Wie hilflos, ja geradezu rührend, Herausgeber und Verantwortliche von großen Zeitungen sich ausdrücken, wenn auch sie Dinge beschreiben, die sie selbst in ihren Dimensionen eventuell noch nicht verstanden haben.

Der Herausgeber des altehrwürdigen Kölner Stadt-Anzeigers,  Alfred Neven DuMont, fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.  In den letzten 10 Jahren sind die Auflagen der Tageszeitungen um fast 20 Prozent zurückgegangen.

Neven DuMont sieht einen wichtigen Grund für diese Entwicklung darin, dass insbesondere die Jugend sich von den Printmedien ab- und den elektronischen Medien zugewendet hat. Er findet, die Jugend habe “sich vom gedruckten Wort abgewendet”. Vielleicht mag das im Hinblick auf die Printmedien ja zutreffen, aber es wird schon sehr viel gelesen (nicht nur in Deutschland)  und auch im Internet gibt’s nicht nur multimedial aufbereitete Informationen, sondern vorwiegend ein riesiges Angebot am  “gedruckten Wort”. 

Einen Hauch Larmoyanz legt Herr Neven DuMont an den Tag, wenn er die nach seiner Ansicht mangelnde Unterstützung der Politiker beklagt. Er unterstellt ihnen sogar, dass es diesen recht wäre, wenn die Printmedien dereinst ihre Bedeutung verlören. Er zieht Parallelen zur eben erst diskutierten Nichtvertragsverlängerung Nikolaus Brenders beim ZDF, die von Roland Koch (CDU) betrieben wurde. 

Eine “ernsthafte kritische Haltung” sieht Neven DuMont nur noch bei den Tageszeitungen und mit Abstrichen (“gelegentliche Ausrutscher”) bei Wochenzeitungen.  Daran mag man erkennen, dass Herr Neven DuMonat mit dem Internet selbst nicht so viel am Hut hat. Ansonsten könnte er nicht einfach übergehen, dass gerade das Internet die Basis für kritische Sichtweisen zu allen möglichen Themenbereichen des Lebens darstellt. Dass die Verbreitung solcher, sagen wir kritischen Sichtweisen, sich u.U. inhaltlich und qualitativ anders gestaltet, weil sie über eine in großen Teilen nichtintellektuelle Basis (Bürgerjournalismus) verfügt, ist dabei wesentlich, wird aber von Herrn Neven DuMonat folgerichtig nicht gesehen oder erwähnt. Es ist in meinen Augen ein Fehler, wenn diejenigen, die sich um ihre Zukunft sorgen, die Realität oberflächlich bis arrogant quittieren.

Gute Journalisten wird es natürlich auch zukünftig geben. Die werden die ersten sein, die sich auf die Veränderungen einstellen und ihre elementare Aufgabe in unseren Gesellschaften wahrnehmen. Die wirtschaftlichen Grundlagen für ihre Arbeit werden sich massiv verändert haben. Es wird ein schmerzhafter Anpassungsprozess sein. Vor dem sind auch andere Menschen nicht verschont worden.  Sie stehen mit ihren Einsichten und Sorgen nicht allein da. Sie teilen sie mit ganz, ganz vielen anderen Menschen.

Ich kann die Sorgen des Verlegers sehr gut nachvollziehen. Es geht um die Existenz, den Fortbestand der Printmedien, um sein Lebenswerk. Aber die Argumente und Vorbehalte sind nutzlos und stellen im Grund nichts anderes als den trotzigen, hilf- und substanzlosen Versuch dar, sich einer Entwicklung entgegenzustellen, die nicht aufzuhalten ist.

Den Kölner Stadt-Anzeiger habe ich übrigens seit 1976 abonniert und lese ihn mit großer Begeisterung.

Christian Jakubetz beleuchtet die Situation anhand des Beispieles einer großen Passauer Regionalzeitung.

Hier noch ein interessanter Zusatz, der in diesem Zusammenhang natürlich von Bedeutung ist:

Das Internet ist für die meisten Nutzer in Europa und den USA ein Kostenlos-Medium. Nur 13 Prozent der Surfer sind laut einer Studie bereit, für Informationen im Netz zu zahlen. Im Schweden und Holland ist die Bereitschaft dazu relativ hoch.

Quelle: Nutzer wollen nicht für Inhalte zahlen – Kölner Stadt-Anzeiger


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2 Antworten : “Stirbt das Kulturgut Zeitung aus?”

  1. Diesen Passus mit der Zahlungswilligkeit der Internetnutzer habe ich an anderer Stelle auch gelesen und wollte selbst schon etwas dazu schreiben. Ich glaube, “die Internetnutzer” sind schon bereit für Inhalte zu zahlen – so diese denn bezahlenswert sind. Für 1:1 Repliken des dpa-Tickers muß ich aber kein Geld zahlen. Wohl aber zahle ich aktuell dafür, das sich zusätzlich zur gedruckten Ausgabe des lokalen Käseblattes hier vor Ort auch deren “e-Paper” nutzen darf. Das man dafür – wo man die viel teurere Real-Life-Variante eh im Abo hat – auch noch zahlen muß, finde ich ziemlich happig! Von wegen “nicht bereit für Informationen zu zahlen” …

  2. @Andreas: Und wie viele solcher “Kopien” finden sich im Web? Dafür bin ich natürlich auch nicht bereit, Geld zu bezahlen. Aber generell wird es wohl irgendwann darauf hinauslaufen. Die Frage ist dann natürlich, ob es eine faire Beurteilung überhaupt geben kann in dem Sinne, das ist mir eine wertvolle Information oder nicht.
    Das wird noch spannend.