Die Gegenmeinung in der FAZ gibt’s auch :!:

Es gibt Firmen, die eine offene Kommunikation mit ihren Kunden und potenziellen Neukunden suchen. Ich will das mal so unkritisch beschreiben, obwohl ich als “geborener” Linker gerade bei diesem Thema eigentlich arg skeptisch bin. Diese Unternehmen versuchen mit Hilfe von Fachleuten, die sich im Internet auskennen, neue Wege zu finden. Natürlich steckt auch dahinter die Absicht, Gewinne zu maximieren. Das soll ja an sich nichts Verwerfliches sein.

Die Kommunikation soll umfassend sein. Dabei bewegt man sich zwar nicht auf völlig fremdem Terrain, aber trotzdem ist das Vorhaben risikoreich, weil die Reaktion der Adressaten unvorhersehbar ist.

Irgendwann ist das Konzept fertiggestellt und wird der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist ein Desaster. Die Reaktionen reichen von begründeter sachlicher Kritik bis hin zu bösartigster Polemik. Deren Protagonisten sind allerdings nicht einmal ansatzweise für eine offene Diskussion bereit.

Das hatten die Initiatoren bei Vodafone sich bestimmt anders vorgestellt.

An der Debatte stört mich gewaltig, dass nicht wenige mit größter Selbstverständlichkeit davon ausgehen, sie repräsentierten die “Internet-Community”. Wie vermessen ist das denn? Auch wenn man in den letzten zwei Tagen darüber viel hätte lesen können (was ich m.E. übrigens auch nicht tun musste, um diese Art der Auseinandersetzung zu kritisieren), so wenig bestimmend ist dieses Thema (Rivva jetzt mal ausgenommen).

Schon die Diskussion über die Internetsperren hat mir gezeigt, was für wilder und kompromissloser Haufen von Besserwissern in unserem Web “unterwegs” sind. Will ich wirklich dazu gehören? Natürlich nicht! Aber deshalb bleibe ich dennoch dabei.

Die Frage bleibt aber für mich virulent, ob die vielfach beschworene Meinungsfreiheit durch das Web wirklich gefördert wird oder ob sie durch die in größtmöglicher Schärfe, ausdrücklicher Nichtachtung anderer Meinungen und unbedingter Unversöhnlichkeit ausgetragenen Wortkriege um die Deutungshoheit vereinbarter (aufgezwungener) Themenstellungen nicht stark eingeschränkt oder sogar zerstört wird.


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6 Antworten : “Streitkultur: Die Wortkrieger im Web”

  1. JürgenHugo sagt:

    Besserwisser und Dödel und Werbung und Eiferer – die hat es sicher auch in der Steinzeit schon gegeben. Und solche, die nur ihre Meinung gelten lassen – warum sollte das im Net anders sein?

    Der Artikel ist ja eloquent geschrieben – man merkt schon das du mit der Sprache ganz gut umgehen kannst… :!: sach ich ganz ohne Ironie.

    Noch mal zum Thema: auch in der Steinzeit hat es sicher Diskussionen gegeben – auch solche, die mit der Keule beendet wurden… :helm: :helm:

  2. Du musst dir mal die Präsentation bei Thomas Knüwer angucken. Das ist wirklich nicht gut gemacht. Ziemlich lang aber wirklich nicht gut.

    Trotzdem ist die Kritik so typisch übertrieben, dass ich mich einfach nur noch darüber ärgern kann. Da nehmen sich ein paar Klugscheißer (Knüwer meine ich nicht!) irgendein Thema, ziehen es hoch und besitzen am Ende tatsächlich auch noch die Meinungsführerschaft. Das ist nicht gut.

  3. Hm, ich war schon immer ein Prepaid Kunde und werde es auch immer bleiben, was Mobieltelefone angeht. ;)

  4. @Nastorseriessix: Ich wollte mit meinem Beitrag nicht Partei für Vodafone nehmen. Mir geht es darum, wie sich die Blogsphäre oder besser gesagt Teile von ihr mit solchen Themenstellungen “auseinandersetzt”. Das war bei der Debatte um die Internetsperren ja ebenfalls gut sehen.

  5. Wie, die Blogsphäre hat sich damit auseinandergesetzt ? Muss mir wohl entgangen sein, denn das einzige was ich um das Thema herum gelesen habe ich der Blogsphäre war das übliche Pro oder Contra pro Blog.

    Auseinandersetzten mit einem Thema sieht für mich aber anders aus, nämlich das man sowohl Pro wie auch Contra kennt und sich zudem mit den Hintergründen auskennt, also man auch weiß was und worüber man schreibt. ;)

  6. Diskussionen werden im Normalfall durch den Austausch von Argumenten geführt (Pro und Kontra). Das hat auch in diesem Fall stattgefunden. Sieh mal bei Rivva rein. Auch heute ist es noch ein bestimmendes Thema. Allerdings überwiegt die drastische Kritik an Vodafone und ihren Beratern (Sascha Lobo, Lumma).

    nastorseriessix: Auseinandersetzten mit einem Thema sieht für mich aber anders aus, nämlich das man sowohl Pro wie auch Contra kennt und sich zudem mit den Hintergründen auskennt, also man auch weiß was und worüber man schreibt.

    wie meinst du das? Ich habe nicht behauptet, mich im Detail mit den Argumenten auseinandergesetzt zu haben. Allerdings habe ich viele Beiträge gelesen und auch die Präsentation bei Vodafone (trotz der Länge!) angesehen. Insofern kann ich mir schon ein Bild machen. Mir geht es aber im Wesentlichen um die Art der Auseinandersetzung, nicht um einzelne Kritikpunkte, die ich übrigens z.T. auch teile.

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