Immer dicht an Marmelade und Leberwurst
Man kann quasi die Uhr danach stellen. Kaum ist August, schon sind sie da. Und sie können einem den Aufenthalt im Freien, insbesondere bei der Essenseinnahme, ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen, mit ihrer penetranten Art echt vermiesen.
Gerade dann, wenn man schon einmal von einer gestochen wurde, wird man meistens nicht einfach still dasitzen, wenn sie, womöglich noch zu mehreren, die Idylle auf Terrasse oder Balkon stören. Am Anfang geht’s noch. Man bleibt noch einigermaßen ruhig und lässt sie gewähren. Die Biester haben auch so eine merkwürdige Art, sich an das Objekt ihrer Begierde anzunähern. Schon dieser (be)unruhige(nde) Flug, hin und her und her und hin, immer dicht an Marmelade oder Leberwurst signalisiert, bald es könnte gefährlich werden.
Ich neige selbst dazu, meine Tageszeitung, soweit sie in Griffweite ist, zur Waffe umzufunktionieren. Eben erst hatte ich ein Erfolgserlebnis. Ich habe eines dieser Viecher mit dem Messer getroffen.Voll erwischt. Den Rest besorgte mein Schuh. Ich gebe zu, ich hatte einen Moment lang ein schlechtes Gewissen. Bin eben kein Killer.
Ich hörte von meiner Frau, dass es auch viel subtilere Methoden zur Abwehr von Wespen gibt. Ich stehe nicht an, diese interessante Möglichkeit hier vorzustellen, wenngleich ich auch sehr skeptisch hinsichtlich ihrer angeblichen Wirkung bin.
Wir könnten, meinte sie, das uns eigene CO 2 für die Abwehr der Quälgeister verwenden. Wir hauchen oder pusten, je nach Temperament, die unwillkommenen Gäste an. Dabei kriegen sie eine ordentliche Portion CO2 mit. Der Theorie entsprechend, wären sie dann etwas benommen und man könnte sie aus dem Gefahrenbereich entfernen – oder sonst was mit ihnen anstellen.
Nun – ich kenne Menschen, die könnten alle Lebewesen mit einem Hauch ihres Atems benommen machen. Das war aber offenbar nicht gemeint.Auch andere machen sich Gedanken über die Plagegeister:
Medienblog
Supersonntag
Clatschblog
Künstlerische Aufarbeitung der Thematik
Ich bin eigentlich ein Anhänger einer Methode, die ein gewisses strategisches Moment innehat. Man positioniere vier Flaschen mit Himbeerspirup in die vier Ecken des gefährdeten Bereiches und Ruhe ist. Ich habe das als Kind in heißen Urlaubssommern (die es früher einmal gab) durchaus häufig erlebt und diese Methode hat wirklich gut funktioniert! Allerdings muss ich zugeben, dass das mit diesen vier Flaschen gekennzeichnete Areal ziemlich groß war. Für unseren Balkon ist diese Strategie ungeeignet. Meine Frau hat eine Alternative. Sie stellte mehrere Wassergläser bereit und stülpt den anfliegenden Störern diese einfach über. Nach einer gewissen Zeit (4-8 Stunden) sind die Biester mürbe und man kann sie einzeln über die Balkonbrüstung entsorgen.
Haben Wespen eigentlich auch irgendeinen Nutzen? Vermutlich doch. Sonst gäbe es sie ja nicht. Dieses Grundvertrauen in die Schöpfung habe ich jedenfalls noch nicht verloren.
Update: Okt 12, 2009

Horst Schulte
Eben gebloggt: "Immer dicht an Marmelade und Leberwurst" ( http://bit.ly/RbALX )
mace
Sehr schöner Artikel. Das mit dem Himbeersirup werde ich mal versuchen, wobei dies nur bei meinen Eltern funktionieren wird, da dort genug Platz ist.
Danke für den Link
Karsten
Den gleichen Nutzen wie alle anderen Arten, vermute ich mal: Sie sind da. Das nützt vor allem erst mal ihnen selbst. :)
Horst
@Karsten: Wie philosophisch.
Manchmal kommt einem aber doch der Gedanke, dass man ohne die eine oder andere Spezies vielleicht besser dran wäre. Oder?
Horst
@Mace: Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Ja probiere das mal aus. War nicht gelogen. Ich fand, der Effekt war verblüffend.
Siegfried
Wespen sind recht ungefährlich. Am einfachsten entgeht man ihrer penetranten Futtersuche, indem man ihnen etwas abseits was hinstellt. Angefaultes Obst oder angegammeltes Fleisch, das unsereiner sowieso nicht mehr isst, und die Wespen nehmen gerne damit Vorlieb. Und wenn sie einem doch zu nahe kommen, schiebt man sie mit einer ruhigen Handbewegung weg.
Wespen haben durchaus ihren Nutzen. Sie vertilgen andere Insekten. Auch und gerne Fluginsekten. Also etwa Fliegen und Mücken. Wir haben hier nicht all zu weit weg ein Wespennest. Und auch ein Hornissennest. Und gelegentlich Wespen oder Hornissen im Garten. Aber ich habe in unserem Garten diese Jahr noch keine einzige Mücke erlebt.
JürgenHugo
Ich hab ne schöne Fliegenpatsche. Oder ich nehm meinen Pantoffel. Auf´m Balkon sitz ich nie. Da müßt ich erstmal aufräumen und etwas reparieren (den Sichtschutz). Da bräucht ich aber einen Helfer – allein komm ich da nicht ran. Das muß man zu zweit machen. Und Befestigungsmaterial bräucht ich. Und dann hab ich schon “gaakeine” Lust mehr… :schade:
Mir wär viel lieber kein Balkon und das Zimmer ´n Stück gößer. Ich wohn im ersten Stock, und man guckt gleich auf die Straße. Is zwar ne ruhige Nebenstraße, passt mir aber trotzdem nich.
So – und jetzt hol ich die Fliegenpatsche. Die Biester nerven mich jetzt! :helm: :helm:
blogZicke
ich hätte lieber einen schönen großen Balkon! Natürlich nach hinten raus
ulrike
Hallo!
Ein kleiner Teller mit einem Löffel Marmelade tut es auch.
Allerdings ist der Einzugsbereich sehr klein.
Horst
Die Löffel sollten aber schon einen gewissen Abstand zur eigenen Sitzposition haben. Sonst ist es wieder ungemütlich.