Diagnose Krebs = Entlassung in der Firma?

Foto von Dieter Schütz @pixelio.de

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Was man so alles über die heutige Arbeitswelt liest und hört, beschäftigt sicher viele Leute. Ob es um das Handy geht, das ein Arbeiter mit dem Strom des Arbeitgebers aufgeladen hat und dafür fristlos gekündigt wurde oder ob es die bekannte Story von der Frau ist, die nach 30 Jahren dafür entlassen wurde, weil sie angeblich einen Pfandbon im Gegenwert von 1,30 Euro eingelöst (gestohlen) haben soll. Es sind Fälle, die man früher in dieser Häufigkeit und Dichte nicht gewahr wurde. Jedenfalls haben sie alle etwas Bedrückendes an sich. Vermutlich auch, weil man sich ohne weiteres vorstellen kann, dass einem solche Dinge auch selbst passieren könnten.

Heute trafen wir einen Bekannten, dem genau das passiert ist. Er ist 16 Jahre lang für ein Unternehmen tätig. Er erkrankte vor einiger Zeit an Krebs und hatte deshalb natürlich gerade in der Anfangszeit erhebliche Fehlzeiten. Er hat inzwischen einen Schwerbehindertenausweis und wird wegen seiner Erkrankung behandelt. Nach ein paar Monaten fühlte er sich so fit, dass er wieder arbeiten gehen wollte. Das klappte aber nicht und wurde er wieder krank geschrieben.

Sein Chef suchte das Gespräch mit ihm und machte ihm klar, dass er für die Firma untragbar sei. Man versuchte ihm eine lächerlich geringe Abfindung schmackhaft zu machen, die er ablehnte. Er schaltete einen Anwalt ein. Die Sache läuft immer noch und inzwischen hat sich das Amt für Integration von Behinderten eingeschaltet. Es ist völlig offen, wie der Fall enden wird. Mein Bekannter macht sich diesbezüglich keine Illusionen. Es kann dazu kommen, dass der Arbeitgeber mit der Entlassung durch kommt.

Wir können alle jederzeit in eine solche Lage geraten. Dabei ist es heute gar nicht so häufig, dass jemand 16 Jahre für ein Unternehmen arbeitet. Die Wechsel sind (vermutlich ist das statistisch sogar unterlegbar) heute häufiger. Das hat auch etwas mit dem Druck am Arbeitsmarkt zu tun und damit, dass viele Firmen mit Schwierigkeiten fertig werden müssen. Dass heute manchem Arbeitnehmer auffällt, dass ihm so etwas altmodisches wie Wertschätzung (der Leistung und/oder der eigenen Person gegenüber) kaum mehr entgegen gebracht wird, ist an sich schon schlimm genug. Was aber, wenn man schwer erkrankt und in dieser Situation auch noch den Stuhl vor die Tür gesetzt bekommt? Das will sich bestimmt niemand ausmalen.

Ich habe Verständnis dafür, dass ein Betrieb, je nach Größe, große Probleme bekommen kann, wenn bei einem niedrigen Personalstand ein Mitarbeiter schwer erkrankt. Dieser Ausfall lässt sich nicht so leicht ausgleichen. Aber allein der Versuch, einen langjährigen Mitarbeiter auf die beschriebene Weise einfach loszuwerden, ist in meinen Augen wirklich nur schäbig. Außerdem zeigt es eine Entwicklung auf, von der eine zersetzende Wirkung ausgeht. Es geht um die Verbundenheit mit den Unternehmen und um das, worauf die Unternehmen doch angeblich so viel Wert legen. Der Begriff heißt: Motivation!


Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    Könnte der denn wieder “normal” arbeiten? Hmm.

  2. blogZicke meint:

    warum sollte er nicht wieder normal arbeiten könne, wenn es ihm besser geht?! was ist denn normal?
    Ich kenne viele Menschen, die noch nie normal arbeiten konnten!
    Es gibt Menschen, die sind einfach Schlaftabletten und machen eben den selben Job eben etwas anders.

  3. Horst meint:

    Es ging darum, dass er es versucht hat und dann aber doch noch nicht arbeiten konnte. Die entstanden weiteren Fehlzeiten waren es wohl, die den Unternehmer zu seinem Entlassungsversuch führten. Wahrscheinlich konnte mein Bekannter bald wieder “normal” arbeiten. Das hängt aber davon ab, wie sich die Therapien bewähren. Im Moment sieht das eigentlich ganz gut aus.

  4. blogZicke meint:

    Ich finde in so einem Fall, sollte der Arbeitgeber auch eine vorübergehende andere Tätigkeit anbieten oder Teilzeit.

    Vielleicht hätte ihm ein Schwerbehindertenausweis geholfen, da ist zumindest ein besserer Kündigungsschutz vorhanden!

    Ich denke, größere Firmen sollten auf jeden Fall helfen, statt entlassen!!!

  5. Horst meint:

    Den Ausweis hat er ja. Deshalb ist auch das Integrationsamt eingeschaltet worden. Gutachten wird erstellt und s.w.

  6. JürgenHugo meint:

    So traurig das ist – dein Bekannter wird seinen Job verlieren. Er kann/sollte eben nur versuchen, finanziell so viel wie möglich rauszuholen.

    Selbst wenn letztlich für ihn entschieden wird – das Verhältnis is dann vergiftet. Und bei nächster Gelegenheit würde erneut gekündigt – und wenn er nur “falsch” grüßt…

  7. blogZicke meint:

    So traurig das ist – dein Bekannter wird seinen Job verlieren

    Das ist wohl leider die Regel, mehr Glück hätte er als Beamter oder Angestellter im öffentlichen Dienst.

  8. Horst meint:

    Wer hat schon das Glück, im Öffentlichen Dienst beschäftigt zu sein. Es gibt bestimmt auch noch ein paar Großbetriebe, bei denen so etwas nicht so leicht über die Bühne geht. Aber die werden auch weniger.

  9. blogZicke meint:

    Das Leben ist ein Glücksspiel, die einen haben Glück die anderen nicht.

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  1. Eben gebloggt: "Diagnose Krebs = Entlassung in der Firma? | QuerBlog" ( http://bit.ly/RBUQf )