In einem Artikel bei Welt-Online über den bevorstehenden Prozessen gegen die jungen und nichtsdestotrotz brutalen schweizerischen Schläger lese ich in einem Kommentar, dass die Strafen in Deutschland gegen die Täter ja höher seien, als die in der Schweiz. Der Kommentator vertritt die Ansicht, wir seien in Deutschland weiter als in der Schweiz.
Worin bitte sind wir denn weiter als die Schweizer? Es gab vermutlich mehr Gewalttaten und auch mehr Amokläufe, sofern man solche Ereignisse in einen Topf werfen darf. Mein Eindruck ist, dass wir in Deutschland ganz furchtbar ratlos und ohne Idee dastehen, wie wir mit diesen Phänomenen überhaupt umgehen sollen. Das wird auch in der Schweiz kein bisschen anders sein. Unser Gesellschaften kennen weder die Gründe für die Entwicklung, noch kennen sie die Antwort. Die, die wir hierzulande geben, ist sehr beschränkt.
Beschränkt darauf, verhältnismäßig drastische Strafen zu verhängen, den Waffenbesitz weiter einzuschränken und im nächsten Schritt vielleicht Videospiele zu verbieten. Diese Maßnahmen sind alle miteinander nur ein Ausdruck der Hilf- und Ratlosigkeit einer überforderten Gesellschaft. In dieser nämlich müsste man ernsthaft suchen und würde vermutlich sogar fündig. Es wären gewiss sehr unbequeme Erkenntnisse und noch sicherer wären es Anforderungen, die an uns alle gestellt würden, die unser aller Verhalten beträfen. Und wer tut sich schon leicht damit, das eigene Verhalten zu ändern?
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Das solltest du aber ein bisschen vorsichtiger formulieren: “Es gab vermutlich mehr Gewalttaten und auch mehr Amokläufe, sofern man solche Ereignisse in einen Topf werfen darf”
Erst mal ist die Schweiz viel kleiner als Deutschland, und zweitens bekommt man von deutschen Ereignissen hier wahrscheinlich viel mehr mit.
Ich bin allerdings der Meinung, das man das Jugendstrafrecht durchaus ändern könnte. Wenn ein 17-Jähriger einen Rentner zusammenprügelt, gehört der meiner Meinung nach genau so hart bestraft, wie ein 30-jähriger Täter. Der weiß was er getan hat – der muß längere Zeit in den Knast.
Sicher wird der nicht besser dadurch – aber die Gesellschaft hat wenigstens mal Ruhe vor ihm. Und mit Samthandschuhen anfassen, weil er ja sooo eine schlimme Kindheit hatte – das bessert den auch nich… So.
“Vermutlich” war also nicht vorsichtig genug? Natürlich spielen Größe und Einwohner eine Rolle. Aber in diesem Fall ging es um die Frage, wie sich die Gesellschaft bei Gewalttaten von Jugendlichen verhält. Und in dieser Hinsicht sind wir den Schweizern meiner Meinung nach keineswegs überlegen. Nur, weil wir härtere Strafen verhängen könnten heißt das nicht, dass wir weiter wären. Oder? Die Gesetzte müssen angewandt werden. Das würde helfen. Unabhängig davon, ob die Täter nun in Deutschland oder der Schweiz verurteilt würden. Dazu hatte ich mich kürzlich ja auch bereits geäußert. Die Täter haben ihre Straftaten in Deutschland begangen. Also sollten sie auch hier abgeurteilt werden. Dass sie dann eine höhere Strafe erhalten als in der Schweiz wäre einerseits Zufall, andererseits würde ich genau dieses begrüßen.
Es läuft eine Menge falsch im Deutschen Jugendstrafrecht.
Zum Einen dauert es zu lange bis ein Jugendlicher nach der Tat vor Gericht gestellt wird, zum Anderen erhält er am Anfang viel zu leichte Strafen die ihn den ernst seiner Lage nicht klar machen.
Wer wegen Prügeleien, Raub und Beleidigungen nur Sozialstunden aufgebrumt bekommt wird sicherlich nicht verstehen das die Gesellschaft so ein Verhalten eben nicht als Kavaliersdelikt abtut.
Leider gibt es in Deutschland die Tendenz die Schuld nicht bei den Tätern oder ihren Eltern zu suchen, sondern die Täter zu Opfern der Gesellschaft oder Medien zu machen.
Schon kurz nach der Gewaltat melden sich dann Experten wie der Chef des Kriminologischen Instituts von Niedersachsen Dr. Christian Pfeiffer und stellen fest das Killerspiele durch welche die die Täter eine “Identität als Kämpfer” entwickelt haben die Ursache dafür sind.
IMHO sind es aber genau solche Experten die dann dafür sorgen das selbst Mörder mit gerade mal 10 Jahren bestraft werden, solange sie nur jung genug sind.
Ein Großteil der jungen Menschen hat dafür aber kein Verständnis. Bestes Beispiel ist der brutale Mord an Yvan Schneider, dessen Freunde für härtere Strafen im Jugendstrafrecht kämpfen.
Ich persönlich frage mich inzwischen auch, ob diese Hetze auf Killerspiele nicht Teil einer versuchten Medienmanipulation ist, um durch das Schüren von Panik die verschärfte Zensur von Medien rechtzufertigen.
Das Hans Dieter Schwind, der ehemalige Justizminister von Niedersachsen ein Jahr nachdem er den Anschlag auf die Justizsvollzugsanstalt Celle organisiert auch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen gegründet hat, gibt schon zu denken.
Wirklich, man könnte auf diesen Gedanken kommen. Ich denke aber, es ist die pure Hilf- und Ratlosigkeit der Politik und auch der so genannten Experten. Leider kann uns diese Erkenntnis aber auch nicht davor schützen, dass die gesetzgeberischen Maßnahmen, wenn sie denn beschlossen werden, in Sinne dessen, was du beschrieben hast, auch umgesetzt werden. Es gilt also weiter wachsam zu sein. Man muss skeptisch sein, wenn man das Vorgehen beim Thema Internetsperren betrachtet.