Die Rivva Startseite ist weiterhin voll davon. Schon eine ganze Weile ist sie bewegt von einem dominierenden Thema. Ein paar unverständige Politiker/innen wollen Sperren im Internet einrichten. Und das, obwohl sie doch von der Technik, ja vom Internet selbst, nun nachweislich überhaupt keine Ahnung haben. Jedenfalls klingt es vielerorts so herüber. Die Demokratie scheint in Gefahr und das bringt auch Deutschlands Blogger auf den Plan. Nicht, dass ich die Aufregung nicht nachvollziehen kann. An der Petition habe ich mich beteiligt.
Mich stört aber, dass aus der berechtigten Empörung über diese Vorgänge mancherorts Schlussfolgerungen gezogen werden, die ich so überhaupt nicht teilen kann. Die Themen, um die es nämlich im Internet, jedenfalls nach meinem Eindruck im Wesentlichen geht, sind auf ganz wenige Bereiche begrenzt. Diejenigen, die sich hier tummeln, interessieren sich in meiner Wahrnehmung ganz überwiegend dafür, welche Limits ihrer virtuellen Freiheit durch unverständige Politiker gesetzt werden.
Natürlich ist das spannend, und es ist gut, dass die Community sich für etwas, nämlich ihre eigene Überzeugung einsetzt. Vergleichbares passiert im zivilen Leben ja leider nicht allzu oft. Es hat sich in der Folge eine beachtliche Opposition im Web gebildet, die auch in den klassischen Medien Beachtung findet.
Der “jungen Generation” allerdings aufgrund solcher Aktion zu attestieren, sie sei “eine große soziale und politische Generation” klingt in meinen Ohren beifallheischend. Risiken, die durch soziale Verwerfungen als Folge der Wirtschaftskrise für unsere Demokratie entstehen, kommen bei Bloggern im Vergleich zu diesem Thema kaum vor. Ich konzediere, dass ich mir als 55jähriger andere Gedanken mache als das junge Leute tun. Das ist wahrscheinlich auch richtig und gut so. Trotzdem teile ich Cems geradezu euphorische Bewertung nicht.
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Lieber Horst, um allen Missverständnissen vorzubeugen, ich schliesse nicht aus der Aktion “Zensursula” auf eine grosse generationsbestimmende Bewegung. Sondern umgekehrt, ich habe das Gefühl etwas bewegt sich seit langer Zeit, getragen von ´der aktuellen Generation. Und, Zitat “Die Zensursula-Aktion ist nur ein Mosaiksteinchen dadrin”.
Diese generation ist natürlich anders als ihre Vorgänger, technologie- und webaffiener, aber genauso politisch. Ihre Mittel sind nur anders.
Übrigens, schön zu erfahren, dass wir fast der selbe Jahrgang sind. Du hast ja dann auch die politische Entwicklung der letzten Jahre aus eigener Anschauung erlebt.
@Cem:
Zitat: “Diese generation ist natürlich anders als ihre Vorgänger, technologie- und webaffiener, aber genauso politisch.”
Ein Teil lieber Cem, einTeil ist “webaffin” – viele andere haben Mühe, den Computer unfallfrei einzuschalten…Das kommt mir auf jeden Fall so vor, wenn ich lese, was in vielen Foren zu diesem und jenem geschrieben wird – in Bezug auf Thematik und Rechtschreibung…
P.S.: Ich bin übrigens “noch” 2 Jahre älter als Horst…
@Cem: Wenn du es nicht allein auf die Erfahrung mit der Web-Community beziehst, sondern das “wahre” Leben mit einbeziehst, also dort diese Erfahrung gemacht hast, dann bin ich der Letzte, der solche Lebenserfahrungen infrage stellen würde. Ich verfolge die “politischen” Themensetzungen im Web natürlich auch intensiv und dort habe ich wirklich einen anderen Eindruck. Es gibt viele Punkte im gesellschaftlichen Leben, für die ich die heutige Jugend sehr bewundere und auch ein bisschen beneide. Dazu gehört auch das Selbstbewusstsein, das mir heute sehr viel stärker ausgeprägt zu sein scheint. In Gesprächen mit jungen Leuten finde ich es auch bemerkenswert, dass sie über die wirtschaftlichen Probleme weitaus weniger klagen, als es Leute aus meiner Generation tun. Vielleicht ist genau das ein Anzeichen dafür, dass sie auch mit Politik tatsächlich anders umgehen, als unsere Generation es getan hat. Sie erwartet sehr viel weniger von ihr bzw. sie nimmt die Gestaltung der Zukunft weitaus stärker in die eigenen Hände. Mein Eindruck ist das jedenfalls. Das kann, ja muss man wahrscheinlich auch als das Resultat politischer Einsichten begreifen.
