Anstatt der Bundeswehr, die bei einem Luftangriff über 50 Taliban tötete, zu gratulieren, steht das Gerücht ziviler Opfer im Mittelpunkt der Berichterstattung. Staatsanwälte, die sich aufspielen möchten, fabulieren von Ermittlungsverfahren gegen Bundeswehrsoldaten. Taliban, die nicht wie Zivilisten herumlaufen, hat aber auch noch niemand zu Gesicht bekommen. In einem Krieg (oder wie auch immer der neueste Euphemismus lautet, den Mitglieder der Bundesregierung einsetzen) gegen nicht uniformierte Terroristen sind zivile Opfer tragisch, aber unvermeidbar. In Deutschland sind nicht die jedes Kriegsrecht verletzenden Taliban die Täter, sondern – mutmaßlich – unsere Soldaten.
Quelle: Afghanistan den Taliban « Joachim Nikolaus Steinhöfel – BLOG | Link
Das ist eine Sichtweise, die im Zusammenhang mit den Folgen des anderswo “Tragödie” genannten Bombardements von zwei Tanklastwagen, die mir bisher noch nicht untergekommen war.
Nachdem ich kurz geschluckt habe, frage ich mich allerdings, ob sie, zumindest in ihrer mich abstoßenden Konsistenz, nicht die Überzeugendste ist. Die anderen Kommentatoren (auch ich) schwanken unentschieden zwischen grundsätzlicher Ablehnung und bedauerndem Wetteifern um Haltung und Definitionen hin und her.
Im Vorfeld unserer diversen militärischen Engagements gab es vor Jahren schon hämische Begleitmusik, deren Thema die schlechte Ausrüstung und Eignung unserer Bundeswehr war. Wenn man General Kujats Einlassungen dazu in Plasbergs letzter Sendung hörte, bestätigten diese die Vorbehalte, auch wenn sie wenig Präzise blieben. Er war zur Zeit der höchste Offizier der Bundeswehr und wird das gut beurteilen können.
Jetzt ist etwas passiert, was die Politik natürlich gern vermeiden wollte. Auch kein Bundesbürger wird den Tot von Zivilisten in Afghanistan gewollt haben. Nach den Jahren, die die Bundeswehr bereits in Afghanistan präsent ist, wundert es einen doch, dass es bisher noch nicht zu solchen Zwischenfällen gekommen ist. Wir wissen, dass die Bundeswehr sich im lange Zeit ruhigen Norden Afghanistans eingerichtet hatte und haben das vermutlich mit einiger Beruhigung und wohlwollend zur Kenntnis genommen.
Aber damit war es längst vorbei. Die Grundausrichtung der Bundeswehr ist seither “defensiv”, wie wir im Zusammenhang der aktuellen Diskussionen spätestens gelernt haben.
Unser Land hat auch eine Verantwortung gegenüber unseren Soldaten in Afghanistan, nicht nur für die getöteten Zivilisten. Oberst Klein hat einen Befehl gegeben, von dem er glaubte, das Richtige getan zu haben. Es wird ihm nachgesagt, er sei ein besonnener und ruhiger Mann. Bei allen Vorbehalten gegen diesen Krieg: Ich finde, dass kein Soldat, der für uns im Ausland diesen gefährlichen Dienst tut, vor ein Gericht gestellt werden darf, weil er seiner Verantwortung als Offizier nachgekommen ist. Die momentane Diskussionslage in Deutschland ist für mich in dieser Beziehung völlig unverständlich, und ich kann nur hoffen, dass sich diese Sache anders darstellt, wenn der Wahlkampf am 27.9. beendet sein wird. Außerdem wäre es wirklich toll, wenn man die offiziellen Untersuchungsergebnisse, die noch nicht vorliegen, einmal abwarten würde.
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