Bevor die Depression wegen des zu Ende gehenden Pfingstwochenendes um sich greift, will ich schnell einen bestimmt willkommenen Hinweis liefern, den die meisten arbeitsbeflissenen Deutschen vermutlich noch nicht präsent haben dürften. Es ist nämlich nur noch eine Woche hin, bis zum nächsten Brückentag. Böser Fehler: Der gilt ja nur für die katholischen Gebiete im Land.
Die anderen dürfen arbeiten. Es handelt sich nämlich um Fronleichnam oder Happy Kadaver, wie man hier im Rheinland zu sagen pflegt. Außerdem müssen sie sich auch die Andersgläubigen damit abfinden, dass dieser Pfingstmontag für einige Zeit der letzte willkommene freie Tag (außer der Reihe) war.
Gut, mir steht also, wenn nichts dazwischen kommt, eine weitere kurze Arbeitswoche (nach der morgen beginnenden) bevor. Ich werde mir nämlich am Freitag, den 12.06. einen Tag Urlaub genehmigen. Dieses nennt man landauf, landab Brückentag und die werden, über alle sozialen Grenzen hinweg, also vom Topmanager bis zur Putzfrau, gern zur willkommenen Entspannung vom stressigen Job genutzt. Das ist nichts anderes, als die Aufstockung des Urlaubsanspruchs. Meinen jedenfalls die Einen, die einem auch die letzten Freuden des Arbeitnehmerdaseins vergällen möchten. Streitigkeiten wegen der notwendigen Terminabstimmung muss es übrigens nicht geben, wenn man rechtzeitig plant.
Vor einigen Jahren habe ich mal einen bösen Artikel gelesen, ich glaube in der FAZ oder der Sonntagsausgabe dieser Zeitung, in der es um die rigorose “Nutzung” von Brückentagen ging. Der Autor beklagte sich darüber, dass an besagten Tagen kaum jemand in den Betrieben für die Kunden da sei. Ich dachte damals wie heute, dass die Logik irgendwie auch nicht so ganz stringent ist. Schließlich könnten ja auch mal die Kunden zu Hause bleiben.
Aber zum eigentlichen Punkt: Ich war schon immer gegen die Änderung der Ladenschlusszeiten. Was das Eine mit dem Anderen zu tun hätte? Es geht mir auch dabei um die Selbstbestimmung aller Leute. Auch diejenigen, die als Verkäufer/innen im Handel Männchen machen dürfen und dafür einfach viel zu leichtfertig und zu oft blöde Sprüche ernten wegen angeblicher Inkompetenz und Unfreundlichkeit, sollten nämlich, nicht zuletzt aufgrund ihres Hungerlohnes auch noch hinsichtlich ihrer privaten Verteilzeiten vom Unternehmen willkürlich eingeschränkt werden. Und etwas anderes als Willkür herrscht in weiten Teilen des Handels in meinen Augen nicht.
Diese Vorstellung hat sich überholt. Ich weiß. Keiner will mehr auf die Möglichkeit verzichten, auch abends um 22:00 Uhr noch durch die Kaufhäuser oder SBW-Märkte zu hetzen. Das ist ja so toll, wenn man auch spät am Abend (am besten auch noch die ganz Nacht hindurch) durch die heiligen Konsumtempel eilen darf. Ich tu das nicht! Ich erledige meine Einkäufe am Tag und erlebe die Schattenseiten der Ladenschlusskonfusion. Viele Geschäfte öffnen und schließen zu den unterschiedlichsten Zeiten. Der eine Baumarkt macht samstags um 16:00 Uhr dicht, der andere um 20:00 Uhr. Abhängig ist das auch davon, ob man in der Nähe einer Großstadt oder auf dem Land lebt. Oder so. Jedenfalls machen alle alles anders. War das schön, als man noch von 8:30 Uhr morgens bis 18:30 Uhr abends, vielleicht von ein- oder zweistündiger Mittagspause unterbrochen, den Einkauf erledigen konnte. Da wusste man, woran man ist. Nicht nur die Ärzte schließen ihre Praxen, wann immer es ihnen und ihrem Budget beliebt, nein nicht mal ein Lebensmittelgeschäft hält die (meine privaten Verteil-) Zeiten ein.
