Reich-Ranicki – Mein Leben

Dank den Hinweises in einem der Kommentare zu meinem Artikel von Anfang des Monats über die Verfilmung der Biografie von Reich-Ranicki habe ich mir diese schon heute Abend bei “Arte” angesehen, inkl. der anschließenden Reportage.

Ich kann nur noch einmal empfehlen, sich diesen Film nicht entgehen zu lassen. Er läuft am 15.04., 20:15 Uhr in der ARD.

Wie meinte doch dieser Fernsehkoch Lafer, als Reich-Ranicki vor wenigen Monaten unter großem medialen Getöse einen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ablehnte? Seiner Ansicht nach sei die Kritik von Reich-Ranicki am Publikum vorbei gegangen. Klar, Herr Lafer. Kochen sie mal weiter im ZDF ihre Süppchen mit Kerner. Ich bevorzuge andere Kost. Und sicher nicht ich allein.

Auszeichnungen für Reich-Ranicki, Quelle: Wikipedia

Auszeichnungen für Reich-Ranicki, Quelle: Wikipedia

Kommentare

  1. Rayson meint:

    Auch als jemand, der das Buch gelesen hat, fand ich die Verfilmung sehr gelungen.

    Für mich hat beides aber zwei verschiedene Sichten. Da wäre zum einen die Schilderung des unsäglichen Grauens, das die deutsche Vernichtungsmaschinerie über die Juden gebracht hat. Gerade die kleinen Details der Unmenschlichkeit sind es, die einem das gesamte Szenario näher bringen als z.B. eine Zahl von sechs Millionen Toten.

    Aber auf der anderen Seite ist da die Lebensgeschichte des Menschen Marcel Reich-Ranicki. Auch die ist natürlich nicht ohne das o.g. Grauen zu denken, aber sie hat ebenso natürlich auch individuelle Züge. Und da muss ich gestehen, dass mir insbesondere die Umstände seiner Flucht aus dem Ghetto reichlich nebulös erscheinen, so als ob sich dahinter noch eine andere Geschichte verbergen würde.

    Sei’s drum. Dass da ein in Polen geborener und in Berlin aufgewachsener Jude trotz der unvorstellbaren Verbrechen an seinen Nächsten seine Heimat in der deutschen Literatur und Musik behalten hat, ist eine Geschichte, die man so nie hätte erfinden können. Und es ist unser Privileg, deren glücklicheren Teil miterlebt zu haben.

  2. Horst Schulte meint:

    Das Buch steht auf meiner Wunschliste. In der Bewertung des Films sind wir uns absolut einig. Er ist auch für mich ein besonderer Mensch, weil er mit dem persönlichen Schicksal, das Deutsche verantworten, seinen Lebensmittelpunkt in diesem Land auch nach dieser furchtbaren Zeit, haben wollte. Dass seine Frau damit offenbar mehr Problem hatte als er selbst und dies bestimmt nicht so einfach beigelegt werden konnte, kam im Film ein bisschen zu kurz.

    Reich-Ranicki hat seine Entscheidung kurz und prägnant auf den Punkt gebracht. Es war die Sprache, seine Sprache, die ihm wohl “keine andere Wahl” gelassen hat. Es wird bestimmt vielen Menschen nicht viel anderes zumute gewesen sein, als sie nach 1945 vor ähnlichen Entscheidungen standen.

Trackbacks

  1. [...] noch unter dem Eindruck von Reich-Ranickis Biografie, deren Verfilmung ich gestern Abend bei Arte angesehen habe, kann ich all die verstehen, die [...]