website_steinmeier

Guter Slogan, dieses “Sturmerprobt seit 1863″ — finde ich jedenfalls!

Vielleicht erinnern sich viele Genossen an den Ausgangspunkt für die vorletzten Wahlen, die Gerhard Schröder auf den letzten Drücker noch für die SPD entschieden hat. Zu diesem Wahltermin konnte die SPD noch auf mich zählen. Das war auch bei den letzten Bundestagswahlen noch der Fall.

Was bleibt der Partei und ihren “Soldaten” jetzt noch anderes übrig, als sich einzulassen auf einen Wahlkampf, den sie wahrscheinlich kaum noch gewinnen wird. Aber wie hat Frank-Walter Steinmeier (übrigens die schickste Website, die ich von einem Politiker, Obamas jetzt mal nicht mitgerechnet, je gesehen habe…) dieser Tage noch gemeint? Politik sei keine Casting-Show. In der Tat: Die Wähler können Politiker oder Parteien nicht einfach per Telefon abwählen. Dazu müssen wir schon unseren Hintern hochbekommen und uns an die Wahlurne begeben. Gut, Briefwahl wäre noch eine Alternative.

Natürlich ist vielen Mitgliedern der SPD die Situation ihrer Partei klar. Genauso klar ist auch, dass sie sich im Wahlkampf nicht schon heute geschlagen geben dürfen. Auch daran mag man erkennen, wie hart dieses Geschäft wirklich ist. Vor allem natürlich für die Spitzenleute der Partei. Es wird zwar oft darüber geklagt, dass es in Deutschland kaum noch so genannte investigative Journalisten gäbe, aber für teilweise unverschämte und irgendwie immer beifallheischende Fragen an das Spitzenpersonal der SPD reicht es gerade noch. Da kriege ich so manches Mal richtig Lust, allein schon aus Trotz doch wieder meine alte SPD zu wählen.

Wie schwer es ist oder jedenfalls zu sein scheint, habe ich auch dem “Motto” entnommen, das ich auf der Website von Christian Soeder, den ich seit langem auf meiner Blogroll führe.

stumerprobt_seit_1863

Für die, die es nicht wissen, die SPD wurde 1863 als “ADAV” (Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein) gegründet und hat seither bekanntlich viele Höhen und Tiefen erlebt.

Nicht nur mich hat die Entwicklung der SPD mit bzw. seit Gerhard Schröder stark irritiert, sondern die Maßnahmen der Partei, die ja vermeintlich zu unserer aller Nutzen gewesen sein sollen, haben mich zu keiner Zeit wirklich überzeugen können. Einfach gesagt, ich hätte vor allem nie damit gerechnet, dass ausgerechnet meine Partei etwas so ungerechtes wie “Hartz IV” einführen würde. Dass die Fehler dieses Gesetzes auch heute nicht behoben worden sind und nicht einmal darüber geredet wird, diese auch nur “anzutasten”, macht mich noch ärgerlicher.

Politisch halte ich es außerdem für falsch, dass die SPD eine Zusammenarbeit mit der LINKE aus Angst vor der öffentlichen Meinung bzw. “der Wähler” ablehnt. Sie soll diese Zusammenarbeit nicht nur deshalb anstreben, weil es politisch opportun wäre, sondern weil linke Politik in Zukunft wohl nur dann noch stattfinden wird, wenn SPD, Grüne und LINKE zusammenarbeiten. Wir sehen, wie sich das “bürgerliche Lager” derzeit entwickelt. Trotz der riesigen Probleme, die uns die Wirtschaftskrise noch bringen wird, halten sich die Umfragewerte der FDP unglaublicherweise immer noch zwischen 13-15 %. Ich verstehe das deshalb nicht, weil eigentlich klar sein sollte, wessen Interessen die FDP trotz des Geschwafels ihrer Altvorderen vertreten hat und heute vertritt. Aber klar: Das ist Klassenkampf pur, den ich hier versuche und natürlich haben die heutigen mündigen Wählerinnen und Wähler ganz andere politische Ziele im Blick als so ein alter klassenkämpferischer Altsozi.

Dabei frage ich mich selbst oft genug, ob und wie in dieser globalisierten und brutal kapitalistischen Welt der einzelne Mensch, seine Interessen wahren könne. Wir haben schließlich Internet und wir sind aufgeklärt, klug und selbstbewusst genug, um locker allen Anfeindungen im Berufsalltag oder im gesellschaftlichen Leben ganz allein begegnen können. :boing: Wozu brauchen wir da noch eine Partei, zu deren identitätsstiftenden Merkmalen so etwas abstruses wie Solidarität und Gerechtigkeit gehör(t)en? Nee — alles Schnee von gestern. Die Sozis brauchen wir nicht mehr! Nicht wahr?

Nebenbei hat es sich die Partei angeblich ja auch noch mit mindestens einer, wenn nicht gar mit zwei Generationen junger, aufgeklärter Webuser verscherzt, als diese das hochnotpeinliche Gesetz von Zensursula des lieben Friedens in der Großen Koalition wegen, im Bundestag einfach so passieren ließ. Das durfte ja nun wirklich nicht passieren.

