Mit 55 kann man von sich behaupten, man sei vom alten Schlag. Dass ich das mal so gelassen aussprechen könnte, hatte ich mir vor ein paar Jahren auch noch nicht vorstellen können. Vielleicht sehen mir die jüngeren, mehr noch die zum Teil erheblich jüngeren Leute nach, dass ich in vielen Fragen zu völlig anderen Schlussfolgerungen komme als sie. Und ich wette, es finden sich durchaus Gleichaltrige, die auch eine andere Meinung dazu haben.
Ob es nun um das Internet und Personen aus der Politik geht, die Beurteilung, ob Deutschland noch eine Demokratie ist oder auch um die Frage, weshalb es heute zu wenig Lehrer gibt, wahrscheinlich könnten die Meinungen dazu gar nicht weiter auseinander liegen.
Heute habe ich wieder mal die Kolumne (Jetzt ich) eines Nachwuchsjournalisten des Kölner Stadt-Anzeiger gelesen. Der 18jährige Jan-Lucas Schanze schreibt darüber, weshalb er auf gar keinen Fall Lehrer werden will. Er ist auf seinem persönlichen Lebensweg zeitlich noch so nahe an der heutigen Schulrealität, dass man ihm seine Argumente auch als 55jähriger sofort “abkaufen” kann.
Er schließt seinen Artikel mit klaren Worten:
Ganz ehrlich, wenn ich mit der Schule fertig bin, möchte ich nicht in acht Jahren wieder dahin zurück, in einem muffigen Klassenraum voller Teenagerprobleme stehen, um dort als Objekt des allgemeinen Frustes herzuhalten. (Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 25.07.09)
Ich kann gut verstehen, dass er sich lieber einen anderen Job sucht. Das ist sein gutes Recht. Wenn da nur nicht ein ganz einfacher Gedanke wäre, der mich dann doch eine ziemlich distanzierte Haltung zu Jan-Lucas Schanze einnehmen lässt.
Stellt euch vor, alle würden so denken! Wer würde sich dann um die Ausbildung und um die Teilerziehung unserer Kinder kümmern? Viele Eltern sind aus der Erziehung ihrer eigenen Kinder längst ausgestiegen und haben keine Scheu, auch diese elementare Pflicht noch den Lehrerinnen und Lehrern zu überantworten.
Man könnte mal einen Versuch machen, die vielen Mosaiksteine zusammenzusuchen, die dazu geführt haben, dass die Lehrerinnen und Lehrer heute in ihren Klassen oft nicht mehr klar kommen. Ob man danach allerdings auf die Summe aller Einflussgrößen gekommen wäre, die das Bild des Lehrers in unserer Gesellschaft so nachhaltig geprägt haben, ist wohl eher fraglich. Ich mache, wie übrigens auch bei anderen Missstände in unserer Gesellschaft, zwei wesentliche Gründe aus.
Sie heißen: Egoismus und Respektlosigkeit.
Dass dafür nicht die Kinder und Jugendlichen verantwortlich gemacht werden sollten, ist schon klar – oder?
Wenn beispielsweise Jugendliche älteren Menschen auf dem Gehweg entgegen kommen und keine Anstalten machen, auch nur einen Schritt zu Seite zu gehen, dann führt das dazu, dass die Leute, die so etwas erleben, sich prompt über die Jugend von heute beklagen. Wir wissen wohl, dass es solche und ähnliche Dinge auch schon vor mehreren Jahrzehnten gegeben hat. Und doch ist es heute anders. Man könnte fast geneigt sein, denen zuzustimmen, die die 68er für diesen Teil unserer gesellschaftlichen Realität verantwortlich gemacht haben.
Natürlich sind solche konstruierten Kausalitäten bei Politikern beliebt, aber die Behauptung alleine reicht einfach nicht dafür aus, die gesellschaftlichen Veränderungen am Status der Lehrer zu erklären. Es wirken viele Faktoren. Es gab zeitweise zu viele Lehrer, die Lehrer wurden zu einer im Verhältnis zu anderen schlecht bezahlten Berufsgruppe. Ein ehemaliger Bundeskanzler betitelte Lehrer als “faule Säcke”. So kommt eins zum anderen.
In dem Maße, in dem unser Schulsystem schwere Blessuren davontrug, nahmen seine Protagonisten Schaden – nicht nur durch Pisa oder andere Benchmarks, bei denen schlecht abgeschnitten wurde. Das deutsche Schulsystem ist schon seit Jahrzehnten ein politischer Spielball und vielleicht hat sich der Föderalismus für die Entwicklung der Bildung in unserem Land als negatives Element erwiesen. All dies sind auch Bestandteile, die zum schlechten Image von Lehrern geführt haben. Auffallend ist, dass die Lehrer an sich und ihre Profession damit sehr wenig zu tun haben. Die Leidtragenden sind sie dennoch.
