Auf Abgeordnetenwatch hat Dr. Wiefelspütz heute auf eine kritische Nachfrage folgende Antwort gegeben:

Sehr geehrter Herr ,

wenn ich so häufig auf Kritik stieße, wie Sie meinen, würde ich nicht seit 1987 Mitglied des Deutschen Bundestages sein. Ich bin nicht vom Himmel gefallen, sondern bislang in meinem Wahlkreis vom Volk stets direkt gewählt worden.

Wir leben in Deutschland in einem hoch entwickelten Rechtsstaat. Wir leben in einer Kultur der Freiheit, nicht in einer Sicherheitskultur. Im Zweifel ist für mich nicht Sicherheit, sondern Freiheit der entscheidende Wert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Wiefelspütz, MdB

Er ist also schon seit 1987 im Bundestag und auch schon eine Weile auf Abgeordnetenwatch vertreten. Und er ist, wie ich hinzufügen möchte, einer der eifrigsten Antwortgeber. Dafür wird er aber nicht etwa geschätzt oder zumindest hier und da mal gelobt. Nein, man macht in unentwegt an und prügelt verbal auf ihn ein.

Ich möchte kein Politiker sein! Ein Satz, der vielen heutzutage leicht fällt. Vielleicht gehört ja auch als Grund für die Haltung dazu, dass man sich nicht den Anfeindungen irgendwelcher Permanentkritiker aussetzen mag. Es wird  vielen der (in meinen Augen) maßlosen Kritiker sicher um ein berechtigtes Anliegen gehen. Davon gehe ich aus. Aber die Art und Weise, wie man mit gewählten Abgeordneten umgeht, ist oft doch arg mies. Und sie ist nicht nur schlecht für das Ansehen der Betroffenen, sondern vielleicht auch für das Demokratieverständnis im Land. Mit einer guten Streitkultur hat das in meinen Augen vielfach nichts zu tun. Eher damit, dass man via Internet und relativ anonym ruhig auch mal richtig auf die Kacke hauen kann. Dass das aber schlechter Stil ist, darauf kommen manche Leute einfach nicht.



Vielleicht mehr lesen?



6 Antworten : “Wiefelspütz ist irgendwie sauer”

  1. Was das “anonyme auf die Kacke hauen” angeht, stimme ich Dir voll und ganz zu. Ich glaube, dass genau das tatsächlich die Hemmschwelle und auch das Niveau senkt. Andererseits darf sich Herr Wiefelspütz nicht wundern, wenn auf seine Aussagen auch Reaktionen kommen. 1987 konnte man eben als Politiker noch “ungestraft” was in den Äther pusten, ohne dass der Gegenwind sofort ins Gesicht blies. Das ist heute – und ich finde das gut so – anders. Zum einen weil dann eher zweifelhafte Aussagen sehr schnell die (vermeintlich) öffentliche Meinung als Antwort bekommen, zum anderen weil Dinge dann nicht unkommentiert stehen bleiben.

    Und wenn man unpopuläre Meinungen vertritt, ist der Gegenwind normalerweise stärker.

    AntwortenAntworten
  2. Andreas: 1987 konnte man eben als Politiker noch “ungestraft” was in den Äther pusten, ohne dass der Gegenwind sofort ins Gesicht blies. Das ist heute – und ich finde das gut so – anders.

    Da bin ich deiner Meinung. Hast du aber mal die “Dialog”, die dort geführt werden, gelesen?

    Was meintest du mit Gegenwind bei unpopulären Meinungen? Wiefelspütz Meinung ist doch salonfähig, nur nicht im Web. Zumindest ist das bei manchen Fragen mein Eindruck gewesen. Mit anderen Worten: Die Leute, die sich im Web tummeln, sehen einige Sachen natürlich aufgrund ihrer Kenntnisse viel kritischer, als das ein Mensch tut, der sich mit dem Internet wenig oder gar nicht auskennt.

