Meine Meinung habe ich schon gesagt. Weil es aber aufgrund des nun vorliegenden Nato-Berichtes allenthalben wieder hochpoppt, will ich noch einmal Stellung nehmen, weil es mir ein dringendes Bedürfnis ist.
Ich finde nicht, dass der Soldat Oberst Klein aufgrund des Vorfalles in Afghanistan vor ein Gericht gehört! Für mich ist entscheidend, dass die Lage, die zur Entscheidung Kleins geführt hat, von einem anderen Menschen wohl kaum nachvollzogen werden kann. Wie hätte man selbst in einer solchen absoluten Stresssituation gehandelt, und darf man einen Offizier dafür bestrafen, wenn er in solchen Momenten Entscheidungen fällt, die Menschenleben kosten? Wie würde sich deine Bestrafung auf die Einsatzfähigkeit oder Durchschlagskraft der Bundeswehrsoldaten überhaupt auswirken?
Verfügen Zivilrichter über die Kompetenz, die für diese schwierige Beurteilung nötig wäre? Sie sitzen (ich meine das nicht so böse, wie es klingt) in ihren Amtszimmern oder Gerichtssälen sitzt und haben mit Krieg nie etwas zu tun habe. Wie will man nachvollziehen, welche Entscheidung man im Falle selbst betroffen hätte? Ist diese Nachvollziehbarkeit aber nicht ein entscheidendes Kriterium, wenn man darüber entscheiden soll, ob die Entscheidung richtig oder falsch gewesen ist? Die persönliche Beurteilung ist es aber doch, die am Ende zu einem Urteil führt. Dass Klein nicht den Einsatzregeln entsprechend gehandelt hat, ist bekannt. Auch, dass er die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt hat. Aber was bedeutet das eigentlich? Kann ein Gericht das wirklich klären? Mich stört gewaltig, dass es den Medien bisher nicht gelingt, die tatsächliche Zahl der Toten im Gebiet von Kundus zu ermitteln. Nach offiziellen Quellen liegt die Opferzahl (auch heute noch) zwischen 17 und 142 Menschen. Wie kann man unter solchen Voraussetzungen von Unverhältnismäßigkeit sprechen. Nicht, dass wir uns missverstehen, jeder unschuldig zu Tode gekommene Mensch ist zu beklagen. Aber wie will man unter solchen Voraussetzungen überhaupt zu einer angemessenen Beurteilung kommen?
Was machen die Soldaten, die für uns ihren Arsch in Afghanistan und anderen Kriegsregionen dieser Erde hinhalten, wenn ihnen Karlsruhe ihnen via Urteil sagt, was sie wann und wie zu tun haben?
Wir haben Klein und viele andere Menschen in diesen Krieg geschickt. Ich war nicht dafür aber auch nicht klar dagegen. Mir war es, wenn ich ehrlich bin, im Grunde scheißegal! Dabei, und das passt ja auch ins Bild und zu vielen Deutschen, wäre es mir am liebsten, alles würde gut – für die Menschen in Afghanistan.
Dort, und das wollen wir bitte nicht vergessen, wird seit Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ständig Krieg geführt. Wir haben uns eingebildet (auch Dank der Lügen von Herrn Bush), dass wir uns einmischen müssen und die Menschen retten können. Dabei bedarf es schon mehr, als eines frommen Wunsches, wenn man dieses heere Ziel erreichen will: Man muss Krieg führen und diesen Krieg auch gewinnen (wollen). Oder man zieht sich zurück und lebt mit der “Schande”. Denn die wäre mit dem Rückzug wohl auch verbunden. Aber auch das ist den meisten Deutschen schnurzpiepe.
Foto von Jerzy @ Pixelio.de
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4 Antworten : “Oberst Klein hat getötet – im Krieg”














Wenn die schon da “rumfuhrwerken” in Afghanistan, dann gibts nur eins: bei Gefahr wird geschossen. Mit allem was da ist! Hoffentlich bleibt der Guttenberg hart hinter dem Oberst stehen. Das die Befehlswege nicht genau eingehalten wurden – dafür ist der Vorgesetzte des Oberst zuständig. Das wird ja dann wohl ein General sein.
“Bei all ihrer Entschlußkraft muß ich sie für die genaue Durchführung rügen. Aber ich weiß auch, das man in solchen Situationen manchmal Entscheidungen treffen muß.” So – oder ähnlich – da könnte und würde der Oberst sicher mit leben können. Er ist ja auch Vorgesetzter. Ein Offizier in einem solch ziemlich hohen Rang darf sich nicht bei jedem Befehl fragen müssen, ob ihm Gefängnis droht. Auch nicht, wenn der Menschenleben kostet. Einer muß das befehlen, sowas kann man nicht ausknobeln.
Und wenn der Befehl im Prinzip aus seiner Sicht (und wohl nicht nur seiner) richtig war, dann muß der Minister bedingungslos dahinterstehen! Und Kritik nur im kleinen Kreis.
Genauso sehe ich das auch.
Wer das nicht will, dass Fehler im Einsatz passieren, muss dafür sorgen, dass es keinen Einsatz gibt.
Soviel zum Bundestag!
Ja Martin. So kann man das sehen. Aber ich persönlich finde schon, dass das zu einfach ist. Sich einfach rauszuhalten hätte im Fall Afghanistan bedeutet, dass wir es 2001 einfach hätten besser wissen sollen. Aber wer kann das schon von sich sagen. Heute einfach davon zu rennen dürfte den Menschen dort nicht sehr weiterhelfen. Oder meinst du nicht?