Ist das Ergebnis des schweizerischen Volksentscheides wirklich aus Nachweis dafür zu verstehen, dass “die Muslime am Ende in Europa keinen Platz mehr haben werden”, wie es die Islamwissenschaftlerin Katajun Amipur sieht? Wolfgang Bosbach (CDU) sieht in dieser Entscheidung den Ausdruck der Angst der Menschen vor einer Islamisierung, die “man” ernst nehmen sollte.

Dann gibt es auch das gern genommene Argument, dass die Muslime sich in einer anderen Kultur ansässig gemacht und sich damit den hiesigen Gepflogenheiten gefälligst anzupassen hätten und überhaupt: In der Türkei könnten schließlich christliche Kirchen, wenn überhaupt, nur ausnahmsweise errichtet werden. Von den großen Problemen, die Christen in der Türkei haben, wird berichtet. Und das entsprechend wohl den Tatsachen.

Die Volksmeinungen in der Schweiz und Deutschland unterscheiden sich wohl nicht sehr voneinander. Und man könnte bestimmt noch ein paar andere europäische Länder nennen, in denen das Klima für Muslime sich vergleichbar schlecht entwickelt hat. Holland und Dänemark zum Beispiel.

Steckt dahinter die zum Teil vermutete generelle Fremdenfeindlichkeit oder richtet sich die Ablehnung gegen die berechtigten Ansprüche von Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt seit Jahren hierher verlegt haben und für deren Integration nicht nur die Muslime, sondern für die wir gefälligst auch unseren Beitrag zu leisten haben? Und in diesem Zusammenhang muss sogleich unser Grundgesetz zitiert werden, dass ausdrücklich Religions- und Glaubensfreiheit garantiert:

Artikel 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3)Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Artikel 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Abgesehen davon, dass wir, zum Teil mit richtigen (besser: berechtigten) aber auch mit falschen Argumenten gegen Gotteshäuser der Muslime und den ab und an geplanten Minaretten zu Felde ziehen, ist die Ablehnung des Islam für mich jedenfalls fühlbar (anders kann ich das nicht ausdrücken) von anderen Motiven geleitet. Nämlich von solchen, die wir uns gerade heute, in dieser immer schneller und immer enger zusammenwachsenden Welt,  nicht mehr leisten sollten. Ich spreche natürlich von offener und häufig auch versteckter Fremdenfeindlichkeit!

Der Islam kann aufgrund seiner Strukturen den wachsenden Islamismus offenbar nicht beherrschen. Trotzdem wissen wir, dass die allermeisten Muslime mit Terror und Gewalt ebenso wenig am Hut haben, wie alle anderen Menschen. Dass die Gräueltaten islamistischer Terroristen Signale setzen, mit denen viele Leute nicht umgehen können, ist verständlich. Aber darf ein Mensch, der reflektieren und differenzieren kann, sich dazu hinreißen lassen, die Schandtaten einiger weniger Terroristen auf die Anhänger der gesamten Religion zu übertragen? Ist nicht genau dieses (nach den Anschlägen von 2001) in der jüngeren Vergangenheit passiert?

Wie kommt es, dass es heute bei so genannte “Fachpolitiker für Islam, Integration und Extremismus gibt”? Die neue Familienministerin, Frau Dr. Kristina Köhler, war bis vor kurzem für die CDU in dieser Disziplin tätig. Nicht, dass ich missverstanden werde. Frau Dr. Köhler hat sich diese Bezeichnung nicht ausgesucht. Aber in unserer Gesellschaft arbeiten

wir schon mit reichlich merkwürdigen Begriffen, oder?

In der Wikipedia wird übrigens dem Minarett eine “profane Bedeutung” zugewiesen:

Das Minarett ist nicht nur Wahrzeichen einer Moschee, es diente auch als Wachtturm und Machtsymbol.

Als Signalturm dienten Minarette der Orientierung für Karawanen.[2] An bestimmten islamischen Festtagen in der Türkei werden Minarette mit Lichtern und Spruchbändern (Mahyâ) geschmückt.

Quelle: Minarett – Wikipedia | Link

Natürlich wird man dazu anmerken können, dass wir in Deutschland keine Wachtürme benötigen. Aber entscheidender ist, dass das Minarett im Verständnis der Muslime als Machtsymbol verstanden wird. Vielleicht ist daran die Ablehnung festgemacht worden. In Deutschland ging die Diskussion, wenn ich sie richtig verstanden habe, immer darum, dass ein Minarett nicht höher sein darf, als der Kirchturm der evangelischen oder katholischen Gemeindekirche. Aber sonst haben wir ja auch keine Probleme.


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5 Antworten : “Die Schweizer schocken Europa”

  1. Als ich gehört habe, dass die Schweiz einen Volksentscheid gegen Minarette ausrichtet, war ich ein wenig überrascht. Schließlich ist die Schweiz doch für die Neutralität bekannt. Doch scheinbar teilen die Eidgenossen auch unsere Gefühle in Bezug auf den Islam.
    Doch wir müssen aufpassen, dass die Sache nicht zu sehr aufgebauscht wird. Denn im Grunde liefern die Muslime mit ihren Gebäuden und ihre andere Kultur immer wieder einen Stein des Anstoßes. Doch die meisten sind doch friedliche und gastfreundliche Mitmenschen.