    AntwortenAntworten
  3. Der Wiefelspütz wird durchaus von vielen Fragenstellern zunächst dafür gelobt, dass er auf Abgeordnetenwatch so aktiv ist. Aber seine Antworten dort bestehen leider zum größten Teil aus Textbausteinen wie “Ich habe meine Auffassung zum Thema viele Male geäußert” und “Wenden Sie sich bitte in Zukunft an einen Wahlkreisabgeordneten Ihres Vertrauens. Ich möchte arbeitsfähig bleiben”.
    Mir ist klar, dass sich ein Politiker nicht immer wieder wiederholen kann, wenn zig ähnliche Fragen eingehen – aber da wäre es weitaus hilfreicher, einfach auf die ausführliche Antwort zu verweisen, anstatt den Fragesteller als uninformiert zu verurteilen.
    Zudem wirft er vielen Fragestellern pauschal vor, sie wollten nur ihre Vorurteile bestätigt sehen und seine Aussagen verfälschen – und seine Auffassung von “drastischem Humor” ist inzwischen ja schon in die Internetgeschichte eingegangen. Das verstehe ich nicht unter Volksnähe oder auch nur unter Respekt vor seinen Wählern, den er ja immer für sich einfordert. Natürlich ist anonymes “verbales Einprügeln” nicht in Ordnung. Aber Herr Wiefelspütz springt selbst oft nicht anders mit den Fragestellern um. Wenn man sich da andere Diskussionen auf Abgeordnetenwatch ansieht, herrscht dort meist ein ganz anderer Ton, obwohl die Fragen selbst genau so kritisch sind. Daher kann es wohl nicht nur an den Fragestellern liegen, der liebe Wiefelspütz ist leider selbst schuld.

    AntwortenAntworten
  4. nothingelse89: Wenden Sie sich bitte in Zukunft an einen Wahlkreisabgeordneten Ihres Vertrauens. Ich möchte arbeitsfähig bleiben

    Diese Art der “Beantwortung” hat erst begonnen, nachdem er ständig unflätig angegriffen wurde. Ich behaupte durchaus nicht, dass manche seiner Äußerungen nicht fast qualitätsfrei waren, aber die Dinge, die Sie als “in die Internetgeschichte eingegangen” bezeichnen, sind noch recht aktuell. Ich habe hier auch bereits mehrfach dazu Stellung genommen.

    Ich gehöre zu einer anderen Generation – vermute ich mal. Das erklärt vielleicht manches. Außerdem möchte ich ungern Selbstvewusstsein mit Respektlosigkeit verwechselt sehen. Dass ich damit heute zu einer Minderheit gehört wird mir immer klarer. Ich finde das bedauerlich. Man sollte nicht jeden, der anderer Meinung ist als man selbst, in den Boden stampfen. Ich glaube, dass das mehr schadet als nützt. Und das meine ich völlig unabhängig von den Ausfällen gegen Herrn Wiefelspütz.

    AntwortenAntworten
  5. Oh, ich sage nicht, dass Herr Wiefelspütz durchgängig respektlos ist, das habe ich nicht gemeint. Und natürlich hat auch er ein Recht auf eine eigene Meinung und damit auch das Recht, dafür nicht “in den Boden gestampft” zu werden. Und ob Sie es glauben oder nicht, in einer direkten Diskussion bin ich immer höflich und respektvoll ;) Ich versuche meinen Gegner auch nicht in den Boden zu stampfen, da jeder ein Recht auf seine eigene Meinung hat.
    Aber jemanden, der ihn ernstgemeint nach seinen IT-Kenntnissen fragt, mit Tralafitti zu antworten, zeugt für mich gerade in diesem Fall nicht von sehr viel Respekt.

    AntwortenAntworten
  6. nothingelse89: Tralafitti

    Genau jenen legendären Thread meinte ich :-) So furchtbar war das doch gar nicht. Vielleicht hat er das witzig gemeint. Ich habe den Hinweis auf diesen Satz so oft und mit so schäbigen Kommentaren versehen gelesen, dass ich, wäre ich an Wiefelspütz Stelle vielleicht schon mein Mandat zurückgegeben hätte. Darum geht es ja vielleicht in Wahrheit.

    AntwortenAntworten

Einen Kommentar schreiben

:-) :zitrone: mehr Smilies »