Vorbilder: Heute Thomas Middelhoff

Weitere Streitpunkte waren auch Fragen der Unternehmenskultur. Reinhard Mohn äußerte später enttäuscht in einem Buch [2] „Eitle Manager sind egoistisch und schwer zu beeinflussen”. Middelhoff erhielt eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe. Wikipedia

Für angehende Karrieremenschen wie die Studenten von Oestrich-Winkel ist so einer ein Idol. Der knapp zwei Meter große Manager ist in den Medien präsent, er ist smart und er kann reden. Was soll’s, dass dieser Middelhoff draußen im wahren Leben der Wirtschaft nicht den besten Ruf hat. Das Manager-Magazin schrieb vor kurzem vielsagend, Thomas Middelhoffs Auftreten sei “blendend in jedem Sinn des Wortes”. Hier beim Nachwuchs hat er leichtes Spiel. (Süddeutsche Zeitung im Nov. 2007)

Schaut man auf den Aktienkurs, ist Thomas Middelhoff eigentlich reif zum Abschuss. Seit Oktober hat sich der Kurs seines Touristik- und Handelskonzerns Arcandor, der früher KarstadtQuelle hieß, halbiert. 2,5 Milliarden Euro Anlegervermögen lösten sich in kürzester Zeit in Luft auf – schon vor dem großen Crash an den Finanzmärkten in der vergangenen Woche. Middelhoff war daran nicht unschuldig, konnte er doch zuletzt einige seiner vollmundigen Ankündigungen nicht umsetzen. Viele Banken senkten ihre Kursziele für Arcandor. In solchen Situationen sind schon Vorstandschefs gefeuert worden, die weniger Geld verbrannt hatten. (Welt Online im Jan. 2008)

Irgendwie fand Middelhoff Käufer für diese Geldverbrenner, Massenentlassungen gab es nicht. Middelhoff übernahm relativ günstig Lufthansas Anteil am Reisekonzern Thomas Cook. Diese Marke bringt heute bei knapp 60 Prozent Konzernumsatz 90 Prozent des Arcandor -Gewinns. Er verkaufte die Warenhaus- und Verwaltungsgebäude zum Zeitpunkt, an dem die Immobilienblase am größten war.

Schulden weg, Tafelsilber verkauft

Damit war das Tafelsilber weg, aber auch die bedrohlich hohe Verschuldung. Der künftige Chef Eick allerdings hat nun nichts Wesentliches außerhalb des Kerngeschäftes mehr, was er zu Geld machen könnte: Die defizitären Karstadt-Warenhäuser gelten als unverkäuflich, die Versandhändler haben gerade erst die roten Zahlen verlassen. Thomas Cook abzugeben verbietet sich, weil damit der einzige echte Gewinnbringer verloren ginge. WELT ONLINE (Dez. 2008)

Umstritten war er schon seit langer Zeit. Ein Mann, der für die Elite deutscher Wirtschaftsmanager steht und gegen den jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es fällt mir furchtbar schwer, angesichts dieser Vorwürfe meine generellen Vorbehalte gegen die Manager in Deutschland im Griff zu behalten. Aber gut. Alles Einzelfälle. Schwarze Schafe gibt es überall. Und Herr Mohn, der sich in seinem Buch über “Eitle und schwer zu beeinflussende Manager” beklagte, tut dies vermutlich auch nur, weil Middelhoff zu sorglos mit seinem Geld umgegangen war respektive umgehen wollte (Stichwort: geplanter Börsengang von Bertelsmann).

Überraschenderweise erhält Middelhoff Rückendeckung aus Gewerkschaftskreisen:

Die Hälfte der Immobilien zu verkaufen, um diese Schulden zu bezahlen und wieder investieren zu können, sei eine gute Lösung gewesen.
Margret Mönig-Raane, stellv. Verdi-Vorsitzende mit Sitz im Arcando-Aufsichtsrat FTD.de – (11 June 2009)

Der Verkauf der Karstadt-Immobilien führte schon zu der Zeit, in der dieser Deal stattfand, zu scharfer Kritik an Middelhoff. Als jetzt herauskam, dass er bzw. seine Ehefrau durch einen allerdings vor seinem Karstadt-Eintritt vollzogenen Immobliendeal mit Karstadt profitiert hat, führte das dazu, dass jetzt die Essener Staatsanwaltschaft gegen Middelhoff ermittelt.

