Spendet der Glaube Trost bei Zukunftsängsten?

Vor Ostern sind die meisten Leute gut gelaunt. Es mag am aufziehenden Frühling liegen, sicher aber auch daran, dass ein paar freie Tage vor uns liegen. Dass wir als Christen eigentlich das Gedächtnis an Tod und  Auferstehung Jesu Christi feiern, spielt bei vielen eine untergeordnete Rolle.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt beichten war. Überhaupt. Normalerweise treibt mich nichts in die Kirche. Unsere Eltern haben uns christlich erzogen, und ich wurde von meinen nachdrücklich dazu angehalten, die sonntägliche Messe zu besuchen. Es hagelte, auch als ich Erwachsen war, Kritik, wenn ich meine einfach nur lasche Einstellung dazu geäußert habe.

Bestimmt ist das nichts besonderes. Jedenfalls nachdem, was ich dazu den Medien entnehmen kann. Und was ist bei mir hängengeblieben? Ich meine außer, dass ich mich erinnern kann, wie ich als Junge des Gottesdienst nicht immer einfallsreich aber doch effektiv geschwänzt habe? Die Wege führten mich an der Kirche vorbei, in dem ich mich sonntags in die Pfarrbücherei oder es in der Woche vorzog, eine Schülerlotsensonderschicht einzulegen.

Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen – wahrscheinlich eine Folge meiner Erziehung. Da bleibt was hängen, aber es ändert nichts. Ich behaupte aber von mir, kein ungläubiger Mensch zu sein. (Komisch: Warum schreibe ich nicht “ein gläubiger Mensch zu sein”?) Ich möchte nicht auf den üblichen Ausredenzug hüpfen: ich glaube an Gott aber mit der Kirche habe ich nichts am Hut. Deshalb bin ich ausgetreten.

In Wahrheit ist es wohl eher so, dass viele die Kirchensteuer einsparen wollten. Das kann jeder halten wie er mag. Meine Frau und ich sind immer noch Mitglieder der katholischen Kirche und bleiben das! Einerseits aus Rücksicht auf unsere Familien und wegen der Sorge, einen Streit zu führen, den man nicht will, und andererseits aber eben auch deshalb, weil wir der Meinung sind, dass die Kirche, trotz der Fehler, für die sie zu Recht kritisiert wird, Menschen hilft und damit im Sinne von Jesus Christus handelt. Im Übrigen transportiert diese Kirche christliche Werte, die richtig und für unser Zusammenleben nach meiner Überzeugung ganz unverzichtbar sind.

Das Thema der letzten Sendung “Menschen bei Maischberger” war: "Glaube statt Gier: Kommt die religiöse Wende?" Ich denke, uns geht es noch zu gut, als das sich diese Frage so stellen würde. Menschen besinnen sich in der Regel erst dann religiöser Werte, wenn es ihnen schlecht geht. Wir fürchten natürlich, dass es uns bald schlecht gehen könnte aber noch ist das eben nicht der Fall, sofern wir von den Folgen der Krise nicht schon selbst betroffen worden sind. Es ist einfacher, sich an bessere, an gute Zeiten zu gewöhnen als an schlechtere. Mehr noch setzt uns die diffuse Angst zu, dass die Zeiten noch viel schlechter werden könnten als wir uns das selbst heute vorstellen können.

Darin bestärkt uns die Meinungsvielfalt, der wir tagtäglich ausgesetzt sind. Die Inflation der Meinungen will in dieser mediendominierten Gesellschaft erst einmal “beherrscht” werden – sofern das überhaupt noch geht. Aber keiner mag die Alternative im Konsumieren der Meinungen Nachrichten darin sehen, einfach den Kopf in den Sand zu stecken. Also setzen wir uns weiter dem Stakkato der Angstmacher aus.

Die Botschaften der Kirche sind in diesem Kontext auch nur bedingt geeignet, uns Orientierung zu geben. Papst Benedikt verwirrt durch seine in den Medien zudem auch noch überinterpretierten Aussagen und seine Bischöfe nehmen sich da kaum aus. Was bleibt ist die “reine Lehre”.

Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. (Jesus Christus, Bergpredigt)


Kommentare

  1. bulldrinker meint:

    Meiner Meinung nach muss das mit dem Glauben jeder für sich selbst regeln! Auf die Familie oder andere sollte man dabei keine Rücksicht nehmen, auch oder gerade wenn einem das schlechte Gewissen anerzogen wurde. Das schlechte Gewisse zeigt nur, dass es in der Erziehung genug “eingebrannt” wurde!

  2. Horst Schulte meint:

    Das ist wahr. Solche Fragen kann nur jeder für sich allein entscheiden.

    Das mit dem “schlechten Gewissen” sehe ich weniger einseitig. Schließlich werden auf diese Weise ja auch in gewissem Rahmen Werte vermittelt. Deshalb kann es nicht so schädlich sein, wenn sich gewisse Dinge “einbrennen”. Andererseits ist die Methode deshalb nicht so überzeugend, weil sie auf Zwängen beruht. Da muss man sich Fragen, ob man Kindern eine freie Entscheidung über diese Dinge überlassen sollte. Vermutlich wird das auch nicht funktionieren.