Bei Julia hab ich da was gelesen, was ich euch nicht vorenthalten kann.Es wird vielleicht gerade diejenigen unter uns erschüttern (und das sollen ja nicht so wenige sein), die in Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt einen Mann mit großer Um- und Weitsicht sehen:
Bundeskanzler Helmut Schmidt erwägt, den Streit um private Fernsehprogramme zum Wahlkampfthema 1980 zu machen. Die geplante Verkabelung von Städten ist vorerst gestoppt; um die Bürger vor den schädlichen Einflüssen einer Reizüberflutung zu schützen, wollen die Sozialdemokraten notfalls das Grundgesetz ändern. So hatten die Minister ihren Kanzler seit langem nicht erlebt. Lebhaft und mit großem Engagement beteiligte sieh Helmut Schmidt, bei Grundsatzdebatten sonst gerne kurz angebunden, vorigen Mittwoch an einer vierstündigen Kabinettsdiskussion über Möglichkeiten und Risiken des kommerziellen Fernsehens. Um an seinem Standpunkt ja keinen Zweifel aufkommen zu lassen, zog der Regierungschef einen gewagten Vergleich: “Wir dürfen nicht in Gefahren hineintaumeln, die akuter und gefährlicher sind als die Kernenergie.” Würden die Bürger mit privaten Kabel- oder Satellitenprogrammen überflutet, dann könnte dies, so Schmidt, “die Strukturen der demokratischen Gesellschaft verändern”.
Quelle: Artikel – Artikel – SPIEGEL WISSEN – Lexikon, Wikipedia und SPIEGEL-Archiv | Link
Ist doch wirklich unglaublich – oder? Das Privatfernsehen ist weit gefährlicher als die Kernenergie. Und jetzt? Jetzt haben wir beides.
Schade, dass man nicht messen kann, welchen Anteil, sagen wir an den Pisa-Ergebnissen beispielsweise, das Privatfernsehen hat.









Wenn man keine Ahnung hat, soll man die Klappe halten. Damit wäre erwiesen, dass das auch für Helmut Schmidt gilt. Solches unfassbar “Dummes Zeuch” erinnert irgendwie an die Leute, die vor der Eisenbahn gewarnt hatten, weil Geschwindigkeiten von über 30km/h vom menschlichen Körper gar nicht zu verkraften wären…
Ich kann ja gut verstehen, dass jetzt die Zeit der Liberalen ist und dass man alle sich bietenden Gelegenheiten nutzen will, der SPD und seinem Personal den “endgültigen” Todesstoß zu versetzen. Man (also ich) müsste mal suchen, ob denn nicht auch hier und da ein aus heutiger Sicht ziemlich doofer Spruch eines Liberalen zu finden ist. Ich habe da die eine oder andere Person im Auge….
Aber es ist schon unglaublich, was sich manche Leute einfallen lassen, um Zukunftsängste zu schüren. Vielleicht war Schmidt aber auch wirklich überzeugt von dem, was er damals gesagt hat. Immerhin können die politischen Parteien über die bei den ÖR-Sendern bestehenden Gremien bei den Privaten sehr viel weniger und vor allem schwerer Einfluss nehmen. Auf der anderen Seite muss ich schon fragen, was machen die Privaten mit diesen Möglichkeiten? In meiner Wahrnehmung null Komma nix. Dafür wird geballert was das Zeug hält. Ich kann drauf verzichten. Von (m)einer Soup jetzt mal abgesehen. :shit:
“Man (also ich) müsste mal suchen, ob denn nicht auch hier und da ein aus heutiger Sicht ziemlich doofer Spruch eines Liberalen zu finden ist.”
Nur zu, Dummheit und deren Anprangerung sind bei mir nicht von Parteizugehörigkeiten abhängig. Wie mans aber auch dreht und wendet, wäre eine Argumentation nach dem Muster, die Menschen müssten vor sich selbst und dem bösen freien Medienmarkt geschützt werden, auch dann nicht liberal, wenn der oder diejenige ein FDP-Mitglied wäre.
“was machen die Privaten mit diesen Möglichkeiten?”
Ich persönlich finde, dass das Fernsehen besser geworden ist mit den Privaten. Nicht durchgängig und auch nicht auf allen Kanälen (hat jawohl auch niemand erwartet) aber in der Spitze auf jeden Fall. Mehr Vielfalt ist ja schon ein Wert für sich, meine ich.
Interessant ist aber die hypothetische Frage, wie Politik auf das ja noch viel vielfältigere Internet reagieren würde, wenn eine an drei Fernsehsender gewöhnte Bevölkerung damit konfrontiert worden wäre… vermutlich hätte irgendeine Behörde erstmal 10-15 Jahre geprüft, ob das überhaupt klar geht.