Ich habe heute Nachmittag einsam und verlassen auf unserem Balkon verbracht. Gut, es war wunderbares Wetter. Ich war allein mit meinem Notebook und versuchte, endlich und einigermaßen erfolgreich das PC-Netzwerk (Vista Premium und XP Home) richtig ans Laufen zu kriegen. Aber wo war meine liebe Frau? Die musste arbeiten. Als Verkäuferin in einem Textilgeschäft gibt es die gleichen ach so kundenfreundlichen “Restriktionen”, wie die, die ich oben auch für andere Branchen beschrieben habe.
Im Kölner Stadt-Anzeiger gab es Samstag im Lokalteil 5 kleine Interviews mit Menschen von der Straße, speziell zu Pfingstmontag. Alle 5 fanden den Feiertag deshalb klasse, weil sie frei hatten. Der religiöse Hintergrund spielte für keinen eine Rolle. Ich finde, da darf man sich nicht wundern, wenn die Politiker mal irgendwann auf komische Ideen kommen (jedenfalls, wenn die Wirtschaft wieder an Einfluss gewonnen hat) und die Debatte um den Pfingstmontag mal wieder losgeht. Neu ist das Thema ja längst nicht mehr und einen Feiertag (Buß- und Bettag im tristen November) hat man uns ja schon durch die “Hintertür” geklaut.
Also Leute, genießt mal schön den vorerst letzten Brückentag und denkt an meine Worte: Pfingstmontag wird es nicht mehr lange geben. Den brauchen die Kapitalisten nämlich spätestens dann, wenn die staatlichen Kredite und Bürgschaften nicht mehr reichen. Und das könnte schon sehr bald der Fall sein.
Appell: Gegen eine monströse Gesellschaft








Sehe ich etwas anders. Es gibt genug Berufe, in denen es einfach gang und gäbe ist, dass sie rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Und niemand würde auf die Idee kommen, dass das ungebührlich ist. Und ich hätte auch kein Problem damit, wenn im Schichtbetrieb bei uns im Betrieb gearbeitet würde – wobei da nachts recht wenig los sein dürfte
Aber ich kann mir Kunden vorstellen, die auch am Samstag oder Sonntag und/oder später abends gerne mal vorbei kommen würden.
Denn wie Du schon schreibst: bis 18.30 Uhr einkaufen. Wenn VerkäuferInnen dann Dinge erledigen wollen – nun – wann sollen die das machen, wenn dann Schicht im Schacht ist? Genau das hören wir nämlich ständig: ihr habt ja immer zu! Sage ich zum Getränkehändler auf dem Arbeitsweg auch: wenn ich von der Arbeit nach Hause fahre, hat er schon zu. Der verdient deshalb an mir nichts. Und ich finde es toll, dass es mir der lokale WEZ auch am Samstagabend um 22 Uhr ermöglicht einen Kofferraum voll Cola-Light zu kaufen. Darum lasse ich mein Geld auch genau dort und opfere nicht die Mittagspause um beim näher gelegenen Getränkehändler zu kaufen.
Warum sollte man einem Betrieb/Geschäft/Laden vorschreiben, wann er öffnen darf?
Wäre Deine Frau Krankenschwester, verbrächtest Du wohl mehr Nachmittage einsam und verlassen auf dem sonnendurchfluteteten Balkon.
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die nach 20 Uhr einkaufen, wobei ich es ab und zu nach Dienstschluss um 21 Uhr vorziehen würde, mein Feierabendbier nicht am Hauptbahnhof kaufen zu müssen. Lebte ich nicht in unmittelbarer Nähe eines Bahnhofs, müsste ich selbst in einer Millionenstadt wie München weite Wege auf mich nehmen, weil diese Stadt keine Kioskkultur hat.
