Diesmal geht es nicht um einen Ehrenmord, der in Deutschland auf offener Straße an einer muslimischen Frau begangen wurde, sondern darum, dass ein Deutsch-Russe eine Ägypterin wegen eines Sitzplatzes auf einer Kinderschaukel auf brutale Art und Weise erstochen hat. Das Verbrechen (zumindest nach Presseberichten) hat das Potenzial, sich zu einem Konflikt zwischen Deutschen und Ägypten hochzuschaukeln.
Zur Trauerfeier für die in Dresden brutal erstochene Ägypterin hat sich die Polit-Prominenz angesagt. Zuvor hatte man in Berlin lange geschwiegen. Das könnte für Deutschland schwere Folgen haben, fürchten Experten. (Quelle: Focus, 11.7.2009)
Die Kanzlerin habe Ägyptens Präsident Husni Mubarak am Rande des G8-Gipfels im italienischen L´Aquila ihre Anteilnahme signalisiert. Ich glaub’s ja wohl nicht!
Man liest, die Tat stelle für viele Muslime einen Affront dar. Wir sollten laut aussprechen, was wir genau dieses als Affront gegen jede Vernunft auffassen. Ich meine, falls das eine Rolle spielen sollte.
Die Islamophobie fordert also angeblich ihr Opfer. Ernstzunehmende Medien geben sich dafür her, so etwas zu veröffentlichen. Demnächst gibt es wohl Terroranschläge auf deutschen Straßen, weil ein Mann eine Frau erstochen hat und weil die deutsche Öffentlichkeit kaum Notiz davon genommen hat. Das muss man ja verstehen, wo wir doch sonst so aufheulen, wenn wieder mal ein Ehrenmord passiert ist.
Die deutsche Politik reagiert den Muslimen zu langsam und zu zaghaft auf den Mord. Die sind eben nicht an die gepflegte Langsamkeit deutscher Politiker gewöhnt. Uns scheint das seit der Finanzkrise doch ganz normal.
Ich bin dafür, dass wir uns sofort und auf der Stelle tierisch aufregen. Und zwar, wenn auch wieder ein bisschen spät, über die vielen Ehrenmorde, die auf deutschen Straßen von muslimischen Tätern begangen worden sind und immer noch begangen werden. Was ist mit diesen Opfern? Über die rege ich mich auf. ![]()
Update 12.7.09:
Marwa sei “Opfer des blinden Hasses” geworden, der seine “Quelle in der Ignoranz” habe, sagte Ramzy. Jedoch sei er überzeugt, dass diese Einzeltat nicht die “Wahrheit über die deutsche Gesellschaft” widerspiegele. Muslim-Vertreter Mayzek äußerte sich bestürzt über den Tod der jungen Ägypterin. Marwa sei gestorben “für unser Recht, unsere Freiheit in unserem Land.” (Quelle: AFP, 12.7.09)
Es geht also um die “Wahrheit über die deutsche Gesellschaft”. Was dieser Botschaft da geäußert hat, ist in Wahrheit ein Affront. So verstehe ich jedenfalls dieses Diplomatengequatsche. Und was Herr Mayzek dazu anmerkt ist nicht besser. Er meint nicht “unser Recht, unsere Freiheit in unserem Land”, nicht das aller Menschen, die in Deutschland leben, sondern er spekuliert darauf, dass seine Worte in den muslimischen Ländern wirken werden. Er beruft sich auf die Rechte und die Freiheit, die Muslime in Deutschland besitzen (sollten?) und eben das ist ein falsches Signal. Sie haben diese Rechte und diese Freiheit. Von Pflichten wird wieder mal kein Wort erwähnt.
Bild der jungen Araberin: tokamuwi @ Pixelio.de













Das hat doch mit der Religion der Frau überhaupt “gaanix” zu tun. Der hätte die sicher auch “abgestochen”, wenn sie aus Grönland gekommen wäre, oder weil ihm ihre Nase zu lang war – oder auch einfach nur so!
Solchen “Irren” kann man doch keine rationalen Motive unterstellen. Aber ich sachs ja: wo die Politiker ihren Mund halten sollten, da mischen sie sich ein… Gott, was is das für eine Welt…
PS: kann der nächste Artikel vielleicht über was schönes handeln? Sonst wird man ja noch ganz deprimiert…
Ich suche was Schönes. Versprochen! Aber dieses Thema ist so verrückt, da muss man doch zu bloggen. :auto:
@jürgenhugo: In diesem Fall war es wohl doch ganz offensichtlich so, dass der Russlanddeutsche es nicht ertragen konnte, dass eine Nichteuropäerin in Deutschland lebte. So meldet es jedenfalls der Focus. Und er hat sie angeblich als Islamistin und Terroristin bezeichnet.
Und da stime ich Horst zu, gerade die Gruppe die sich jetzt beschwert, dass wir zu wenig empört sind, meckert am Lautesten, wenn wir uns empören, dass eine junge Frau erstochen wird, weil die Lebensweise dem Bruder nicht genehm war.