    Grüße aus Calw, Tobias

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  2. Hallo Tobi. Vielen Dank für deinen Kommentar!

    Die Sache nicht aufbauschen. Das wäre ganz bestimmt richtig. Allerdings gibt es in Deutschland und anderswo eine große Menge Menschen, die aus diesem Volksabstimmungsergebnis einen Sieg ihrer Sache gegen die so genannten Kulturbereicherer, sprich die Muslime, machen. Gegen diese Entwicklung wird zu wenig gemacht. Sieh dir nur die Texte an, die bei PI zu lesen sind. Mir wird’s davon übel. Allein der Artikel über das Ergebnis in der Schweiz hatte bis gestern Abend schon über 430 Kommentare – und was für welche. Für mich sind unter den Leuten viele, die ich nur als Nazis bezeichnen kann. Die äußern sich so, als hätte irgendwer ihr Hirn außer Betrieb gesetzt. Die Leute, die sich dagegen wehren und einen vernünftigen Weg suchen, werden als Gutmenschen beschimpft. Persönlich gehen mir die Leute am Arsch vorbei. Aber die Anzahl derer, die sich diesem rechten Lager zurechnen lassen, wächst immer schneller. In der Schweiz wird das nicht viel anders aussehen. Ich sehe auch die zunehmende Kriminalität, die gerade von jugendlichen Migranten ausgeht. Aber die “Antworten”, die diese Leute geben, werden uns nicht helfen, die Probleme zu lösen.

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  3. Mit den Rechten geb ich dir auf jeden Fall recht. Daher bleibt zu hoffen, dass die Deutschen nicht auch so einen Volksentscheid durchführen. Die Ergebnisse wären bestimmt fatal. Wenn man die letzten Jahre betrachtet spaltet sich die Politik immer mehr in die Extremen. Sei es nun die NPD und ihre Kameraden oder die LINKE und ihre Genossen. Wir müssen eindeutig wieder eine gute Politik betreiben, dann haben die extremen Parteien vermutlich auch nicht mehr genug Futter um ihre Daseinsberechtigung zu erfüllen.

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  4. Ein solcher Volksentscheid würde in Deutschland kein anderes Ergebnis bringen, als in der Schweiz. Und wir würden wahrscheinlich wie die Iren in Sachen EU-Vertrag abstimmen. Wie gut oder schlecht das ist, lasse ich mal völlig außen vor.

    Das Schlimme an dieser Sache ist, dass unsere Volksvertreter (und Medien) davon überrascht sind und sich so konsterniert zeigen. Genau daran kann man ablesen, wie weit sich diese bereits von ihren Wählern entfernt haben und wie wenig auf die tatsächlichen Probleme eingegangen wird. Es gibt auch einen Grund dafür: diese Menschen haben einfach keine Probleme. Sie tragen keine Verantwortung – ich habe meine Ansicht ...rantwortung” vor Jahren schonmal beschrieben – und agieren/regieren somit völlig blauäugig vor sich hin. Wenn dann etwas in die Hose geht – was soll’s, haben ja ausgesorgt.

    Deshalb gibt es auch keine Lösungen für unsere Probleme, sondern nur immer neue Verklausulierungen ohne Effekt. Und diese gipfeln dann irgendwann in solchen Abstimmungen – anders kann man sich als Bürger zivilisiert und wirksam eben nicht äußern (und nochmal, ich meine nur die Methode, nicht das Ergebnis). Petitionen, Apelle, Veranstaltungen und ähnliches ändern ja nichts – wie wir z.B. am Zugangserschwerungsgesetz erfahren haben.

    Ein Volksabstimmungsverfahren in wichtigen Angelegenheiten (nochmal: unabhängig von Minaretten) könnte ein Wundermittel sein, um Politiker und Manager auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen.

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  5. @Andreas: In Deutschland wäre es bestimmt so ähnlich. Auch im Hinblick auf den EU-Vertrag würden wir wahrscheinlich gegen diesen stimmen. Wir sind ja besonders kritisch. Das kann man ja ständig bei allen möglichen Umfragen erfahren. Manchmal geht mir unsere Miesmacherei aber auch wirklich auf die Nerven. Nichts kann man den Deutschen recht machen. Die Politiker haben keinen Job, um den man sie beneiden muss. Aber — insofern muss ich dir leider auch zustimmen, sie sind zu weit weg vom Volk und treffen Entscheidungen, die viele Menschen nicht nachvollziehen können. Ich fände es gut, wenn in Deutschland auch Volksentscheide stattfinden würden. Wenn diese nicht irgendwann in naher Zukunft eingeführt werden sehe ich für die Demokratie schwarz. Vielleicht hilft das dabei, die immer schneller und umfangreichere Politikverdrossenheit zu stoppen. Wir können ansonsten das Kind mit dem Bade ausschütten. Denn, wer will schon eine andere Gesellschaftsform? Eigentlich sollte man sich in der Politik engagieren. Volksentscheide allein werden wohl auch nicht helfen. Wir brauchen mehr Beteiligung der Leute an den Entscheidungen. Dann wäre auch die Akzeptanz wieder größer.

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  1. ToMi » Schweizer Volksentscheid gegen Minarette - [...] gegen die in Deutschland lebenden Ausländer gegeben. Querblog.de hat dazu einen interessanten Artikel verfasst. In gewisser Weise sind die ...

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