Zehntausend, Hundertausend, Millionen – alle gegen Ahmadineschad
Man empört sich, dass Ahmadineschad die Stirn hat, den Mord des Deutschrussen an der Muslimin, die aus Ägypten kam, in Dresden lebte und Kopftuchträgerin war, dafür zu nutzen, von seinen internen Problemen abzulenken. Dabei ist das doch etwas, was viele Politiker in anderen Ländern auch nicht anders gemacht hätten. Dass ich das schreibe heißt natürlich nicht, dass ich sein Verhalten richtig finden würde! Natürlich verstehe ich, dass sich die Leute darüber aufregen. Tue ich ja auch.
Die Frage, die mich allerdings schon beschäftigt, ist, ob die Leute, die mit ihrem permanenten Gehetze gegen Muslime, die mir immer schon ein Dorn im Auge sind, nicht doch zumindest dazu beigetragen haben, dass dieser Spinner ausgetickt ist.
Mir ist schon häufiger in Diskussionen im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis aufgefallen, dass insbesondere Emigranten aus anderen, nicht muslimischen Ländern, sich ausgesprochen “intolerant” gegenüber manchen Sitten und Gebräuchen von Muslimen geäußert haben. Klar, es gibt auch unter diesen Rassisten aber vielleicht hat der von mir registrierte “Eifer” auch den Grund, dass sie sich als besonders integriert darstellen wollen und deshalb ihre Ablehnung gegen bestimmte Verhaltensweisen oder Eigenarten anderer ethnischer Minderheiten so klar äußern. Stichwort: “Wer hier lebt, soll sich anpassen.” Ein einfacher Satz, der es aber wirklich in sich hat.
“Die Würde des Menschen ist unantastbar.”
Wenn wir danach leben würden, sollten so fürchterliche Dinge wie in Dresden nicht passieren. Wenn sie aber doch passieren, sollten wir nicht den Fehler machen und diese als Bestätigung für deutsche Fremdenfeindlichkeit ansehen. Solche Vorfälle sind auch nicht als Beweis dafür anzusehen, dass sich irgendetwas Voraussehbares und letztlich Unvermeidliches ereignet hätte. Manchen Leuten würde das nämlich in ihrem Kram passen. Ein Mensch hat einen anderen getötet. Das passiert leider in dieser Welt und sollte weder von der einen, noch von der anderen Seite instrumentalisiert werden.
Es ist nun einmal so, dass wir (nicht nur in Deutschland) unser Leben mit vielen Menschen anderer Herkunft teilen. Die meisten von uns sind in dieser Hinsicht neutral und empfinden das als eine Bereicherung, sie entfalten jedenfalls keine Verschwörungstheorien gegen Muslime und glauben nicht an einen Kampf der Kulturen.
Ein Blick in Websites wie “PI-News” und “Fact Fiction” zeigt, dass immer mehr Leute Menschen wie dem holländischen Islamhasser Geert Wilders zu folgen bereit sind. Ich fürchte, dass die, die die Menschen mit islamischer Herkunft als “Kulturbereicherer” diffamieren, weiter an Zulauf gewinnen.
Wir sollten nicht übersehen, dass die Methoden, die früher dazu eingesetzt wurden, Menschen auseinander zu dividieren, auch heute noch ihre Wirkung entfalten. Wir sollten uns außerdem klar machen, dass wir heute in einer Welt leben, die sich nicht nur hinsichtlich ihrer geografischen Grenzen gegenüber der des beginnenden letzten Jahrhunderts verändert hat. Veränderungen haben Menschen immer dazu veranlasst, deren vermeintliche Träger abzulehnen oder sogar zu verfolgen. Wir könnten vielleicht auch mal etwas aus unserer Geschichte lernen.


Horst Schulte
Eben gebloggt: "Zehntausend, Hundertausend, Millionen – alle gegen Ahmadineschad | QuerBlog" ( http://bit.ly/H10ml )
JürgenHugo
“Wir könnten vielleicht auch mal etwas aus unserer Geschichte lernen.”
Horst, Horst – bist du so blauäugig oder tust du nur so? Die Menschen lernen nur was, wenn sie ordentlich auf die Schnauze fallen – und auch dann nich für lange… :helm: :helm: :helm:
Jetzt hab ich 7 (sieben) Kommentare hintereinander geschrieben – jetzt lob ich mich selber – mit 6 Sternen.So.
PS: Hör dir meine MP3 an, die ich dir per Mail geschickt habe! Und find sie gut! Sonst schimpf ich dich – hab ich ja bei Twitter schon geschrieben.. :pfeifen:
Horst
Ja, ein Hoch dem eifrigsten Kommentarschreiber in diesem Blog! :!:
Die MP 3 habe ich mir angehört. Nun, unser Musikgeschmack ist inkompatibel. Ist ja auch egal.
