Unter dem Titel: “Ehrenamtlich gegen Armut – Machen Suppenküchen satt und bequem?” diskutierte bei “Anne Will” eine einzige ehrenamtliche Helferin mit. Barbara Niehaus hat mich schwer beeindruckt. Erst Anfang 2008 gründete sie gemeinsam mit dem Gemeindepfarrer im ostdeutschen Bad Doberan eine der inzwischen zahlreichen Suppenküchen im Lande.
Nun werden die meisten Menschen insbesondere für die ehrenamtlichen Aktivitäten große Sympathie und für die Helfer vielleicht Bewunderung empfinden. Im Ehrenamt engagieren sich viele Menschen und deren Arbeit kann man gar nicht genug schätzen. Dass wir in diesem Land Suppenküchen brauchen, wird vielleicht manchem ein Dorn im Auge sein. Ich erinnere mich an den erst kürzlich aus dem Amt geschiedenen und wegen seiner hohen Sachkompetenz in einigen Kreisen hochgeschätzten Berliner Finanzsenator Tilo Sarrazin (SPD). Der hätte denen, die solche Hilfen in Anspruch nehmen, vielleicht vorgerechnet, wie sie sich ein günstiges Essen zubereiten könnten und die fremde Hilfe gar nicht erst gebraucht hätten.
Dass viele seiner Bemerkungen ebenso richtig wie diffamierend waren, brauchen wir nicht noch einmal zu thematisieren. Aber diese Widersprüchlichkeit kennzeichnet durchaus auch den Verlauf der Diskussion bei “Anne Will”. Einerseits ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Suppenküchen gebraucht und stark nachgefragt werden. Andererseits aber wird es so sein, dass den Menschen, die sich an deren Existenz über die Zeit gewöhnt haben und sie regelmäßig in Anspruch nehmen, die Fähigkeit zur Selbstbehauptung in dieser rauhen und oft sogar brutalen Welt immer mehr abhanden kommen könnte. Frau Niehaus hielt dagegen: “Im Leben der Menschen, die zu uns kommen, ist vorher bereits etwas kaputt gegangen”. Sie sprach auch von der Schwelle, die Menschen zuerst überwinden müssten, bis sie überhaupt die Hilfe der Suppenküche in Anspruch nähmen.
Private Initiativen können staatliche Sozialstrukturen nicht ersetzen. Natürlich haben sie diese Aufgabe auch nie zugewiesen bekommen. Allerdings ist es nicht auszuschließen, dass beides miteinander in einem nicht gewünschten Sinn stabilisierend wirkt. Wenn der Staat für die Menschen sorgt und die daraus eine am Ende sogar eine Anspruchshaltung ableiten dürfen wir uns nicht darüber beklagen, dass die Differenz zwischen arm und reich immer größer wird.
Menschen müssen in die Lage versetzt werden, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die grundsätzliche Befähigung hierzu muss erlangt werden. Dafür ist der Mensch in seiner Familie zunächst einmal selbst verantwortlich. Aber der Staat hat sich darum zu kümmern, dass die notwendigen Strukturen vorhanden sind. Das so oft angesprochene mangelhafte Bildungswesen in unserem Land ist gefordert. Und auch, wenn solche Voraussetzungen optimal wären, es würden immer noch Menschen durch “ein Raster” fallen. Ein Staat funktioniert nur dann, wenn er gewährleisten kann, dass sich diese Menschen wieder aufrichten. Danach muss alles ausgerichtet sein und es impliziert, dass es sich bei einem solchen Zustand jeweils immer “nur” um eine zeitlich begrenzte Phase handelt, nicht um Monate oder gar Jahre.
Was aber passiert im Moment stattdessen? Wir lamentieren über unser Bildungswesen und trotz aller gegenteiligen Bekundungen aus dem politischen Raum, es wird nicht durchschlagend besser. Es gibt zu viele junge Menschen (sehr häufig mit Migrationshintergrund), die immer noch ohne Schulabschluss erwachsen werden. Wir reden über Sozialhilfekarrieren, was an sich schon eine menschenverachtende Formulierung ist, und sind uns anscheinend nicht darüber im Klaren, was diese Entwicklung, sollte sie weiter anhalten, für unsere Sozialsysteme und auch für den gesamten Staat für Folgen haben wird.