Huh, hallo erstmal! Ich habe mir bei dem Artikel auch an den Kopf gefasst, aber wie schon gesagt, war das “damals” vielleicht nicht so weit hergeholt. Vielleicht schüttelt man in 20 oder 30 Jahren auch den Kopf über heutige Einstellungen zu Egoshootern.
Beim Privatfernsehen muss ich sagen, dass es Vor- und Nachteile gibt. Einerseits wurde und wird natürlich das Angebot erhöht und damit eine größere Vielfalt geboten (z.B. für mehr Zielgruppen), andererseits aber eben auch die Kommerzialisierung, worunter oft die Qualität leidet. Doch zum Glück kann ich als Zuschauer entscheiden, was ich mir ansehe und wenn wie leider so häufig überhaupt nichts kommt, kann ich immer noch DVD gucken.
Danke, dass du mir damit die Sucherei erspart hast
Vielfalt im Sinne von “Masse statt Klasse” verstehe ich nicht als Bereicherung. Aber geschenkt. Der eine oder andere Spielfilm ist schon ok.
Die Politik versucht ja, auf das Internet zu reagieren und der FDP sei Dank wird das jetzt zunächst mal etwas anders aussehen als sich die Konservativen das vorgestellt hatten. Aber ich glaube auch nicht, dass dies das Ende der Bemühungen wäre, das Internet unter Kontrolle zu kriegen. Ich kann und will mir aber nicht vorstellen, dass dies “gelingen” kann. Auf der anderen Seite sehe ich mit Unbehagen, dass Kinder und Jugendliche zu diesem Medium unbegrenzten Zugang haben. Das wäre eine dringliche Aufgabe für deren Eltern, die aber nehmen sie nicht wahr. Damit bieten sich auch für die Politik Zugriffsmöglichkeiten, die nicht in unserem Sinne sind. Aber den Konflikt gibt es. Insofern bleibt die Diskussion auch spannend.
Also gerade bei Spielfilmen und Serien gibts doch ne ganze Menge “Masse mit Klasse”, die wir ohne die vielen Privatsender seltener oder später zu sehen bekommen würden, als es so der Fall ist. Wenn der Preis dafür jede Menge Trash ist, bin ich bereit den zu zahlen, denn die Kiste kann ja auch mal ausbleiben. Es findet jedenfalls kein “Masse statt Klasse” statt, weil mehr ja nicht bedeutet, dass Gutes damit seltener wird. Quantitativ dürften gute Sendungen heute nicht weniger geworden sein, als vor “Erfindung” des freien Fernsehens.
Deine Einschätzung zum Internet teile ich ja vollständig. Ich glaube trotzdem, dass der Effekt wesentlich stärker wäre, hätte es in der Bevölkerung (und unter Politikern) nicht bereits erste Erfahrungen mit multimedialen Inhalten in etwas breiterer, als durch drei Sender kanalisierter Form.
In 20 Jahren wird auch Schröder als weiser alter Mann gelten…
@JuliaL49: Willkommen im Querblog.
Das Beispiel mit den Egoshootern ist bestimmt ein gutes. Mit der Entscheidungsfreiheit bezüglich der Privatsender hast du natürlich recht, und man sollte sich (also Politiker und auch sonst) davor hüten, sich in diese Entscheidungsfreiheit einzumischen. Ich bin persönlich nicht unbedingt ein Konsument der Privaten. Vielleicht ist das auch altersbedingt. Obwohl – Volksmusik mag ich überhaupt nicht. Scherz beiseite: Mich spricht insgesamt das Niveau der ÖR-Sender doch mehr an. Ich hoffe, dass klingt nicht komisch. Nachrichten sehe ich mir prinzipiell nur bei ARD und ZDF an. Die anderen Sender bringen in meinen Augen einfach keine Nachrichten. Man muss dazu zum Spaß mal die Reihenfolge der Meldungen vergleichen und -natürlich- vor allem die inhaltlichen Aussagen. Das ist zum Teil wirklich richtig üble Sensationsmache.
Ja, doch. Aber viele der Filme, die dort laufen habe ich auch schon im Kino oder auf DVD gesehen… Ich kann dir keine empirischen Daten dafür liefern, ob und wie sich die Qualität verschlechtert hat. Vielleicht hat meine Bewertung einfach mit dem Überangebot zu tun. Kann sein. Zum Glück gibts ja die Wahlfreiheit. Ich sitze eben gern vorn
Ich fürchte, da könntest du richtig liegen. Schauderhafter Gedanke.