den Köpfen bekommen würde. Dann wären wir auch schon ein gutes Stück weiter. So streben wir den allseits beklagten Konsequenzen der demografischen Entwicklung entgegen, setzen aber unsere Intelligenz nicht dazu ein, aus diesem Dilemma herauszukommen und die richtigen Akzente zu setzen. Wer sagt denn, dass es unbedingt so sein muss, dass ein älterer Mitarbeiter teurer ist als ein junger?


Kommentare

  1. Wer sagt denn, dass es unbedingt so sein muss, dass ein älterer Mitarbeiter teurer ist als ein junger?

    Das ist der einzige Vorteil des TVöD (der vor annähernd vier Jahren den BAT abgelöst hat): Ältere Bewerber können genauso (schlecht) bezahlt werden wie jüngere…

  2. Horst Schulte meint:

    Nun, man kann eben nicht alles haben. Dass die Einkommen ohnehin sinken und vielleicht auf längere Zeit nicht mehr das gestrige Niveau erreichen steht wohl ohnehin fest. Nur wird es uns wohl am Ende lieber sein, eine schlechtbezahlte Arbeit machen zu können als überhaupt keine mehr zu haben. Klingt verrückt, das ausgerechnet aus meinem Munde zu hören. Aber um diese Erkenntnis werden wir angesichts der Dimensionen, die diese Wirtschaftskrise uns noch aufzeigen dürfte, nicht herumkommen. :missmutig:

  3. Man kann aber auch mal einen Blick auf die andere Seite werfen, wo von jungen Leuten erst mal ein paar Jahre Berufserfahrung gefordert wird, bevor sie überhaupt in die engere Wahl kommen – gleichzeitig müssen sie dann aber natürlich jung und flexibel sein. Ich hab die Mindestberufserfahrung nach dem Studium irgendwann ignoriert, sonst hätte ich das Bewerbungen schreiben gleich komplett einstellen können.

  4. Horst Schulte meint:

    @Thomas: Klar, das gibt es natürlich ebenso. Nur, ist deine Chance wohl 90% und meine 10% einen Job zu kriegen. Und das nur deshalb, weil du jung und ich “alt” bin. Das sind einfach die Realitäten.

Trackbacks

  1. Eben gebloggt: “Ich bin einfach anders, weil ich über 50 bin? » Von Horst Schulte » Beitrag » QuerBlog” ( http://tinyurl.com/dk9oh3 )

  2. Ich suche zwar kein neuer Job, trotzdem kann ich mitfühlen: http://tinyurl.com/dk9oh3