Ein Teufelskreis

Schwarzenegger Holds Press Conference On Passing Of California BudgetIn kalifornischen Schulen soll es keine gedruckten Bücher mehr geben, stattdessen E-Books. Die Schüler/innen sollen im Internet lesen. Dass entspringt nicht etwa Arnold Schwarzeneggers Ideen für mehr Umweltschutz, was ja durchaus möglich wäre. Vielmehr handelt es sich um eine Sparmaßnahme, die Schwarzenegger offensiv vertritt. Allzu viele Reaktionen gab es bisher dazu nicht. Dafür fand ich eine Reaktion, die eher von einer ordentlichen Portion Bosheit als von objektiver Bewertung geprägt ist:

Der Gouverneur von Kalifornien, der ehemalige Bodybuilder Arnold Schwarzenegger, will für alle Schüler und Studenten seines Sonnenstaates die Bücher abschaffen und durch “digital devices” ersetzen. Er meint, wer mit Facebook und Twitter umgehen könne, brauche keine teuren Bücher mehr; sein Bundesstaat könne sich dies ohnehin nicht mehr leisten. Klar, wer Bodybuilder und Terminators zum Regierungschef macht, hat nichts besseres verdient. Immerhin gibt der emigrierte Österreicher ein verderbliches Signal: Wer nicht früh lernt, mit echten Büchern umzugehen, ist dazu verdammt, mit Surrogaten zu leben. Merke: Wir haben gelernt, was heute in Kalifornien läuft, ist in wenigen Jahren auch bei uns der Fall. (Stöhlker AG)

Heute morgen habe ich in einem Radiobericht etwas über die Ausweglosigkeit für Schwarzenegger gehört, die Finanzen im US-Bundesstaat zu sanieren. Weder die Abgeordneten des kalifornischen Parlaments haben zugestimmt, noch die Bürgerinnen und Bürger, die sich in einer Volksabstimmung zu den Plänen des Gouverneurs geäußert haben.

“Unser Geldbeutel ist leer, unsere Bank ist geschlossen, unser Kredit ist aufgebraucht.” (Arnold Schwarzenegger)

Aber was macht man als verantwortlicher Politiker, als Gouverneur eines US-Bundesstaates? Vielleicht hat er in diesem speziellen Fall ja guten Alternativen:

arnie steht kurz vor dem ende seiner politischen karriere und denkt momentan ernsthaft darüber nach, wieder zurück ins showgeschäft zu gehen. wenn man ihm die richtigen rollen anbietet, wird er nicht nein sagen (Heise.de)

Scherz beiseite: Was kann Kalifornien jetzt noch helfen? Die Republikaner sind doch diejenigen, die immer darauf geachtet haben, dass die Wirtschaft nicht durch sozialromantische Phantasien gefährdet wird. Und nun?

Tatsächlich würden fast eine Million Kinder aus einkommensschwachen Haushalten ihre staatliche Krankenversicherung verlieren. Die Sozialhilfe für eine halbe Million Familien soll ersatzlos gestrichen werden. 38 000 Strafgefangene können auf ihre vorzeitige Entlassung hoffen. 220 staatliche Parks sollen schließen. Die CalGrants – eine Art Bafög – würden auslaufen. Den Schulen sollen 5,2 Milliarden Dollar gestrichen werden. In Los Angeles zum Beispiel wurden vorsorglich schon 1000 Lehrer gefeuert und alle Aktivitäten während der mehr als zwei Monate währenden Sommerferien gestrichen: 200 000 Kinder stehen dort nun auf der Straße. Fast alle Sparmaßnahmen gingen zu Lasten ärmerer Kalifornier. (Jetzt.de)

Fassen wir also zusammen: Politisch waren die Einsparmaßnahmen, selbst in der eigenen Partei, nicht durchsetzbar. Dann wurde eine Volksabstimmung durchgeführt, die ebenfalls ein negatives Ergebnis hatte. Was kann ein Politiker in einem solchen Fall noch tun? Außer, dass er sich von klugen Journalisten, dem politischen Gegner und den Einwohnerinnen und Einwohnern seines Landes beschimpfen lässt? Das wird wohl nicht das sein, was sich Politiker unter Gestaltungsspielräumen vorstellen.

Kommentare

  1. Letztendlich läuft doch schon genau so hier in Deutschland, nur auf einer anderen Ebene.

    Wenn der Steinmeier erst mal Kanzler ist, dann gute Nacht. Die Staatsverschuldung wird explodieren und der wird das Geld mit voller Freude ausgeben. Die Bundesländer haben jetzt schon Probleme mit dem Geld und das wird ja eh von Jahr zu Jahr schlimmer anstatt besser.

    Bis unsere Politiker oder Bürgermeister auf die Idee kommen, elektronische Medien anstatt Bücher zu verwenden, das dauert eh nicht mehr lange. So viele Idioten wie wir hier in Deutschland haben, die an Positionen sitzen und über Dinge entscheiden wovon sie keinerlei Ahnung haben, da wird es nicht mehr lange dauern bis die auf eben so idiotische Ideen kommen werden.

    Den Fortschritt in allen Ehren, aber doch nicht so. Das müsste wenn überhaupt über mehrere Jahre hinweg, langsam eingeführt werden damit sich jeder dran gewöhnen kann. Nicht so von heute auf morgen innerhalb von einem Jahr mit der Brechstange durchsetzen, das bringt gar nichts. Höchstens das Gegenteil von dem gewollten.

  2. JürgenHugo meint:

    @ nastorseriessix:

    Na, deinen Namen hab ich mal lieber mit “copy + past” gemacht – damit ich mir die Finger nich verkrümme! :helm:

    In der Sache hast du recht – es ist schon viel zu viel “übers Knie gebrochen” worden – Beispiele erspare ich mir da. Zu einem kann und will ich aber was sagen, ich zitiere dich erstmal:

    “Wenn der Steinmeier erst mal Kanzler ist, dann gute Nacht” DAS ist ungefähr so wahrscheinlich, wie ein Sieg von mir über 100 m bei der nächsten Olympiade… :pfeifen:

    Ich mag den Steinmeier – obwohl er in der SPD ist, und die ja im Moment einen Chaoskurs fahren – keiner weiß wohin, aber alle laufen mit…Aber als Kanzler – da sei Gott vor. Da wär der Gysi ja besser – der hat wenigstens eine eigene Meinung…

  3. Keine Ursache, das mit meinem Nickname. Ist ein wenig kompliziert, aber mit “copy + paste” dennoch machbar. ;)

    Das mit dem Steinmeier, war auch eher als Denkansatz gedacht, hätte ich wohl mit dazu schreiben soll. Das Credo für Deutschland sollte weiterhin das Sparen sein, aber nicht unbedingt um jeden Preis, wie ich finde. Kann doch nicht angehen, das die Armen im eigenen Land immer ärmer werden und die Reichen immer fetter werden. :|

  4. JürgenHugo meint:

    Das is leider nich nur hier so – das mit dem ärmer und fetter. Und das is nich mal so weit weg. Fahr mal nach Polen, liegt gleich nebendran.

    Da würden sie jubeln, wenn sie sowas wie Hartz 4 hätten – da gibts nach ein paar Monaten (max. 1 Jahr glaub`ich) “gaanix” mehr! Doch – Entschuldigung – die Krankenversicherung wird weiterbezahlt. Das wars dann…

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