Mei, und was die Kompetenz und Freundlichkeit im Einzelhandel betrifft: Biedes zeigt ganz gut, was für ein Betriebsklima in den jeweiligen Läden herrscht. Aber das haben andere zu verantworten. U.a. diejenigen, die jetzt Staatsknete für Karstadt fordern…
Oh, diese Argumente kenne ich. Natürlich sind sie auch stichhaltig. Mit meinem Gemecker ändere ich an den Verhältnissen natürlich nichts. Aber ich will einfach zu Protokoll geben, dass es auch noch Leute gibt (vielleicht sind es meistens die Älteren), die mit der alten Regelung eigentlich ganz glücklich und zufrieden waren.
“oft blöde Sprüche ernten wegen angeblicher Inkompetenz”
So angeblich is die Inkompetenz nich – geh mal in den Media-Markt oder Saturn und frag da was – da wirste mit den Ohren schlackern! Besonders bei Computern und Digitalfotografie – die meisten (nich alle) wissen weniger als nix.
Auch die T-”Männer” (und Frauen) im T-Punkt verfügen nich gerade über zuviel Wissen…
Ausnahmen betätigen die Regel. Im Normalfall ist es aber gut, wenn man ein technisches Gerät erwirbt – das man mehr weiß als der Verkäufer.
Soweit würde ich doch auch nicht gehen wollen
Nein, ich habe, wie ich auch zu Benjamins Kommentar schon geschrieben hatte, nur meine ganz persönliche Meinung dem “Durcheinander” gegenüberstellen, auf das man heute treffen kann. Es sind eben die jungen Leute, denen wir diesen ganz neumodischen Quatsch zu verdanken haben. Und in dieser Welt soll ich mich dann zurechtfinden. Ein bisschen Mitleid hätte ich eigentlich schon erwartet.
Die Lockerung des Ladenschlussgesetzes wurde von Entscheidungsträgern durchschnittlich jenseits der 50 beschlossen.
Hör mal, ich gehe hart auf die 40 zu
@Andreas: So alt bist du schon?! Gut gehalten, sach ich mal.
Ich kann dir ja eine von meinen Krücken leihen – damit du dich in dieser “neuen harten Welt” beim Zurechtfinden abstützen kannst… :verklaert:
PS: Ich bin ja noch 2 Jahre älter als du – Ei wei!
Auf Krücken muss man auch erst einmal laufen lernen. Ob ich so viel Zeit habe? Danke für das Angebot.
Jetzt mal im Ernst, (zwar OT – aber so what) das ist garnicht so einfach auf Krücken. Weil man nicht “normal” gehen kann.
Ich durfte das Bein ja 6 Wochen lang nur mit 10 Kg belasten – das is nix. Ich habe das im Spital mit einer Waage geübt – um die 10 Kg quasi “einzujustieren”. Und man muß dann ein Bein normal, ein Bein mit ca. 10 Kg und die zwei Krücken koordinieren – und natürlich dabei laufen. Nicht einfach.
Außerdem kriegst du ordentlich Muskelkater – in den Händen, weil man das nicht gewohnt ist, und zusätzlich die Krücken fester packt als das nötig wäre.
Als ich das erste Mal mit Krücken zum Bahnhof bin – das sind vielleicht 600/700 Meter da bin ich öfters stehengeblieben. Und am Bahnhof hab´ ich mir dann die Zeitung gekauft und in der Bäckerei erstmal ein Päuschen gemacht – bei Kaffee und Brötchen. Als ich dann wieder zu Hause angekommen bin – da war ich richtig fertig. Und die Hände haben weh getan. Was meinst du was ich froh war, als ich diese “vermaledeiten” Dinger in die Ecke stellen konnte – und wieder freihändig laufen… :lustig: