Leute, denen ich dafür stille Bewunderung zolle, dass sie von Politik oder Wirtschaft viel mehr verstehen als ich, finde ich in verschiedenen politischen Lagern. Sie haben mir oft durch ihre Beiträge neue Aspekte und Perspektiven vermittelt.
Eine Gemeinsamkeit ist mir aufgefallen: Wir (Blogger) sind meistens gegen aber selten für etwas. Jetzt kann man sagen, dass doch die Parteinahme gegen das eine bedeutet, dass man automatisch für das andere wäre.
Wer nicht für uns ist, ist gegen uns (Georg W. Bush, 2001)
Heute las ich bei Zettel einen Absatz, der mich verwirrt hat, obwohl ich seine Vorbehalte gegen Obama längst kenne und teilweise auch nachvollziehen kann:
Es ist eine "smaller but still lethal insurgency", die sich da bildet, ein kleinerer, aber doch tödlich bedrohlicher Aufstand. Wie generell beim Terrorismus im Irak geht es nicht darum, militärisch die Macht zu erobern, sondern die Öffentliche Meinung in den USA zu beeinflussen.
Unter Präsident Bush hatte diese Strategie nicht gefruchtet, weil dieser lieber miserable Umfragewerte in Kauf nahm, als dem Terror nachzugeben. Bei Präsident Obama könnte sie sich als erfolgreich erweisen.
http://zettelsraum.blogspot.com/2009/04/marginalie-der-terrorismus-im-irak.html
Ich lese das so, dass Bush, der diesen schrecklichen und auf Lügen und Betrug gründenden Krieg angezettelt (sorry) hat, der positive und verantwortungsbewusste Staatsmann und Obama derjenige sei, der die Menschen im Grunde für dumm verkaufen will. Ohne Bush und seine unsäglichen 8 Jahre Amtszeit hätte es weder die ausweglose Situation in Afghanistan noch die Lage im Irak überhaupt gegeben. Ja, ich beziehe Afghanistan mit ein in meine Kritik. Wir werden dort die Taliban nicht bezwingen und auch die Kaida nicht.
Nicht Obama ist an der Zunahme der terroristischen Aktivitäten im Irak schuld, sondern derjenige, der diesen Krieg völkerrechtswidrig begonnen hat. Ich habe das nicht vergessen!












Lieber Horst Schulte,
Sie haben Recht, und mir ist das schon oft durch den Kopf gegangen: Warum überwiegt eigentlich bei uns Bloggern die Kritik so sehr?
Ich will das eigentlich nicht. Aber wenn ich die aktuellen Meldungen nach Themen durchsehe, von denen ich denke, daß sie einen Artikel lohnen, dann fällt mir meist etwas auf, das ich kritisch sehe.
Vielleicht liegt es daran, daß Zustimmung oft unfruchtbar und langweilig ist. Was soll man sagen außer: “Ja, das finde ich gut”? Auch in Foren ist das ja so; zum Beispiel in “Zettels kleinem Zimmer”, das Sie ja auch kennen. Man schreibt einen Beitrag, wenn man etwas zu kritisieren hat. Manchmal auch zu ergänzen, aber das Kritisieren ist doch das Spannendere.
So sind Diskussionen halt. Sie leben von der Dialektik, also vom Widerspruch.
Was nun meinen Artikel angeht, den Sie – kritisieren
:
Ihre Meinung über Präsident Bush teile ich nicht; das wissen Sie ja. Und Sie teilen meine über Präsident Obama nicht. Wir werden einander wohl auch nicht überzeugen; das ist ja nicht schlimm.
Ich habe Obama anfangs neutral gegenübergestanden. Meine heutige negative Meinung basiert darauf, daß ich viele seiner Wahkampf-Auftritte in CNN verfolgt habe und zu der Überzeugung gekommen bin, daß er mit den Mitteln eines Demagogen arbeitet. Dann ist mir aufgefallen, wie oft er seine Position je nach Opportunität gewechselt hat. Seit seinem Amtsantritt sehe ich viel Aktionismus, aber keine klare Linie.
Was nun den Irak-Krieg angeht, wird man abwarten müssen, ob es den Irakern, ob es dem Nahen Osten in einigen Jahren besser geht, als es ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach bei einem Weiterbestehen der Herrschaft Saddam Husseins gegangen wäre. Ich habe den Krieg nicht befürwortet, aber auch nicht abgelehnt. Ich habe nur die Schwierigkeiten befürchtet, die sich dann eingestellt haben, und ihn deshalb skeptisch gesehen.
Zu dem Zitat aus meinem Artikel: Es bezieht sich auf das Verhalten von Bush und Obama in der Krise des Jahres 2007, als die reale Gefahr bestand, daß es im Irak zu einem Bürgerkrieg kommen würde; mit dem Ergebnis, daß die Kaida in einigen Provinzen (Anbar, Diyala) die Macht übernehmen und neue Ausbildungslager für Terroristen hätte einrichten können.
Damals hat – Anfang 2007 – der damalige Senator Obama im Senat einen Gesetzentwurf eingebracht, der den sofortigen und bedingungslosen Abzug der US-Truppen vorsah. Präsident Bush hingegen hat sich entgegen der Öffentlichen Meinung und großem Druck aus dem Senat für den Surge entschieden und damit nicht nur den Bürgerkrieg verhindert, sondern auch den Irak auf den heutigen positiven Weg gebracht.
Hätte Obama sich damals durchgesetzt, dann läge der Irak heute im Chaos. Er wollte der Gewalt nachgeben, ohne Rücksicht auf die Folgen.
Deshalb fürchte ich, daß dann, wenn die Gewalt im Irak wieder zunehmen sollte (und die Aufständischen versuchen das im Augenblick mit allem, was sie noch haben), Präsident Obama darauf wiederum mit einem Truppenabzug reagieren würde. Mit der Gefahr, daß das bisher Erreichte im Irak wieder verspielt wird.
Herzlich, Zettel