Wer hat das Sagen im ZDF-Verwaltungsrat?

Foto: ZDF / C. Sauerbrei

Nikolaus Brender (Foto) ist seit April 2000 Chefredakteur des ZDF. Seit langem versucht die CDU, den Mann loszuwerden. Inzwischen scheinen die Mehrheiten, die dazu im ZDF-Verwaltungsrat nötig sind, zu stehen. Es spricht also alles dafür, dass Nikolaus Brender die längste Zeit Chefredakteur gewesen ist.

Roland Koch, der beliebteste aller Ministerpräsidenten im Lande (so viel darf man vielleicht zu sagen schreiben wagen), hat seine Mannen hinter sich gebracht und setzt das um, was die Union sich scheinbar dringlichst wünscht. Die Politik nimmt wieder einmal Einfluss auf die Pressefreiheit. Oder handelt es sich etwa um einen Vorgang, den man als demokratischen Prozess verstehen soll?

Als junger Mann war Brender Mitglied der “Junge Union”. Heute gehört er keiner Partei mehr an. Er wurde für seine journalistische Arbeit mehrfach mit Preisen ausgezeichnet (Grimme-Preis 1988, Bayerischer Fernsehpreis 1990 und in diesem Jahr erhielt er den Hanns-Joachim- Friedrichs-Preis). Die Fernsehzuschauer kennen ihn als Journalisten, der sich über die Parteigrenzen hinweg Respekt verschaffen konnte.

Als Beobachter kann man nur konstatieren, dass selbst eine hervorragende öffentliche Reputation und die Solidarität vieler Kolleginnen und Kollegen einen nicht davor bewahren kann, von Politikern abgesetzt zu werden, wenn denen der Sinn danach steht. Koch hatte in den Gremien und in Interviews Brender für fallende Einschaltquoten bei Informationssendungen des ZDF verantwortlich gemacht. Stefan Niggemeier hatte dazu schon im Februar dieses Jahres in der FAZ etwas geschrieben.

Interessant dazu ist die Auswertung von Meedia.de über die Top 10 Nachrichten im Gesamtpublikum. Dort nämlich liegen Tagesschau und heute auf den beiden ersten Plätzen. Die Auswertung bezieht sich auf die TV-Saison 2008/09 und datiert vom Juni 2009. Beklagenswert ist das Verhalten der Zuschauerinnen und Zuschauer bei der (ich kotz gleich) immer noch werberelevanten Zielgruppe der 14 – 49jährigen (schon mal was von der demografischen Entwicklung gehört, liebe Werbetreibende?). Sie sehen die Nachrichten bei RTL und RTL II. Bestimmt, weil die Nachrichten da so schön bunt und vor allem reißerisch aufgemacht sind. Das braucht der Mensch von heute.

Gerhart Baum (FDP) plädiert dafür, dass sich die Politik aus den Gremien der ÖR-Rundfunkanstalten heraushalten soll.

Es sei "unerträglich, dass Politiker, die Gegenstand einer kritischen Berichterstattung sind, gleichzeitig eine Kontrollfunktion ausüben".

Quelle: Streit über ZDF-Chefredakteur: Politiker stellen sich hinter Brender – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Kultur | Link

Sollte es jemals so kommen, dass sich die Politik aus den Gremien der ÖR-Sender zurückzieht, würde das vermutlich auch Auswirkungen auf deren finanzielle Ausstattung haben. Die Verantwortlichen bei ARD und ZDF werden diesen Aspekt wohl kaum aus den Augen verlieren. Insofern ist es angesichts der Wettbewerbssituation und der komfortablen Position der ÖR wohl nicht zu erwarten, dass diese ein solches Wagnis eingehen würden.

Vielleicht tritt der amtierende ZDF-Intendant Markus Schächter zurück, wenn die Gremien seinem Vorschlag, Brender als ZDF-Chefredakteur weiter zu beschäftigen, nicht folgen. Dann wäre der Eklat perfekt. Ob die CDU das riskiert? Der Widerstand formiert sich jetzt deutlicher als in den vergangenen Monaten.

Foto: ZDF / C. Sauerbrei 

Kommentare

  1. LexX Noel meint:

    Sofern man das Thema GEZ mal angeht, es zufrieden stellend löst und danach Alle Politiker aus den Vorständen entfernt wäre schon ein mal gutes Stück geschaft.

    Wohl eher ist sowas aber eher Utopie als Realitätsnah…