Bild von Multipla @ Pixelio.de
Unverzeihlich?








Alle sind Schuld – und keiner ist Schuld. Vielleicht können wir mit der schnellebigen Zeit und den Veränderungen einfach nich mithalten – obwohl wir so tun…Auch schon seit Jahrzehnten…
Aber sach mal – wo hast du denn das schöne Foto her? Selbst gemacht? Wenn du das in richtg groß hättest – das könnt ich mir gut als Wallpaper “hinfummeln”.
Ich seh´s gerade – is wohl nich von dir :schade:
Oh was für ein Thema!!!
Ich sagt kurz: Ich bin mal gerne zur Schule gegangen. War hoch motiviert was zu lernen.
Auf meiner ersten Schule, war alles in Butter – ich hatte das Gefühl, dass ich was lernte. Okay der Umstand, dass ich als Sprachbehindert galt und eine nicht ganz normale Grundschule besuchte, kommt hinzu.
Nach drei Jahren “Sonderschule” – Waldorf lässt grüßen, kam ich in die normale Grundschule. Gut, das Lehrer sich nicht so um einen bemühten, war mir klar und ich habe auch schnell gelernt damit umzugehen.
Schlimmer wurde es nur noch, als ich die Realschule besuchte. Tja, heute sag ich, dass war verlorene Zeit in meinem Leben!!! Meine Lehrer waren nicht das, was sein sollte – sie waren sehr inkompetent, machten nur das was ihnen Spaß machte zu unterrichten und wenn nicht sogar, waren sie zu faul zu unterrichten, was sein musste. Dazu muss ich sagen, dass unsere Klasse auf der Real als vorbildlich im Benehmen war usw. – so kann es nicht an uns Schülern gelegen haben. Zum Glück gab es zwei Lehrer an der Schule, die Anders waren. Sie haben wirklich viel verlangt an Leistung, aber Sie waren als Lehrer voll korrekt – so wie man sich kompetente Lehrer vorstellt.
Tja, dann in der 11. Klasse traute ich mich, meinen Ärger Luft zu machen. Ok, wir hatten nur FR und SA Schule – aber wir wurden wie Erwachsene behandelt – was für ein Unterschied! Gut, war ein blödes Jahr mit einem parallelen Praktikum für lächerliche 150 Mark im Monat (war so gesetzlich vorgeschrieben).
Wenn es dann nicht zwei Leher in der 12. und 13. gegeben hätten, die meine Ärger über “Lehrer” aufgefangen haben, würde ich heute nicht studieren!!!
Was ich damit ausdrücken will: Ja, ich würde gerne Kinder haben. Würde alle Zeit dafür aufbringen (Nerven, Geld etc) – auch in schweren Zeiten, aber nochmals das Schulsystem durchmachen, will ich nicht! Ich kann mir nicht vorstellen, dass was ich LIEBEN WÜRDE (also meine Kinder) diesem Schulsystem auszusetzen. Dies ist für mich der entscheidendste Grund, warum ich keine Kinder will – einfach wegen dem Schulsystem, an dem ich fast kaputt gegangen wäre!!!
Ja, Jürgen. Das ist aus meiner Sicht eine sehr kluge Frage. Manchmal denke ich auch, dass das so ist. Viele kommen nicht mehr hinterher und unsere Gesellschaft als Ganzes sowieso nicht. Oder, die Möglichkeit besteht auch, wir dramatisieren alles nur und alles geht quasi seinen Gang.
@Martin: Das muss ja schlimm gewesen sein. Interessant finde ich, dass du offenbar mit etwas autoritären Lehrern weniger Probleme gehabt zu haben scheinst, als mit denen, die ihren Beruf eher als Trip zur Selbstverwirklichung betrachtet haben. Dein Urteil über das Schulsystem ist vernichtend. Da kann ich nicht mitreden, weil ich in meiner Zeit (also in den 60ern) solche negativen Erfahrungen nicht gemacht habe. Ich bin ungern zur Schule gegangen, das sicher. Aber so richtig schlechte Erfahrungen habe ich eben nie gemacht.
Wenn du Lehrer meinst, die auch zu sich selber autoritär waren, d.h. ihren Job ernst genommen haben, dann stimme ich dir zu!
Genau die habe ich gemeint! Die soll es ja auch geben. :cool1: