Wie unverantwortlich ist das denn?

Selten kann ich Kommentare, die ich in der FTD lese, so gut verstehen und nachvollziehen. Timo Pache schreibt in seinem Verriss zur angeblichen “Opel-Rettung”:

Natürlich ist auch das Verhalten der Sozialdemokraten unverantwortlich – aber es ist angesichts des Programms und den desolaten Umfragewerten der Partei wenigstens konsistent.

Er stellt Guttenberg und Merkel ein Armutszeugnis aus. Neben den beiden Hauptakteuren der Union bekommen auch die beteiligten Ministerpräsidenten Rüttgers und Koch ihr Fett ab. Paches heute verfasster Kommentar erhält bisher ca. 220 sehr positive Bewertungen. Ok, wie die Klientel der FTD denkt, kann man leicht erahnen. Aber das ist ein hoher Wert für einen aktuellen Artikel.

Dem Bundeswirtschaftsminister hält Pache vor:

Machtlos muss er zusehen, wie ihm andere in seinen ureigensten Kompetenzen die Entscheidungen abnehmen und sich über seine Überzeugungen hinwegsetzen. Die vermeintliche Rettung des Autobauers Opel ist aus vielen Gründen falsch – ökonomisch und politisch.

Doch der zuständige Wirtschaftsminister hat sich, indem er seine Kritik zwar öffentlich kund tut und dennoch im Amt bleiben will, selbst zum Handlanger in einem unwürdigen und skrupellosen Machtpoker degradiert. Wie glaubwürdig ist er jetzt noch, wenn er die nächsten maroden Firmen abweisen will: Arcandor, Infineon, Qimonda?

Und er fordert, wie übrigens auch die SPD das bereits (natürlich aus ganz anderen Gründen) getan hat, Guttenbergs Rücktritt. Das wiederum halte ich doch ehrlich gesagt für arg naiv. Wo kämen wir hin, wenn Politiker, die sich die Blöße einer eigenen Meinung gäben aber Mitglieder einer wohl über den September-Wahltermin fortbestehenden Großen Koalition sind, mit dieser aber “scheiterten”, einfach locker und flockig zurücktreten würden?

Wäre damit etwas gewonnen? Doch – schon! Nach der Abwahl dieser Koalition (irgendwann wird ja hoffentlich auch das geschehen), könnte man mit diesen Leuten etwas neues und besseres versuchen. Aber am Ende können sie auch in der Versenkung verschwinden. So oder so. Guttenberg ist da, und ich finde, der Mann hat Potenzial. Da mögen viele nicht zustimmen. Ich weiß. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mal für einen CSU-Mann Partei ergreife.

Zu Guttenberg hat viele Prügel kassiert, weil er im Vorfeld der Verhandlungen eine Insolvenz von Opel nicht ausschließen wollte. Aber das war richtig. Damit macht der Wirtschaftsminister deutlich, dass die Bundesregierung bei aller Liebe zu Opel nicht über jedes Stöckchen springen wird, das man ihr hinhält. Ein überfälliges Signal, wie man gestern gesehen hat. (Rheinische Post, Düsseldorf)

Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    Ach – zu Opel sach ich “gaanix” mehr – da ist jedes Wort zu viel. Die machen doch was sie wollen. Jeder. Leider… :missmutig:

  2. Horst Schulte meint:

    Genau die machen einfach was sie wollen aber vor allem tun sie das, weil sie unsere Stimmen haben wollen. Eigentlich wäre das ja keine schlechte Motivation. Nur schätzen sie allzu häufig die Meinung des “gemeinen” Volkes falsch ein. Das sollte sich ändern.

Trackbacks

  1. Eben gebloggt: “Wie unverantwortlich ist das denn? | QuerBlog” ( http://tinyurl.com/mfhj29 )