Die Folgen der Wirtschaftskrise erreichen viele in Deutschland noch nicht. Ich setze darauf, dass die Solidarität zwischen Menschen wieder wachsen wird, wenn es uns insgesamt schlechter geht. Es klingt vielleicht schlimm, wenn man das angesichts einer möglichen gesamten Verschlechterung einfach so behauptet. Aber für mich ist das eine nahe liegende Schlussfolgerung. Im Moment schauen wir auf die Menschen, die Suppenküchen besuchen herab und bewundern diejenigen, die ehrenamtlich helfen. Mal sehen, was wir denken und tun, wenn wir selbst in eine solche Lage geraten werden.









Erst mal OT: Was bist du nur so unheimlich “rührig”? Ich komm´ ja mit dem Lesen kaum nach -aber besser so als “gaanix”
Irgendwie ist alles richtig – und alles falsch in diesen Diskussionsrunden. Und zwar weil Betroffene, Helfer und Außenstehende das immer aus ihrer Sicht sehen (müssen).
Um mal abzuschweifen – als ich 18 geworden bin, an dem Tag sind die ersten Menschen auf dem Mond gelandet. Damals schien alles möglich – und keiner hat gefragt, ob der von Braun nicht doch genau gewußt hat, was mit den Häftlingen beim Raketenbau im Krieg passiert ist.
Und heute? Hungern muß normal keiner – aber so zukunftsgläubig wie damals – das werden wir (unsere Generation) wohl nie wieder…
Ja Jürgen. Vermutlich ist dieser Gedanke das große Problem. Früher haben wir daran geglaubt, dass alles geht. Eine optimistische Grundhaltung war vorhanden. Vielleicht war das zwangsläufig so. Wir waren jung und wussten noch wenig vom Leben. Heute sind wir doch desillusioniert und geben das (schrecklicherweise) womöglich an junge Leute weiter. Wir tun so, als sei unsere Art die Dinge zu sehen, die einzige Mögliche und Richtige. Vielleicht sollten wir einfach den Mund halten und die anderen (jungen) machen lassen.
Ja Jürgen, das kommt davon, dass ich Urlaub habe. Da blogge ich mehr als sonst. Da geht die Post ab.
Vielleicht sollten wir das – vielleicht müssen die ihre Fehler selber machen – und ihre Illusionen erst später verlieren…
Das geschieht wohl auch ohne unser Zutun.
Nochmal OT: Urlaub is immer gut! Da wünsch ich dir was. Pass aber auf deine Schulter auf. Mindestens eine Hand muß noch “tippfähig” sein – sonst kannst du nix mehr schreiben – und nur noch still vor dich hindenken… :lustig: Oder deine Frau muß den Comp bedienen.
Bei mir geht´s Gott sei dank aufwärts – zu Hause kann ich jetzt ja ganz ohne Krücken – und draußen geht es auch fixer, allerdings noch mit. Bin aber ganz zufrieden mit dem Heilungsverlauf. Ich habe sogar schon (bis auf den kleinen Flur) meine Wohnung staubgeputzt/gefegt und teilweise “gefeudelt”. Ganz so gründlich wie ´ne Hausfrau allerdings nich – aber das würd´ ich auch
mit 3 gesunden Beinen nicht tun… :kaffee:
@Jürgen: Dass du auf die Krücken verzichten kannst ist prima. Solche Verletzungen sind ja fürchterlich langwierig. Da braucht man wirklich Geduld. Genau an dieser fehlt es mir. Ich fürchte, ich bin ein ganz schwieriger Patient. Meine Frau macht ab und zu schon mal so Anspielungen. Ja – Frauen sind wohl doch tapferer als viele unserer Geschlechtsgenossen. Ich zähle wohl zu denen.
Ich habs eben zum ersten Mal seit Februar ohne Krücken zum Briefkasten geschafft! Vom ersten Stock – hin und zurück – auf der Treppe. Fahrstuhl is nich. Allerdings habe ich die Krücken zur Sicherheit mitgenommen – aber nicht benutzt – nur in der Hand gehalten! :lustig: :lustig:
Vielleicht haben deine Wünsche ja geholfen…
DSDS, GNTM, sonstige Fernsehserien und Politik bringen die Nachricht “für Erfolg ist Bildung eher hinderlich” tagtäglich rüber, und die meisten Parteien basteln auch mehr daran, aus den Suppen- Schnitzel- oder Rumpsteakküchen zu machen, als die Ursachen zu bekämpfen. Warum sich also bemühen ?