Wisst ihr was?! Ich glaube, ich werde die alte Dame und diesem doch sogar in der Presse als authentisch beschriebenen Frank-Walter Steinmeier meine Stimme geben! Allein schon deshalb, weil ich nicht auf der Seite des so genannten “bürgerlichen Lagers” stehen will. Eigentlich bin ich ja stockkonservativ. Diese Einsicht hat mich Jahrzehnte gekostet. Ich habe gelernt, dass auch das zusammengeht: Rot und konservativ. Warum auch nicht!

Ab heute mach ich hier ein bisschen Wahlkampf für die SPD. Schröder ist ja weg und Müntefering wird hoffentlich spätestens nach der verlorenen Wahl auch (endlich) von der Bildfläche verschwinden.


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4 Antworten : “SPD: Sturmerprobt seit 1863”

  1. JürgenHugo sagt:

    Dann bin ich der Gegenpart! Die SPD wird mit Pauken und Trompeten untergehen – und das gaanich merken… :helm:
    Und verdient ham se das!

    Ich hab nich vergessen, wie sich der Schröder nach der letzten Wahl benommen hat – und dann heimlich davongeschlichen ist – zu Gazprom…

    Und vor der vorletzten Wahl: “Mit uns wird es Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau nicht geben!” oder so ähnlich. Und was war dann – na? Hartz 4, brauch ich nix zu zu sagen….

    Verräter sind das, ganz üble Verräter – und verraten tun sie ihre eigenen Ideale – fall sie die noch hatten. Wenn ich das bedenke, und dann mitkriege, wie die Leute sich aufregen, wenn ein Dienstwagen geklaut wird – ne! Da reg ich mich über was ganz anderes auf. :cry:

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  2. Ich bin ja selber langjähriger (sofern man das als Mittdreißiger, der eigentlich immer den Sozis eine Stimme hat zukommen lassen) SPD-Wähler. Aber gerade Deine Argumantation, es dieses Jahr wieder zu tun, kann ich nicht nachvollziehen.
    Die Hartz IV-Protagonisten sind noch in Amt, Würden und Schattenkabinett (dazu gehört bekanntlich auch der Kanzlerkandidat).
    Für die Häme hat die SPD schon selber gesorgt: Alleine schon der der absurde Vorschalg aus der Hinterbank, eine Wahlpflicht (oder eine alternative Strafe von € 50,-) einzufuführen, ist nicht die Schuld der Journalisten.
    Es spricht nicht für eine SPD, von Peter Gauweiler links überholt zu werden. Im Gegensatz zu vielen SPD-Abgeordneten, die nach eigenem Bekunden keine Ahnung von den Ausmaßen der Online-Überwachung hatten und deswegen sicherheitshalber dafür gestimmt haben, hat Gauweiler dagegen gestimmt.
    Bildungspolitische Impulse? Leider keine, außer Hauptschulabschluss für alle. (Das ärgert mich am meisten.) Andrea Nahles als bildungspolitische Waffe einzusetzen, ist eine Kriegserklärung.

    Wenn ich eine Koalition mit der Möchtegern-Linken verhindern will, indem ich die SPD nicht wähle, ist das auch bezeichnend.

    Nein, unter dem Eindruck der Dienstwagen-Geschichte hätte ich mir gewünscht, daß jedem SPD-Minister der Dienstwagen geklaut wäre. Das hätte vielleicht einen Neuanfang ermöglicht, der für den September zu früh gekommen wäre. Aber er wäre konsequent gewesen.

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  3. JürgenHugo sagt:

    Damals, als die neuen Bundesländer noch “DDR” hießen – da war das mein klares Feindbild. Und die kommunistische SED 2x. Ich war ja einige Male “drüben” – mein Vater stammte daher.

    Und heute sehe ich mich gezwungen, die Nachfolger von denen – die Linke – zu wählen…

    Weil die Enttäuschung über unsere anderen Parteien noch größer ist, als damals der Hass auf die Kommunisten…Die SPD hat mich am meisten enttäuscht. Vollkommen egal, was irgendeiner von denen irgendwo erzählt – glauben werde ich nix mehr! :(

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  4. @Stadtneurotiker & Jürgen: Ich habe selbst wichtige Aspekte dafür genannt, weshalb mein Verhältnis zur SPD gestört ist. Es gibt weitere. Nur… fangt mal an, die Gegenpositionen aufzulisten oder besser vielleicht, die Punktabzüge für die anderen Parteien. Wo gibt es Stärken und Schwächen und auf welchen Feldern seid ihr kompatibel mit diesen alternativen Lösungen? Ich habe das probiert und komme zu keinem anderen Ergebnis. Die Grünen wären die einzig überhaupt Alternative für mich. Mal sehen, wie sich mein gedankliches Hin und Her über die restliche Zeit noch entwirren lässt.

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