Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. So könnte man manche Meldungen kommentieren, jedenfalls des Teils der Presse, die den Aufschwung geradzu herbeizuschreiben versucht. Heute hält (mal wieder) der IFO – Geschäftsklimaindex dafür her. Dafür halten die Kommentatoren auch gleich neue Unbill für den gemeinen von abhängiger Arbeit lebenden Menschen bereit:
Spätestens dieser kleine, zwischengeschobene und zudem gönnerhafte Satz: “Das ist lobenswert” zeigt die wirtschaftsliberale Sichtweise des Autors. Ach wäre es doch nur schon so weit. Denen werden wir’s dann aber zeigen. So empfinde sicher nicht nur ich, wenn ich solche Sätze lesen muss.
Deutschland feiert 60 Jahre Bundesrepublik, Grundgesetz und auch die soziale Marktwirtschaft. Blöd, dass für manche Autoren die soziale Marktwirtschaft nur ein Auslaufmodell ist. So schreibt Wolfgang Münchau von der FTD (im “Nebenberuf” Leiter des “Informationsdienstes Eurointelligence”):
Die deutsche soziale Marktwirtschaft ist aber keine Lösung für die Probleme des US-Systems. Auch wenn wir sie in Deutschland vergöttern: Die soziale Marktwirtschaft ist noch weniger als ein Auslaufmodell. Sie ist ein Auslauf-Unikat.
Wieder mal arbeitet sich einer an Begrifflichkeiten, die in diesem Land nicht “sauber” verwendet oder sogar sinnentstellend verwendet werden. Ob gestern das zum Schimpfwort avancierte “Neoliberal” oder heute die “Soziale Marktwirtschaft” — alles falsch. So wie übrigens natürlich auch die unberechtigte, ja ausschließlich ideologieverbrämte Kritik, die unter Einsatz dieser Wörter allenthalben vom einfachen Volk geübt wird.
Gut, dass wir genügend kluge Köpfe unter uns haben, die immer noch bereit sind, uns unsere Torheiten unentwegt vor Augen zu führen.
Sehr interessant finde ich, dass Münchau die “Soziale Marktwirtschaft” nicht etwa, was ich auch angesichts der Debattenlage naheliegend gefunden hätte, als Instrument der Umverteilung geiselt, sondern dass er der Politik unterstellt, sie halte diese Form der Marktwirtschaft nur aus dem Grunde hoch, damit sie diese mitgestalten könne. Als handfestes Beispiel nennte er die Landesbanken:
Im Bankenbereich ist es der öffentlich-rechtliche Sektor mit seinen Sparkassen und Landesbanken – eben jenen Institutionen, die auf Teufel komm raus den US-Investmentbanken ihren Giftmüll abgekauft haben. Der Großteil der deutschen Probleme im Bankensektor liegt nämlich nicht bei den Privatbanken, sondern bei diesen halbstaatlichen, intransparenten Champions der sozialen Marktwirtschaft. …
Das eigentliche Charakteristikum der sozialen Marktwirtschaft ist also nicht das Soziale, sondern die Vermischung öffentlicher und privater Interessen. Es ist nicht das soziale Netz, das die soziale Marktwirtschaft ausmacht, sondern die Macht der Verbände und spezieller Interessengruppen. Der Grund, warum es uns auf absehbare Zeit nicht gelingen wird, das Problem der Banken zu lösen, liegt in diesen Interessenkonflikten. Die Bundesländer werden alles daransetzen, den Einfluss, den sie über ihre Landesbanken ausüben, nicht zu verlieren.
(Hervorhebung von mir)
Münchau spricht in seinem Artikel selbst von 800 Mrd. €, die in Form der bekannten us-amerikanischen Giftpapiere in deutschen Banken lagert und schreibt den größten Anteil hieran den miserabel geführten Landesbanken zu. Es ist eben immer dieselbe Leier. Die unfähigen Politiker ziehen alles an sich, um ihre Pfründe zu sichern und ihren Einfluss natürlich. Man könnte glauben, die Leute wie Münchau wären selbst Anhänger von Verschwörungstheorien. Dabei sind sie doch wahrscheinlich nichts anderes als die Verfechter der reinen kapitalistischen Lehre. Da muss man nicht immer der Wahrheit die Ehre geben. Die FDP in Person ihres wirtschaftspolitischen Sprechers (Bundestagsfraktion), Herrn Rainer Brüderle und ihr großer Vorsitzender tun das schließlich auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
Westerwelle und Fraktion hatten im Januar eine “Kleine Anfrage” an die Regierung gestellt. Unter Punkt 11 wurde angefragt:
Die Antwort der Regierung, die auch in Westerwelles grandioser Parteitagsrede überhaupt nicht vorkam, lautete zu diesem Punkt:
Schlimm genug – gar keine Frage. Aber wie versteht sich diese Feststellung zu Münchaus obiger Behauptung? Von Westerwelle will ich mal gar nicht reden. Der befindet sich schließlich im Wahlkampf. Wo also liegen die meisten Giftpapiere? Doch wohl eindeutig bei den privaten Banken. Jedenfalls, wenn uns die Bundesregierung nicht angelogen hat. Naiverweise will ich davon einmal ausgehen.












Ei wei – wenn du so leichtfertig mit deinem Geld umgehen würdest, dann könntest du dem Gerichtsvollzieher gleich einen Wohnungsschlüssel geben – so oft wär der bei dir.
Und die mit den “niedrigen zweistelligen Milliarden” kriegen einen Bonus…
JürgenHugo(Zitieren) (Antworten)
Das Problem ist doch, wenn Private sich verspekulieren bzw. ihnen “das Geld ausgeht”, ist das zunächst Mal deren Privatsache (abgesehen von einigen Arbeitsplätzen die dadurch bedroht werden). Wenn aber die Staatsbanken Pleite gehen, hängt auch der Staat mit drin. Der muss dann wieder Geld dafür ausgeben – und neben den anderen Schulden geht dann auch das Geld flöten, was man eigentlich sinnvoller in andere Bereiche stecken könnte/ müsste.
Matthias(Zitieren) (Antworten)
In dieser Beziehung hast du natürlich Recht, Matthias. Nur sehen wir doch an vielen Beispielen, die im Moment in der Diskussion sind, wie Verluste auch privatwirtschaftlicher Firmen ohne zu zögern sozialisiert werden. HRE, Commerzbank und wie die Bittsteller alle heißen.
Horst Schulte(Zitieren) (Antworten)
Horst, ich hab mal ne “blogmäßige” Frage: Ich habe deinen Blog mit den dynamischen Lesezeichen in FF abonniert. Wenn ich da auf einen Eintrag zum erstenmal gehe, ändert sich das Standardicon in deins (das is bei allen Blogs so) – aber nicht immer.
Bei diesem Artikel hier bleibt das Standardicon hartnäckig – ich hab das mind. schon 10-mal probiert. Weißt du da was drüber? Das ist zwar kein existenzbedrohendes Problem – würde mich aber interessieren.
JürgenHugo(Zitieren) (Antworten)
Das kann nur mit dem Cache deines Browsers zu tun haben. Ansonsten ist das Favicon auf die “traditionelle” Weise eingebunden. Daran liegt es also nicht. Versuch mal den Cache zu löschen.
Horst Schulte(Zitieren) (Antworten)
Das bleibt ein Mysterium – auch Cache leeren hilft nix. Ich versuchs jetzt aber auch nich weiter. Die Sache wird sich klären – oder nich…
Manchmal hilft ja reines “zuwarten” – und manche Mysterien bleiben eben auf ewig ungeklärt…
JürgenHugo(Zitieren) (Antworten)