Das 40. Jubiläum von “Woodstock” bietet auch jenen eine Plattform, die einem, wie es den Anschein hat, einfach keine Legenden, keine Helden mehr gönnen wollen. Zwanghaft stellen sie die wenigen Legenden und vor allem deren Protagonisten infrage. Es muss eine hohe Befriedigung damit verbunden sein, wenn man möglichst wenig von dem gelten lässt, was die 68-Generation in ihre persönliche und soziale Entwicklung übernommen hat.
Spiegel Online hat sich einen der Mitveranstalter Joel Rosenman für ein Interview ausgeguckt. Der weiß von Dingen zu berichten, die so gar nicht zu dem Bild passen, das ich mir zum Musikfestival der Superlative gemacht habe. So’n Scheiß aber auch.
Rosenman erzählt, er habe 11 Jahre lang gebraucht, um sich finanziell von den Folgen des Festivals zu erholen. Seinem Partner und ihm stand das Wasser bis zum Hals.
Hirnforscher haben ja längst herausgefunden, dass Erinnerungen lediglich ein Zusammenfügen subjektiver Eindrücke sind, die sich über die Jahre verändern. Deshalb unterscheidet sich die Erinnerung ja auch immer von dem, was wirklich geschah. (Quelle)
Ich glaube, ich weiß, was er meint. In der Rückbetrachtung verklären sich die meisten Dinge. Wenn man drüber nachdenkt ist das vielleicht nicht so unerklärlich. :boing:
Mich erinnern die Gedanken, die Rosenman positiv für Woodstock ins Feld führt, an den Polterabend, den meine Frau und ich 1976 mit unseren Freunden gefeiert haben. Es war einigermaßen chaotisch, was sich damals abspielte. Es kamen viel mehr Leute als wir erwartet hatten. Wir hatten zu wenig Brötchen, zu wenig Bier. Alles musste (noch am Abend) umorganisiert werden. Das war doch ziemlich kribbelig. Aber es hat funktioniert und heute, nach über 33 Jahren, erinnern wir uns (mit Freunden) noch gern an unseren Polterabend, der zumindest nach den Gesprächen, die wir darüber ab und zu noch mit Freunden und Bekannten führen, nicht nur für meine Frau und mich etwas ganz besonders gewesen ist . Nicht, dass ich Woodstock und unseren Polterabend vergleichen wollte :lache: , es ging nur um die Erinnerungen, die aus den unterschiedlichen Perspektiven schon interessante Ausprägungen haben.
Beim Woodstock-Festival waren wirklich viele! Eine vergleichbare Gästeliste (1/2 Million) haben Polterabende in der Regel wohl nicht zu bieten. Woodstock hatte Dimensionen, die auch nach heutigen Maßstäben kaum vorstellbar sind.
Man stelle sich vor, man wäre selbst für die Organisation einer solchen Veranstaltung voll verantwortlich. Man kriegt mit, welchen Ärger die Bauern machen, deren Land für das Festival unwillkommener Weise umgepflügt wird. Es werden Drogen konsumiert, von denen man vielleicht zum Teil nicht mal die Namen kannte. Und die Polizei hält auf all dies ein kritisches Auge.
Aber dann diese Musik. War sie so toll oder ist auch das Teil der Legende. Erst vor ein paar Tagen las ich, dass die wirklich großen Stars dieser Zeit in Woodstock gar nicht präsent gewesen wären. Das stimmt, wenn man etwa an die Stones oder die Beatles denkt. Dafür aber waren Leute wie Janis Joplin, Jimmy Hendrix, Johnny Winter, Charlos Santana,Richie Havens, Joan Baez, The Who, Crosby, Stills, Nash & Young, Blood, Sweat and Tears, Iron Butterfly, Joe Cocker und, nicht zu vergessen, Alvin Lee mit “Ten Years After”. Wenn ich “I’m going Home” höre, könnte ich auch heute noch ausrasten! Und die Liste der Künstler ist noch länger…
Aus der Sicht von Rosenman mag dieses Festival eine bittere Erfahrung gewesen sein. Seine Partner und er haben nach Woodstock lange miteinander gerichtliche Auseinandersetzungen geführt. Das bleibt hängen aber die Teilnehmer werden es wohl in ganz anderer Erinnerung haben. Jedenfalls bin ich davon persönlich absolut überzeugt.
Und plötzlich waren da Hunderttausende von jungen Menschen versammelt, deren Lebensgefühl und Sichtweise auf das, was in Amerika geschah, bis dahin von den Medien wie von der älteren Generation diskreditiert, ins Lächerliche gezogen, isoliert wurde. Wenn man in Woodstock auf der Bühne stand und über dieses endlose Feld junger Gleichgesinnter blickte, hatte man das Gefühl, die Welt vor sich versammelt zu haben. Unsere Welt, nicht die Welt unserer Eltern. (Quelle)
Sicher neigt man dazu, Geschehnisse der Vergangenheit auch zu glorifizieren, aber dieses Festival werde ich mir nie mies machen lassen. Wer Lust hat, kann hier noch einmal den kompletten Dokumentarfilm anschauen.









Da bin ich dann wohl tatsächlich zu jung, um den “Hype” um solche Festivals zu verstehen.
Aber eigentlich wollte ich nur kommentieren, um zu fragen ob Du was am Feed geändert hast. Dort steht nämlich im Google-Reader statt “Querblog” nur noch “undefinded” …
Eigentlich sollte es wieder gehen.