Was fasziniert junge Leute an Bushido?

09.05.2009 · 3 Kommentare · 93 LESER

Bushidos Leben wird verfilmt. Von Bernd Eichinger. Die Vorlage, seine Autobiografie, hat er, Bushido selbst, im letzten Jahr geliefert. Sie wurde viel beachtet. Ein Bestseller. Für junge Leute ist er ein Faszinosum, für ältere die pure Provokation.

Diese Polarisierung gibt es wohl schon immer und die Gesellschaft wird von ihr wahrscheinlich ein Stück weit lebendig gehalten. Aber mit dieser beschwichtigenden Haltung wird man dem innewohnenden Phänomen nicht gerecht. Es geht es, wie immer, um die Auflehnung der Jungen gegen die Alten. Mit spießigen (Vor)-Urteilen will man aufräumen und zwar, in dem man Provokationen, wie sie Bushidos Texte natürlich darstellen, auf ein imaginäres Podest erhebt und zur eigenen Anschauung erklärt.

Artikel zum Thema:

http://www.faz.net/s/RubE219BC35AB30426197C224F193F54B1B/Doc~E5460B5A8B3AA4CDF89E170A1C4B5BDAA~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell

http://blog.hiphop.de/spit-tv/36721/

http://rap.de/news/4049

http://www.zeit.de/online/2009/19/echolot-2

Nicht wenige manifestieren ihre Haltung, in dem sie den Slang ihrer Idole verbal übernehmen. Auch das löst Kopfschütteln aus. Bingo. Auch deshalb schwingt bei den Beobachtern nicht selten ein ziemliches Unbehagen mit. Das alles ist aber wohl kein Unterschied zu dem, was wir alle in unserer Jugend mehr oder weniger ausgeprägt selbst kennengelernt haben. Irgendwann waren wir ja alle mal 20.

Leider gibt es eine Komponente, die schon eine andere, dunkle Qualität besitzt. Die Texte Bushidos und anderer Rapper sind zum Teil regelrecht verstörend. Ich schenke mir das Zitieren einschlägiger Passagen. Sie sind hinlänglich bekannt. Es geht gegen Frauen, gegen Minderheiten, und die Texte sind ein klares Pladoyer für Gewalt.  Das reicht für mich aus, um diese Art von Musik nicht zu mögen. Ja, sie stößt mich ab! Das gilt nicht generell für Rap, aber für die Werke der so genannten Gangsterrapper allemal.

Wenn wir uns nun aber verächtlich machen über die Fans von Bushido, bestärkt es diese logischerweise im Sinne des zuvor Ausgeführten. Sie werden vermutlich zu noch unkritischeren Konsumenten eines gewaltverherrlichenden, teils menschenverachtenden und offenbar trotzdem sehr erfolgreichen Musikgenres.

Das Dümmste, was uns also dazu einfallen könnte, wäre doch, über Verbote oder Repressalien nachzudenken. Erstens ändert das überhaupt nichts am Verhalten und zweitens bewirken diese erfahrungsgemäß rein gar nichts. Die Reaktionen vieler Leute bei YouTube zu solchen Videos, wie SAT1 sie über Bushido gebracht hat, zeigen, was eine konträre Öffentlichkeit erreichen würde, wenn sie gegen Gangsterrapper wie auch immer vorgehen würde. Die Leute und ihre Musik würden noch interessanter für ihre Zielgruppe.

Außerdem reflektieren diese Rapper natürlich auch “nur” die reale Welt. Nicht die Realität folgt den kreativen Eingebungen irgendwelcher Rapper, sondern es ist anders herum. Damit liegt der Ball wieder einmal in unserer Spielhälfte. Die Gesellschaft insgesamt muss sich verändern, wenn wir solchen Entwicklungen etwas entgegensetzen möchten. Dazu sind wir natürlich auch in der Lage. Auch wenn es manchmal anders aussieht.

Der Film über Bushido soll ruhig gedreht werden. Interessant ist seine Geschichte nämlich auf jeden Fall – auch wenn man seine Musik und vor allem seine Texte eigentlich verabscheut.

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{ 3 Kommentare }

1 Nola 09.05.2009 um 18:33 Reply to this comment

Ich bin gegen diesen Film.
Einfach deshalb, weil man so einem fehlgesteuerten Horn nicht auch noch ein Denkmal setzen sollte. Mit dem Film würde eine Art von Bedeutung entstehen, die man nicht unterstützen sollte.

Ich habe Bushido mal life bei Kerner im letzten Jahr gesehen und da machte er dann auf “erwachsengeworden” und sieht heute vieles ganz anders, das er aber eine ganze Generation mit Fäkalsprache und dem denkbar schlechtesten Vorbild in Sachen Liebe oder Romantik versaut hat, davon war keine Rede.

Aber davon, das er seine “Schäfchen” im trockenen hat und gutsituiert ist. Ja dann kann man ja auch zur Normalität zurückkehren und den spiessigen Bürger geben. So ähnlich stellte er sich jedenfalls dar.

LG Nola

2 Horst Schulte 09.05.2009 um 19:46 Reply to this comment

Oh ja, Bushido erzählt manches, was ihn auf den ersten Blick fast sympathisch wirken lässt. Nur, was er tut spricht doch eine etwas andere Sprache. Ich kann verstehen, dass du gegen den Film bist. Das wird aber nichts nützen. Ansehen werde ich mir diesen Streifen garantiert nicht. So, wie ich mir auch nie im Leben irgendeine der CD’s von diesem Rapper kaufen würde.

3 Philipp 12.05.2009 um 13:15 Reply to this comment

Stimme ich soweit zu. Die im Video gezeigten Geschichten kannte ich noch nicht und machen mir den Mann noch weitaus unsympathischer als er eh schon ist. Schlimm ist aber nicht Bushidos Benehmen, sondern eher, dass es bei großen Massen Anklang findet.

Übrigens: Nettes Blog, gut geschrieben und sehr übersichtlich ;-)

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