Wiederholungen sind nicht immer schlecht. Manchmal nerven sie allerdings. Im Privatfernsehen, wie im Öffentlich Rechtlichen werden insbesondere in den Sommermonaten, die, jedenfalls den aktuellen Fällen zufolge, bereits begonnen haben, werden Beiträge und insbesondere Filme oft bis zum Erbrechen wiederholt.
Anstatt dabei mal etwas weiter die Vergangenheit zurückzugehen, was ja immerhin noch einigermaßen interessant sein könnte, nimmt man sich zu allem Ärger auch noch immer aktuellere Beiträge heraus, die man als Zuschauer/Konsument noch sehr gut präsent hat. Es gibt so viele gute alte Filme, auch Fernsehfilme, die man vielleicht wirklich noch einmal sehen möchte, dass ich dieses Verfahren einfach nicht verstehen kann. Aber auch das wird wohl einzig und allein den Einschaltquoten geschuldet sein.
Die Kollegen von der schreibenden Zukunft machen es aber scheinbar auch nicht anders: Im “Sonntag Express” steht heute ein Aufmacherartikel über unaufgeklärte Todes- und Mordfälle:
Es wird auf ein Interview Bezug genommen, das die “Berliner Zeitung” mit dem Leiter der Rechtsmedizin an der Berliner Charité, Professor Michael Tsokos, geführt hat. Welt-Online berichtete ebenfalls darüber und bezieht sich auf das Interview von Samstag. Das von mir gefundene Interview (Online-Version der Berliner Zeitung) wurde allerdings schon am 5. März veröffentlicht. Offenbar spricht man über die Sache aber doch häufiger mit Prof. Tsokos – oder er mit den Medien. Am Samstag wurde die Angelegenheit um ein “wichtiges” Detail ergänzt. Es geht um nicht untersuchte Todesfälle in Pflege- und Altenheimen:
«Dort werden oft einfach zu viele Beruhigungsmittel gegeben, weil die Pfleger überlastet sind», sagte Tsokos. «Das ist nicht gleich Mord, aber doch Körperverletzung mit Todesfolge.» Leider sei eine Entdeckung meistens Zufall.
Weshalb dieses Detail im 1. Interview, das vor kurzem vom gleichen Blatt geführt wurde, scheinbar nicht zur Sprache kam, entzieht sich meiner Kenntnis. Neue Erkenntnisse sind es wohl nicht. Insofern ist die Nichterwähnung und die jetzige Wiederauflage der Thematik in meinen Augen schon etwas merkwürdig. Worum es Prof. Tsokos geht, wird in der Schlussbemerkung im 1. Interview deutlich:
Wenn die Kapazitäten verdoppelt würden, dann bliebe auch nicht mehr jeder zweite Mord unentdeckt. Es gäbe eine höhere Aufklärungsrate.
Er will also mehr Geld für seine Profession. Das ist legitim. Allerdings halte ich es für kritisch, dass man die Öffentlichkeit in dieser Form zu instrumentalisieren versucht.
Ich frage mich, was alte Menschen wohl denken werden, wenn sie in der Zeitung lesen, dass insbesondere in Alten- und Pflegeheimen die Dunkelziffer von Tötungsdelikten so hoch ist? Da fühlt sich ja jeder gleich besser, wenn man neben vielleicht anderen üblen oder mindestens besorgten Gedanken auch noch von dieser diffusen Bedrohungslage erfährt. Prof. Tsokos scheint jedenfalls ein Händchen für Öffentlichkeitsarbeit zu haben. Gerade erst war sein Name auch im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz vor Brasilien und dem Leichenfund von Rosa Luxemburg in den Medien präsent. Er gilt in seinem Bereich als Koryphäe. Also wird er gehört. Aber die Äußerung hätte man mit Blick auf die spezielle Lage von alten Menschen ruhig auch etwas anders in die Öffentlichkeit bringen können. Ich bin nicht für das Verschweigen von Tatsachen aber in diesem Fall halte ich das Vorgehen für kritisch!













{ 6 Kommentare }
Viele Leute hören sich eben gerne selber reden – und wollen ihren Namen in der Zeitung lesen – auch Professoren…
Der Mann verfolgt vermutlich eine Absicht, der will nicht nur seinen Namen in der Zeitung lesen. Wie gesagt, das ist legitim. Aber er soll den alten Leuten keine Angst machen. Es ist, finde ich, schon schlimm genug, sich mit dem Gedanken herumplagen zu müssen, überhaupt in ein Pflege- oder Altersheim zu gehen.
“Es ist, finde ich, schon schlimm genug, sich mit dem Gedanken herumplagen zu müssen, überhaupt in ein Pflege- oder Altersheim zu gehen.”
Da möcht ich gaanich dran denken…Wenn das bei mir so käme – dann hab´ ich hoffentlich noch die Kraft (und den Mut) für eine andere Lösung…
Nun komm. Du bist doch kaum älter als ich. Also solche Gedanken sind noch in die Ferne zu schieben.
Horst – ich hoffe auch, das das noch in sehr weiter Ferne liegt. Ich hab´dir aber doch mal vor einiger Zeit geschrieben, das ich ein paar Monate gewisse Einblicke in eine Station für Demenzkranke in eienm Pflegeheim hatte.
Außerdem hat mein Vater ja auch daran gelitten. Die letzten 2,5 Jahre konnt´der nich mehr viel.. Es war für ihn wohl besser, das er dann ziemlich leise von uns gegangen ist…
Ich mach ja nich nur Witze und spitze Bemerkungen – ab und zu bin ich auch ernst und denke nach.
Das weiß ich doch.
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