Die psychologische Wirkung auf die Wirtschaft ist Scheiße

Kann man für Deutschland etwas daraus ableiten, dass sich seit Beginn der Krise in den USA die Arbeitslosenzahlen ungefähr verdoppelt haben und jetzt bei über 12 Mio. Menschen liegen? Ist es unter diesen Umständen trotzdem realistisch, dass wir mit einer Arbeitslosenzahl von 4,5 Mio. zu rechnen haben, wie unsere so genannten Experten das vorhersagen? Inzwischen ist ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes avisiert. Die Margen vom Jahresanfang lässt dies beinahe schon lächerlich erscheinen. Und die Prognosen liegen erst wenige Monate zurück. Im Januar erwartete die Regierung noch ein Wachstum von 1,7%!

Wir hören doch häufig, wie anfällig vor allem die Börse auf schlechte Nachrichten reagiert. Sogar konjunkturelle Veränderungen sind, wie man glaubhaft versichert bekommt, stark von Stimmungen abhängig. Wenn das doch alle wissen, weshalb verhalten sich die Leute dennoch nicht entsprechend?

Über die Osterfeiertage fiel mir auf, dass sich noch mehr Leute Gedanken darüber zu machen scheinen, wie groß der Zug wohl ist, der da mit Volldampf auf uns zurast. Viele sehen schwarz, manche schwärzer und einige sehen (mal wieder) die Apokalypse. Teilweise habe ich die Artikel im Blog erwähnt und zum Teil über den Google-Reader kommentiert.

Unser Egoismus hat mit der Globalisierung und dem Wegfall irgendeines Alternativmodells zum real existierenden Kapitalismus zuletzt den Höhepunkt erreicht. Daran haben alle ihren Anteil — nicht nur Manager, sondern wir alle. Dieser Erkenntnis sollten wir uns vielleicht auch endlich einmal stellen. Möglicherweise können insbesondere unsere westlichen auf Wachstum und Wohlstand getrimmten Gesellschaften den zu erwartenden Zusammenbruch nicht verkraften. Die Politiker machen sich zunehmend Sorgen, dass im Windschatten der Krise radikale Parteien Zulauf erhalten könnten. Das liegt nahe. Die Gründe dafür fasst dieser Leitartikel des Kölner Stadt-Anzeiger zusammen:

Viele Analysten vergleichen die Lage mit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Sie löste damals auch eine Krise des Sozialstaates aus. Zugesagte Leistungen konnten nicht mehr gezahlt, Standards mussten gesenkt werden. Aber daran erinnert heute kaum jemand. Auch nicht daran, dass seinerzeit die Doppel-Krise von Wirtschaft und Sozialstaat zum tödlichen Keim für die vielfach ungeliebte Demokratie wurde. (Günther M. Wiedemann)

Wenn wir nicht gegenseitig auf uns aufpassen (nicht in Schäubles Sinne übrigens), werden wir am Ende über unsere existenziellen Ängste und Nöte vielleicht vergessen, was uns jetzt noch so selbstverständlich scheint, das wir gar nicht daran denken, was die Krise unserer Gesellschaft anhaben könnte. Da geht es ja nur um unsere Freiheit. Vielleicht denken auch einige, was interessiert mit das Geschwafel von Freiheit. Ich brauche Geld, um meine Familie durchzubekommen. Das ist eine sehr reale Gefahr, der wir uns bewusst sein müssen.


Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    Horst, Horst – du hast über Ostern zu viel Zeit gehabt, dich mit komplizierten und/oder schlimmen Dingen zu beschäftigen – und darüber zu schreiben.

    Werd´ nich zum Berufspessimisten… :lustig:

    Wenn ich die letzten paar Artikel sehe – ei wei – da wird mir richtig bange…