Mir ist es scheißegal, welche Staatsangehörigkeit oder Religion jemand hat. Ich bin in keiner Kirche und glaube nicht an Gott. Ich glaube aber daran, dass jeder frei entscheiden kann und darf an was und wen er glauben möchte. Und das geht verdammt nochmal niemanden etwas an – auch nicht den Onkel oder den Bruder!
Verabscheuungswürdig ist jeder Mord unabhängig vom Beweggrund.
@Andreas: Es gibt leider viele Leute, die Nichteuropäer hier nicht sehen wollen. Ich verabscheue solche Leute, weil sie nicht in mein persönliches Weltbild passen. Dass es sich in diesem Fall um einen Deutsch-Russen handelt ist ein Anzeichen dafür, wie schlecht unsere Integration in Deutschland überhaupt funktioniert. Ich habe schon öfter erlebt, dass eine ethnische Gruppe gegen die andere innerhalb des Landes Stimmung macht. Mit Argumenten, die man eigentlich von der deutschen Rechten erwarten würde. Keine Ahnung, welche Motivation solche Dinge haben aber wie du sagst: Mord ist immer verabscheuungswürdig und zwar ganz egal, weshalb er begangen wird.
Das mit den “Deutsch-Russen” – der Name sagt´s ja schon. das sind keine Russen mehr – und noch keine Deutschen… Die sind eigentlich garnix.
Die Politik hat gesagt (vereinfacht): Nun kommt mal alle her – wenn in eurer Familie mal irgendjemand 3 Worte deutsch konnte (übertrieben!) – und dann sind die gekommen. Und dann waren sie da. Das das ganze in einer Zeit passiert ist, wo der Arbeitsmarkt eh nicht so rosig war/ ist – das hat die Sache nich bessser gemacht…
Um Integration haben die Politiker sich genauso
:schade:
vielwenig Gedanken gemacht, wie bei den Gastarbeitern… tja.Na na, kein Rassismus bitte! Für die Fehler, die wir bei der Integration gemacht haben, dürfen wir nicht die Leute verantwortlich machen, die unter ihnen zu leiden haben.
Naja, das mit der Integration sehe ich teilweise doch anders. Integration heisst für mich, dass ich mich integriere. Ich sehe zu, dass ich irgendwo hineinpasse. Und genauso mache ich das auch, wenn ich irgendwo anders bin – ich versuche es jedenfalls.
Nun kenne ich jemanden, der seit 20 Jahren in Deutschland ist. Ein sehr netter Mann, komme ich gut mit klar, haben schon zusammen ein Bier getrunken – alles bestens. Aber warum kann ich ihn nach 20 Jahren in Deutschland nur sehr, sehr schwer verstehen? Der ist ja nicht dumm! Aber er spricht unsere Sprache nur bruchstückhaft.
Einer der Gründe dürfte die Gruppenbildung sein. Die Leute bleiben unter sich. Reden ihre Sprache, pflegen ihre Bräuche. Dagegen habe ich nichts. Solange nicht, wie die Bräuche sich nicht mit unserem Rechtsempfinden, unseren Gepflogenheiten und unseren Moralvorstellungen hakeln. Das der Politik anzulasten, halte ich für grundfalsch! Was sollen die denn machen? Zwangsintegration? Zum integrieren gehört auch der Wille des zu Integrierenden.
Sicher muss der Vorgang beides beinhalten. Die Bereitschaft, sich zu integrieren aber auch das Angebot der Gesellschaft, den Emigranten zu integrieren. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das bei uns gut funktioniert hätte. Andererseits gibt es viele Beispiele für gelungene Integration. Übrigens auch unter Muslimen. Aber die Muslime tun sich, vielleicht aufgrund des anderen Kulturkreises deutlich schwerer, als Menschen aus anderen Kulturkreisen.
Die Sprache ist zweifellos eines der wichtigsten Integrationskriterien. Wer nicht gut deutsch spricht, der wird es ganz schwer haben. Das gilt natürlich auch in allen anderen Ländern. Aber ein zweiter Aspekt, die Bildung, ist elementar. Die Bildungschancen für Einwanderer sind leider nachweislich sehr viel schlechter als für Deutsche. Das hat sich nicht geändert, obwohl seit Jahren gerade darüber viel geredet wurde und angeblich ja auch einiges passiert ist.
Ne, ne Horst – das nit “garnix” – das ist kein Rassismus. Die jungen, die mitkommen mussten (die wurden ja nicht gefragt) – die haben ihre Identität verloren – und keine neue gefunden. Das meine ich mit garnix.
In Russland, da waren sie die “Deutschen” – in Deutschland sind sie die “Russen”.
Das mit der Sprache hat Andreas ganz richtig erkannt. Wenn ich z.B. ab und zu nach Sibirien fahren würde, und könnte mich radebrechend verständigen – das würde mir sicher hoch angerechnet. Allein weil ich mich bemühe. Aber viele Emigranten bemühen sich eben nicht – und die leben ständig hier – nich nur zu Besuch!