Erinnern wir uns noch an die Zeit, als unser militärisches “Engagement” in den verschiedenen Regionen der Welt begann? Solange ist das ja noch nicht her und die Diskussionen hatten einen Tenor: Was will unsere Bundeswehr denn da schon ausrichten. Nicht richtig ausgerüstet, schlecht ausgebildet und so weiter. Lustig gemacht hat man sich damals und das nicht zu knapp.

Die, die das sagten, waren nicht nur Oppositionspolitiker und Medienleute. Es war die Meinung der überwiegenden Mehrheit im Land. So habe ich es jedenfalls in Erinnerung. Einige Jahre sind vergangen und ich höre seltsamer Weise gar nichts mehr in dieser Richtung. Jetzt stellen wir fest, dass unsere Soldaten einer professionellen Mission nachgehen, und sie töten. Gezielt und ohne Gnade. Gott, wie furchtbar!

Jetzt versucht man, im Zusammenhang mit dem Tod afghanischer Zivilisten, den handelnden Personen (Oberst Klein) und den verantwortlichen Politikern ans Bein zu pinkeln. Sollte sich etwa zu allem Übel jetzt auch noch herausstellen, dass Klein bei seinem “militärisch unangemessenen” Einsatz andere Motive geleitet haben, als wir es bisher vermutet haben? Es wird vermutet, dass mit dem Angriff auf die beiden Tanklaster vier hohe Taliban-Führer getötet werden sollten. Die prophylaktische Abwehr eines möglicher Weise bevorstehenden Anschlages mit Hilfe der Tankwagen (zum Schutz des Lebens der in der Nähe stationierten Soldaten) wurde vielleicht nur vorgeschoben?!

Diejenigen, die sich routinemäßig aufspulen, als hätten sie einen Lehrstuhl für Ethik und Rechtschaffenheit im Allgemeinen inne, will ich fragen, ob sie denn tatsächlich so naiv sind, um nicht zu wissen, was in einem Krieg passiert bzw. passieren kann? Und zu den angeblich zahlreichen zivilen Opfern muss ich wieder fragen, was die Leute um 2:00 Uhr nachts weit außerhalb einer Ortschaft getan haben? Und – wie kommt es, dass die Opferzahlen in dem Moment nach oben schnellen, als bekannt wurde, dass die Bundesregierung über finanzielle Entschädigungen nachdenkt?

Es gibt neue brisante Details aus dem geheimen Nato-Bericht zum umstrittenen Luftschlag nahe Kunduz: Laut der Analyse wollte der deutsche Oberst Klein mit dem Bombardement mehrere Taliban-Kommandeure treffen – und nicht so sehr die entführten Tanklaster. Die Bundeswehr gerät weiter unter Druck.

Quelle: Kunduz-Affäre: Luftschlag sollte Taliban-Führer töten – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

Wenn es sich herausstellt, dass die Bundeswehr den Tod vieler Zivilisten in Kauf genommen hat, nur um ein paar Talibanführer zu töten, dann wird die Diskussion darüber noch sehr intensiv und auch interessant werden. Eigentlich halte ich sie aber für überflüssig. Es sei denn, man gehört zu den Moralaposteln, die hier in Deutschland in ihren Sesseln hängen und sich moralisch über die das Maul zerreißen, die woanders ihr Leben für uns aufs Spiel setzen. Das sollte man nicht vergessen. Sie tun das, auch wenn vielleicht eine Mehrheit (heute) gegen den Einsatz ist und entsprechend abstimmen würde. Aber es ist ein demokratisch legitimierter Einsatz. So einfach können wir es uns nicht machen!


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2 Antworten : “Ein professioneller Einsatz der Bundeswehr?!”

  1. Das sehe ich genauso … und das trotzdem ich zu denen gehöre, die nicht verstehen, was wir da unten eigentlich mit unserer “Verteidigunsgarmee” machen. Man kann nicht duschen, ohne naß zu werden. Wenn man Soldaten in einen Krieg schickt, dann sterben Menschen. So ist das.

  2. @Andreas: Erst kam das Wort unseres Exkanzlers von der “uneingeschränkten Solidarität” und dann die Bündnisverpflichtung. Jetzt haben wir den Salat. Und so leicht können wir uns aus dieser Umklammerung nun wirklich nicht davon stehlen. Da liegt das Problem. Ansonsten sehe ich das wie du.