“Wir wollten nach London”, sagt er, gemeinsam mit seiner Frau plante er den Umzug nach England. Ein Jahr nach dem Ausscheiden bei Bertelsmann heuerte er bei der internationalen Finanz-Investorgesellschaft Investcorp an. Große Deals mit vielen Milliarden drehen, dort leben, wo die flinken Investmentbanker zu Hause sind – das passte zu Thomas Middelhoff, das gefiel ihm selbst. Und jetzt sitzt er in Essen-Bredeney und schaut von seinem Schreibtisch aus in den herbstgoldenen Wald vor dem Fenster.

Dies war bereits im November 2007 im bereits erwähnten Artikel der “Süddeutschen Zeitung” über die Intentionen des Thomas Middelhoff zu lesen. Ich halte das für entlarvend und einmal mehr für einen Beleg dafür, mit welchem Anspruch deutsche Spitzenmanager handeln. Sie mögen sich vielem gegenüber verpflichtet sehen, vor allem jedoch sich selbst.

Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    Ja, ja – die eigene Tasche ist vielen doch am nächsten – auch Leuten, die so eloquent formulieren können,wie der Herr Thomas M.

    Ich würde auch gern in Essen-Bredeney sitzen – das ist da nicht die schlechteste Wohngegend… :pfeifen:

    OT: ich hab mich von meinem Win-Frust etwas erholt – immerhin hat auch was geklappt. Ich habe Wallpaper geordnet, ca.15 neue Suchmaschinen “gebookmarkt” und in Flock xMarks installiert. Die Synchronisation mit FF geht problemlos. Ein bißchen mußte ich natürlich fummeln – FF + Flock sind zwar sehr ähnlich – aber eben nicht gleich. Außerdem mußte ich natürlich diverse Bookmarks umsortieren. Das meiste hab ich aber schon. Kleine Erfolgserlebnisse bauen einen wieder auf – und deine Dödel! :lustig: Und Donnerstag ist Feiertag.

  2. Boris meint:

    Das beschwichtigende, abwehrende Gerede vom “Einzelfall” und vom “schwarzen Schaf” durch Politik und folgsame Medien scheint bei größeren Teilen der Bevölkerung zu funktionieren. Dabei ist es tatsächlich so, dass auch in einer Mehrzahl marodierender Manager jeder einzelne Fall eben ein Einzelfall ist – und das Wort gar nichts abschwächt. Und in einer ganzen Herde schwarzer Schafe trifft man eben auf ganz viele einzelne schwarze Schafe …

  3. Horst Schulte meint:

    @Jürgen: Never touch a running system. Auch diesen Satz kenne ich. Trotzdem fuhrwerke ich so viel an Windows herum, dass ich mich nachher über mich selbst wundere und vor allem darüber ärgere, wenn wieder mal was nicht klappt. Zum Glück haben andere User die gleichen schnellen Finger und tauschen sich über die Reparaturmöglichkeiten im Web aus. Das hat mir oft geholfen und notfalls habe ich im Freundeskreis einen echten PC-Doktor (einen jungen Informatiker, der alles hin bekommt) – selbst bei einer alten Maschine.

  4. Horst Schulte meint:

    @Boris: Der Eindruck verstärkt sich bei mir auch immer mehr. Wer Augen und Ohren hat, der kann doch eigentlich auch zu keinem anderen Schluss kommen.

  5. Helmers meint:

    Middelhoff in Untersuchungshaft. Keine Pensions oder Abffindungszahlungen solange das Strafverfahren wegen Untreue durch die Staatsanwaltschaft läuft.

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