Weihnachten in 2010 fällt quasi aus

Foto von BirgitH @ Pixelio.de

In diesem Jahr fällt Heiligabend auf einen Donnerstag. Der zweite Weihnachtstag ist also ein Samstag. Im nächsten Jahr fällt Weihnachten seit langem mal wieder arg arbeitgeberfreundlich aus. Heiligabend ist freitags. Montags geht’s dann normal weiter – außer für die, die ohnehin Urlaub nehmen. Die vielen Leute, die samstags normalerweise arbeiten müssen, werden sich freuen. Für sie fällt das Fest mal günstiger als sonst. Sie haben (vielleicht) mal drei Tage hintereinander frei. Ärzte und Krankenschwestern und Menschen, die aus ein paar anderen Dienstleistungsberufe kommen, können von solchen “Privilegien” ja oft nur träumen.

Obwohl ich selbst vom Wahnsinn immer neuer und voneinander völlig abweichender Öffnungszeiten selten selbst betroffen bin, stören mich die Versuche mancher Firmen und Lobbyisten, weiter an den Ladenöffnungszeiten herumzuschrauben. Ich empfinde die heute üblichen unterschiedlichen Öffnungszeiten nicht als Bereicherung, sondern als Nachteil. Aber ich weiß auch, dass ich damit ziemlich alleine stehe. Jedenfalls geben “die anderen” keine Ruhe, bis alles frei ist. Jeder kann tun und lassen, was er will. Wahre Freiheit wird wohl auch so buchstabiert – nur nicht bei der FDP!

Es reicht nicht aus, wenn manche Geschäfte bis 22:00 Uhr geöffnet sind – selbst an Samstagen. Dass diese “Freiheit” vieler Leuten mit massiven Eingriffen in die Freizeit anderer Menschen “erkauft” worden ist, interessiert im Prinzip offenbar keinen. Ich hab’ mir angesehen, was selbst am späten Abend in Verbrauchermärkten noch ab geht (auch auf dem Land). Es muss wohl ein dringendes Bedürfnis sein, seinen eigenen Arsch erst nach der Sportschau am Samstagabend in den Supermarkt zu bewegen, um dann den Einkauf für die nächste Woche zu machen. Die Einkaufskörbe sind in vielen Fällen jedenfalls pickepackevoll. Ich finde das, im Gegensatz zu meiner Frau, die selbst im Einzelhandel arbeitet und das gelassener sieht, einfach nur doof. Aber bitte, ich finde mich schon damit ab, dass die Mehrheit der Deutschen sich den im Ausland abgeguckten fortschrittlichen und vor allem ja ach so kundenfreundlichen Öffnungszeiten unbedingt anpassen musste. So rückständig will ja keiner sein, nicht wahr?

Aber dieser ganze Zinnober geht vielen, wie gesagt, nicht weit genug. Es gibt in dieser Region drei so genannte verkaufsoffene Sonntage im Jahr. In Köln sollte partout noch ein vierter Konsumsonntag (der direkt nach Weihnachten) angehängt werden. Im Kölner Stadtrat waren die Parteien allerdings der Meinung, dass dieser vierte verkaufsoffene Sonntag abzulehnen ist. Für die CDU ist es ein Beitrag zur Familienförderung. SPD, Grüne und Linke haben die bestehenden strengeren Regeln verteidigt. Sie sind der Meinung, dass die Entscheidung dem sozialen Frieden in der Stadt gut täte. Es darf geraten werden, wer die Position der Wirtschaft übernommen hat und den verkaufsoffenen Sonntag befürwortet hat: Die Lobbypartei FDP.

Die Funktionäre des Einzelhandelsverbandes (Aachen, Düren, Köln) jammerten, dass sich die Konkurrenz im Umland ins Fäustchen lache. Vielleicht meinen die das benachbarte Ausland. In Holland und Belgien haben die Geschäfte vielleicht auf? Aber vielleicht denken sie auch an andere Bundesländer. Im Erftkreis und im Kreis Düren wird das mit dem Lachen jedenfalls wohl eher nichts. Hier (in den Regionen rund um Köln) findet der ebenfalls von den Interessengemeinschaften des Einzelhandels beantragte 4. verkaufsoffene Samstag nicht statt. Ich finde das gut!

Foto von BirgitH @ Pixelio.de

Kommentare

  1. LexX Noel meint:

    Das Wochenende ist zum erholen von der Woche da, nicht zum Arbeiten. Der Sonntag sollte der einzigste Tag bleiben wo man sich erholen kann als arbeitender Mensch im Berufsleben.

    Mo bis Freitag, Samstag nur den halben Tag noch und Sonntag gar nichts mit offenen Geschäften.

  2. JürgenHugo meint:

    Bei uns um die Ecke is die Bäckerei auch am Sonntag ziemlich lange auf. Ich geh aber aus Faulheit nich hin.

  3. eule70 meint:

    Ich schreibe Dir diesen Kommentar nur, um mal zu probieren, ob meine Kommentare bei Dir angenommen werden; in letzter Zeit ind da nämlich öfter Fehler passiert. Du hast sicher Verständnis dafür.

  4. blogZicke meint:

    @LexX Noel:
    äh, sicher war das früher sehr schön. aber Pflegepersonal, Polizei und Feuerwehr und viele andere haben auch nicht immer SA und So frei. Man sollte da schon flexibel sein.

  5. ap meint:

    @eule70: Das hat geklappt. Schade, dass du dich nicht kurz gemeldet hast. Ich hätte den ganzen Blog auf den Kopf gestellt. Aber nun scheint es doch zu gehen. Bis bald. :hammer:

  6. Jan meint:

    Solange Tankstellen ganz selbstverständlich auch an Wochenenden öffnen dürfen ist es doch der blanke Hohn, wenn mans richtigen Supermärkten willkürlich verbietet.