Was meine Blauäugigkeit anlangt hast du vielleicht recht. Aber wie heißt es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
JürgenHugo
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Dann aber gründlich. Zur Musik: sollte dir ja nur ein Gefühl vermitteln, wie der Screensaver fetzt! Das Foto kennste ja – is ja eines deiner besseren… :helm:
Meine neue Mikrowelle fetzt auch – seit Dienstag. Sieht richtig edel aus.
Alrik
Der Mord in Dresden ist ein Skandal. Es ist auch nicht der erste Mord in einem Gericht, älteren Mitbürgern fällt da vieleicht noch der der Name Marianne Bachmeier ein.
In einem Gericht sollte niemand in der Lage sein, einen anderen Menschen zu töten oder körperlich schwer zu verletzen – wenn der Staat schon das Gewaltmonopol für sich beansprucht dann muß er gerade dort, wo dieses Gewaltmonopol gelebt wird auch für Sicherheit garantieren, sonst kann er diesen Anspruch nicht aufrecht erhalten.
So, was jetzt Rassismus als Tatmotiv angeht:
Wäre die Frau eine “normale Deutsche” gewesen hätte der Täter sie wohl auch erstochen und rassistisch, etwa als “Kartoffel” oder “Scheißdeutsche” beschimpft. Hätte er nicht auch allen Grund dazu gehabt, so wie ihm die Deutsche Gesellschaft unterdrückt ?
Für Antiislamismus braucht man kein PI und kein FF. Da reicht die eigenen Unzufriedenheit um sich Sündenböcke zu suchen.
Ich persönlich kann auch nicht feststellen das eine Angst vor dem Islam geschürt wird. Hängen in den Postämtern Bilder von bärtigen Gestalten mit Turban, die von der Polizei gesucht werden ?
Laufen im Fernsehen Werbespots der Bundeszentrale für Politische Bildung, die dem Bürger erklären wie er sich verhalten muß, wenn er vermutet das sein Nachbar der Freitags immer in die Moschee geht ein Terrorist ist ?
http://www.youtube.com/watch?v=n5WsciSNVS0
Wirft die BILD und andere Zeitungen bekannten deutschen Muslimen vor, die geistigen Wegbereiter des Terrorismus zu sein ? Und besuchen prominente deutsche Muslime die Angeklagten der Sauerlandgruppe, um mit ihnen über Politik zu diskutieren ?
Sind “Kopftuchtürken”, die “nach Kümmel stinken” erst seit dem 11.9.2001 beliebte rassistische Schimpfwörter ?
Ganz sicher nicht.
Horst
Keine wie auch immer geartete Unterdrückung kann einen Mord entschuldigen. Hatte ich den Eindruck erweckt als würde ich das anders sehen? Im Suchen von Sündenböcken wir nicht nur wir Deutsche groß. Das ist eine nationenübergreifende “Eigenart”. Manche fürchten sich vor Fremdem und wenn noch wenige Komponenten hinzukommen (sagen wir soziale Spannungen) führte das in der Geschichte nicht selten, um die Situation eskalieren zu lassen. Wir Deutsche haben es im eigenen Land erlebt. Natürlich nehme auch ich wahr, dass die überwiegende Zahl von Terroranschlägen auf das Konto von muslimischen Terroristen geht. Kriegen wir es hin, miteinander zu leben oder stoßen sich die unterschiedlichen Kulturen in einer Weise ab, die auf Dauer das Zusammenleben unmöglich machen? Auf diese einfache Frage läuft die Entwicklung doch hinaus. Es gibt darauf nur keine einfache Antwort. Darauf wollte ich noch einmal hinweisen.
shibumi
jeder mord ist schlimm, mit kopftuch oder ohne. ich verstehe überhaupt nicht warum man da unterscheidungen treffen will.
Horst
@Shibumi: 100% Zustimmung! An den Diskussionen siehst du, dass es leider unterschiedliche Sichtweisen gibt. Dieser Mord hat eine brisante politische Dimension, obwohl er diese Art der “Beachtung” nicht verdient hat.
Alrik
Hm, ich sehe keine brisanten politischen Dimensionen.
Oder hat der Iran angekündigt, in Zukunft keine Deutschen Werkzeugmaschinen für seine Atom und Waffenprogramme mehr zu kaufen ?
Sicher, der offizielle Wahlsieger im Iran hat erklärt das in Deutschland Muslime aus rassistischen Gründen im Gericht erstochen werden und die Polizei wegschaut.
Während im Iran auf offener Straße Menschen von den eingenen Sicherheitskräften totgeschlagen, verschleppt und ermordet werden – ohne erst für irgend etwas vor Gericht zu stehen.
Die Iraner werden den Widerspruch sicher auch sehen…