natürlich ist die junge Generation politisch.
Politisch wird man immer dann wenn das Private politisch wird, wenn die Politik direkte Auswirkungen hat auf das Privatleben.
Internetsperren, Killerspieleverbot oder das Thema Verfolgung von Raubkopien betreffen jeden zu dessen Privatleben der Umgang mit den neuen Medien gehört.
Und oft hat man hier den Eindruck, durch seine eigenen Erfahrungen kompetenter zu sein als die Politiker die versuchen in unserem Auftrag Politik zu machen.
Innerhalb der Gamerszene beispielsweise herrscht Bestürzung darüber wie wenig die Politiker eigentlich Ahnung über die Jugendschutzgesetze und ihre praktische Anwendung haben.
In anderen Fällen muß man allerdings der Jugend auch unterstellen das es ihr an Basiswissen fehlt – gerade bei Jugendlichen die sich dank Abitur für Gebildet halten fehlt es oft an naturwissenschaftlichen, ökonomischen und rechtlichen Basiswissen.
Das kann man den Jugendlichen aber nicht vorwerfen, das sind Fehler einer verfehlten Bildungspolitik.
Genau in diesem Punkt sind wir ja einig. Jede Generation ist politisch. Das meine ich aber. Das politische Interesse scheint mir zu sehr auf die von dir angesprochenen Punkte beschränkt zu sein. Die angesprochenen Themen interessieren junge Leute natürlich besonders. Dagegen ist auch überhaupt nichts zu sagen. Ich finde nur, man könnte den Bereich des politischen Interesses auch etwas weiterspannen. Oder anders herum: Es entspricht nicht meiner Erfahrung, dass sich junge Leute heute mehr für Politik interessieren als früher. Das mache ich eben daran fest, dass die Themen, die im Web fokussiert behandelt werden, nur so begrenzt sind.
Das Thema Studiengebühren ist ebenfalls ein Jugendthema und nicht Web bezogen.
Generell bin ich auch besonders vorsichtig gegenüber Leuten, die sich politisch engagieren obwohl sie nicht davon betroffen sind. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht oder gut informiert.
Viele die z.B. gegen die Machenschaften böser Gentechnikkonzerne in Entwicklungsländern sind haben z.B. noch nie Kartoffeln geerntet, sind aber voll und ganz der Meinung das Landwirtschaft wie vor 200 Jahren (ohne Dünger und Pflanzenschutzmitteln, ohne Maschinen, mit selbstgelagerten Saatgut) sei erhaltenswert.
Dies ist natürlich auch wieder richtig. Ich rechne mich auch zu denen, die schnell mal eine Meinung haben und die u.U. revidieren müssen, weil sie im Laufe der Diskussion doch zu anderen Schlüssen kommen.
Die Gentechnik macht vielen Leuten (vielleicht vornehmlich in Deutschland) Angst. Daran kann, wenn überhaupt, nur vernünftige Information etwas ändern. Es wird gern unterstellt, dass die Ablehnung ideologisch motiviert sei. Da bin ich nicht sicher. Vermutlich ist es mehr ein Defizit an objektiver Information.
noch was zur Politikverdrossenheit:
www.klopfers-web.d...=detail&nr=476