    Im übrigen könntest du dich ruhig entscheiden, ob freie Öffnungszeiten nun im Sinne “der Wirtschaft” oder derjenigen sind, die unter Umständen zu den früher gesetzlich erlaubten Öffnungszeiten zufällig arbeiten mussten und regelmäßig Schwierigkeiten hatten, vernünftig und ohne Hast einkaufen zu können. Ich denke nicht, dass der Großteil der Ladenbesitzer so begeistert von freieren Öffnungszeiten ist, denn es bedeutet für ihn einen nicht unerheblichen Aufwand, sich diesen freieren Regeln zu stellen und viele Läden machen da ja auch einfach nicht mit.

    Bei uns gibt es übrigens lediglich einen einzigen Supermarkt, der täglich bis 22 Uhr geöffnet hat – alle anderen schließen spätestens um 20 Uhr. Ich gehe meistens recht spät einkaufen, weil dann kaum etwas los ist – deine Beobachtungen kann ich jedenfalls von hier überhaupt nicht bestätigen.

  7. ap meint:

    @Jan: Das Argument mit den Tankstellen verstehe ich nicht. Krankenhäuser haben auf, Haus- und Fachärzte aber nicht. Es gibt “nur” einen Notdienst. Wie ungerecht. 8)

    Bei uns gibt es einen real,- Markt, der bis 22:00 Uhr geöffnet hat. Da geht der Punk ab. Bei anderen sind die Öffnungszeiten aufgrund dieses “Vorbildes” teilweise ähnlich. Dort ist allerdings weniger los. Die Ressourcen werden vorbehalten. Das passiert mit Leuten, die sich nicht in (aus meiner Sicht) ordentlichen Arbeitsverhältnissen befinden. Mit anderen Worten: Die tolle von der FDP initiierte neue Welt der offenen Läden hat mit dazu beigetragen, dass man länger und entspannter einkaufen kann. Dass dafür fast nur noch Aushilfen in den Geschäften ansprechbar sind (wenn überhaupt) ist die andere Seite dieser glänzenden Medaille. Diese Errungenschaft hat die Sozialkassen schwer belastet, nur dass darüber kaum jemand spricht. Normale Arbeitsplätze werden in diesen eigentlich serviceintensiven Bereichen nicht entstehen, weil die Kosten nicht reingeholt werden. Das muss man nicht unbedingt sinnvoll finden. Im übrigen habe ich ja gesagt, dass ich mir meiner Minderheitenmeinung durchaus bewusst bin.

  8. Jan meint:

    @ap: Das Krankenhausbeispiel habe ich mir bewusst gespart, weil auf dem Gebiet sowieso keine Marktwirtschaft existiert und mans darum nur begrenzt vergleichen kann. Das heisst natürlich nicht, dass es nicht trotzdem Notfälle geben kann, in denen Fachärzte für das Wohl des Patienten besser wären. Spricht aber auch nicht so richtig dafür, dass es sinnvoll ist, die ganze Welt an Sonn- und Feiertagen zwangsweise auf Sparflamme zu fahren, finde ich.

    Ich bezweifle, dass die Schwämme an Aushilfen und schlecht ausgebildeten Verkäufern einzig mit Ladenöffnungszeiten zusammenhängt. Entscheidender ist meiner Meinung nach, dass kein Mensch z.B. bei Aldi bereit ist für qualifizierte Angestellte höhere Preise zu bezahlen. Hinzu kommt: In Zeiten, in denen kein Mensch seine Bücher in einer Buchhandlung kauft, sondern online ohne jede Beratung, sind qualifizierte Verkäufer wohl einfach weniger notwendig geworden als früher, ausserdem gibts wesentlich mehr Möglichkeiten sich selbstständig zu informieren und zu vergleichen. Aber das ist natürlich reine Theorie, beweisen kann ichs genausowenig wie du deine…

  9. ap meint:

    @Jan: Ich dachte, ihr arbeitet gerade daran, dass der Turbokapitalismus (endlich) und vor allem endgültig auch im Gesundheitssystem Einzug hält. Das eignet sich nämlich gerade dafür ganz besonders gut. Wir wissen schon, dass sich mit der Gesundheit von Menschen ausnehmend viel Geld verdienen lässt.

    Ich stelle fest (und kann es trotzdem nicht beweisen), dass insbesondere das verständige Publikum (also das, das dem gänzlichen Wegfall der Ladenschlusszeiten nachhechelt) häufig genau das ist, das sich über die unfreundlichen Verkäuferinnen und Verkäufer aufregt. Aber von den Damen und Herren Abiturienten will einen solchen Job ja heute keiner mehr machen. Vielleicht auch, weil man sich für “Sonderdienste” am Kunden dann doch ein bisschen zu schade ist.

  10. Jan meint:

    @ap: Würde ich begrüßen und könnte den Kollaps vielleicht grade noch verhindern – aber hast du im Ernst den Eindruck, dass das geschieht? Ich ehrlichgesagt nicht, der Koalitionsvertrag bleibt da jedenfalls weit hinter meinen Erwartungen zurück und soweit ich unseren Gesundheitsminister am Wochenende richtig verstanden habe ist da der ganz große Wurf auch nicht geplant.

    Aber zum Thema: Unfreundlichkeit hat meines Erachtens jetzt nicht in erster Linie was mit mangelnder Ausbildung zu tun. Eventuell mit zu schlechter Bezahlung – aber sofern sich die Kundschaft ernsthaft aufregt, also auch konsequent wegbleibt, würde sich dieses Problem doch auf die eine oder andere Weise ohnehin erledigen – und sei es, weil Läden unfreundlicher Leute irgendwann das Zeitliche segnen.