Wir zahlen nicht für Eure Krise

Eine griffige Formel, unter der die Demonstranten in Europa ihr Missfallen über die Folgen der Finanzkrise kundtaten. Aber auch wenn es mir schwer fällt: Das ist unsere Krise. Sie kostet unser Geld und unsere Arbeitsplätze.

Sicher, es hilft beim Frustabbau, wenn man Schuldige ausgemacht hat. Und bestimmt sind die Adressaten der Protestanten auch nicht immer die Falschen. In London blieb es friedlich. 35.000 Demonstranten. Ihr Protest richtete sich, wie der der 15.000 Teilnehmer bei der Berliner Demo gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die beiden Mottos wichen voneinander ab:

  • In London hieß es: “Jobs, Gerechtigkeit und Klimaschutz”
  • In Berlin: “Wir zahlen nicht für eure Krise”

In Berlin klang das einen Tick aggressiver. Dort kam es nach der gestrigen Demo zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Die britische Regierung sieht für die am Donnerstag beginnenden Gespräche der G20 vor, dass die staatlichen Konjunkturpakete einen Gesamtumfang von 2 Billionen Dollar erreichen sollten. So steht es jedenfalls im Abschlusskommuniqués der britischen Regierung. Damit hofft man, das Wachstum global um 2% und die Beschäftigung um 19 Millionen zu erhöhen. In der genannten Summe sind alle bisher schon verabschiedeten Konjunkturpakete enthalten. Die EU verhält sich gegenüber dieser Forderung zugeknöpft. Merkel will beispielsweise abwarten, ob die bisherigen Konjunkturpakete überhaupt die gewünschten Effekte haben werden.

Schon daran, dass es natürlich bei dem Treffen der G20 um viel Geld, unser aller Geld, geht, sieht man, dass das deutsche Demomotto “Wir zahlen nicht für Eure Krise” wirklich totaler Blödsinn ist. Wir zahlen alle. Ohne Ausnahme. Auch die, die jetzt schon fast nichts mehr haben. Und daran wird keiner irgend etwas ändern.