Managergehälter: Empörung scheint Ehrensache

Würde es auch nur einem Hartz IV-Empfänger besser gehen oder einem Arbeitnehmer die Angst vor einem möglichen Jobverlust und den hieraus resultierenden Folgen genommen, wenn der ehemalige Arcandor Vorstandschef Karl-Gerhard Eick die 10 Millionen (5 hat er ja schon “abgegeben”) nicht erhielte? Man könnte es glauben, wenn man die heutige Diskussion bei Anne Will verfolgt hat. Der Mann war Hauptgesprächsthema und dabei nicht einmal anwesend.

Vielleicht kann man es obszön nennen, dass Vorstände Millionenbeträge an Abfindungen erhalten, während “einfache” Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihren Entlassungen in die Röhre schauen. Eick verwandte, als er nach dem Grund für die hohe Abfindung nach nur 6 Monaten Dienstzeit gefragt wurde, die Erklärung, er müsse sich absichern. Der Wunsch nach Absicherung ist menschlich. Fragt sich nur, weshalb die Arbeitgeber diesen in Form des Kündigungsschutzgesetzes ihren Arbeitnehmern nicht zugestehen möchten.

Natürlich kennen wir die Antwort: Die vorhandenen Reglementierungen (typisch deutsche sind es angeblich immer) gefährden und verhindern Arbeitsplätze. So, wie es auch der Mindestlohn täte, gäbe es ihn flächendeckend. Alles Humbug.

Empörung ist Ehrensache

Ist es nicht auffällig, dass jeder, der danach gefragt wird, die Empörung über die Abfindungshöhe für den armen Herrn Eick, der nun wirklich nicht für die Situation von Arcandor verantwortlich zu machen ist, zum Ausdruck gebracht wird? Selbst die FDP schließt sich an und zwar in Person von Otto Fricke, dem wirtschaftspolitischen Fachmann der Partei.

Wir sollten es vernünftigerweise den Unternehmen und vorgesehenen Gremien überlassen, die Gehälter und evtl. Abfindungen festzulegen und deren Höhe zu beurteilen. Es führt zu nichts, wenn sich die Politik in eine solche Entscheidung einmischt. Am Ende kann man von ihr auch keine sachgerechte, effektive Beurteilung erwarten. Die Rahmenbedingungen sollen gesetzt werden (so heißt es ja auch in anderen Fragen gern) aber die konkrete Ausgestaltung von Verträgen haben auch künftig den Unternehmen zu obliegen. Wichtig ist auf der anderen Seite, dass die Dinge, die der Staat regeln kann (steuerliche Abzugsfähigkeit) im Sinne der Allgemeinheit geregelt werden. Das Stichwort “Nachhaltigkeit” ist immer ein Thema und es wäre richtig, die allfälligen Boni erst dann an Manager auszuzahlen, wenn sich diese Nachhaltigkeit erwiesen hat.

Kommentare

  1. Ich bewundere Dich, daß Dur dir diese Polit-Talkshows immer noch anschaust. Neue Erkenntnisse dürften Sie dir nicht bringen.

  2. JürgenHugo meint:

    Na – “nur” noch 10 Mio. nach 6 Monaten is aber ´n bißchen arg “abgesichert” – oder findest du das nich? :aufgeregt: Selbst wenn er nichts für die Situation kann…

  3. Horst meint:

    @Jürgen: Ich hätte die 10 Mio. genommen und würde mir über die üble Nachrede keine Gedanken machen. Das ist schließlich eine Neidgesellschaft.

    @Ben: Ja, ich bin ein Fan von Anne Will, Sabine Christiansen und Maybrit Illner. Allein, wenn sie die Beine übereinander schlagen. Whow.

  4. JürgenHugo meint:

    Na – wenn der liebe Horst schon “Whow” sagt – dann muß das ja doll sein. Jetzt werde ich mal OT-mäßig auch was nich ganz ernstes rauslassen. Ich hab irgendwann im letztem Jahr im Computer-Bild Forum mal einen Kommentar geschrieben – is schon ewig her. Ich geh da nich mehr hin, weil da soviel “Dummbolde” unterwegs sind. Bei neuen Kommentaren kommt aber noch ne Mail – bin zu faul zum Abbestellen – kommen aber auch nich mehr viel. Aber heute: ein Meistewerk der geschliffenen Formulierung – Original O-Text, aus der Mail hier reinkopiert. Lies es mal…
     
    Also ich benutze weiterhin Googel was wollen die machen ich schütze mich vor denen
    ich benutze allerdings immer öfter die Beta von Microsofts neuer Suchmaschiene Bing.

    Googel Chrome ist ein schneller und sicherer Browser für Angriffe außen, aber der IE oder Firefox
    so wie Opera sind da sicherer und außer IE schickt ohne abschalten infos, aber nicht korrekte
    wie GOC (GO = Googel / C = Chrome).

    Nutzen werde ich GOC nicht, aber es gibt auch schlimmere Internet Browser …
    (Da hat mal einer versucht nen Browser ohne Verlauf , Favoriten , Vor Zurück Botton , Aktualisieren gemacht Startseite war auch nicht einstellbar so wie Ansicht und Größe … das war ein bissle hart/ wer es nicht glaubt kann mich fragen ich weiß wo der Download verfügbar ist…Aber seit gewarnt außer schnellen Seitenaufbau und ein paar extras wie Integrierten Player kann es nix und das Design ist auch nicht toll)

    Tja, da staunst du – ich auch… :hilfe:

     

  5. blogZicke meint:

    also für die kurze Zeit hat dieser Manager noch viel zu wenig bekommen! Die sollten ruhig noch 10 drauflegen.

  6. Horst meint:

    @Susanne: Richtig. 100 wären wohl angemessen gewesen. Der durfte schließlich nur 1/2 Jahr ran.

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