Die EU spricht sich immer eindeutig gegen Protektionismus aus. Auch als Laie weiß man, dass Protektionismus Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts zur Zuspitzung der damaligen Weltwirtschaftskrise geführt haben soll. Dass diese Sichtweise in der heutigen Zeit nicht unumstritten ist, zeigt dieser Artikel von Noreena Hertz.
Ist es angesichts dieser Erkenntnislage nicht schäbig, dass wir andererseits immer noch unsere Überschüsse zu Dumpingpreisen in die Länder der ärmsten Regionen der Welt exportieren? Im Augenblick sind wir doch alle so sehr von den Bildern betroffen, die uns aus Haiti erreichen. Auch Haiti gehört zu den ärmsten Ländern der Erde – auch ohne Erdbeben! Es wird geholfen, wenn die Not fast nicht mehr zu ertragen ist. Dabei wäre es richtig, den Leuten zu helfen, bevor solche unvorstellbaren Katastrophen passieren. Aber das kriegen wir nicht hin! Zu groß sind die wirtschaftlichen Interessen der Gruppen, die von ganz anderen Maßnahmen profitieren.
Vor ein paar Monaten wurde über den Preisverfall der Milch gestritten und über die Konsequenzen, die das für unsere Bauern hat. OK, Haiti ist in diesem Zusammenhang ein schlecht gewähltes Beispiel. In Afrika aber leben 300 Menschen von 100 Kühen. Das Verhältnis in Deutschland und Europa dürfte ein bisschen anders liegen.
In Europa gibt es 1,05 Mio. Milchbauern. Die produzieren zu viel Milch. Das Überangebot führt zu sinkenden Preisen. Damit die Bauern dennoch ein Auskommen haben, wird das Produkt subventioniert. Das aber führt dazu, dass die milliardenschwere Überproduktion in Entwicklungsländer exportiert wird und die Existenz von 100 Millionen Milchbauern in diesen Ländern bedroht wird.
Wir wollen das nicht. Wir nehmen solche Mechanismen nicht zur Kenntnis, blenden die bekannten Konsequenzen schon lange Jahr aus. Es gibt sie aber (leider), und wir sollten uns ihrer auch bewusst sein und diesen Unsinn kritisieren!
Sprachakrobatik der besonderen Art








Hmm. Und was soll man da machen? Anfangen, ungeheure Mengen Milch zu trinken? Ob das den 100 Millionen Milchbauern hilft? Tja. :harry:
Nee, sicher nicht. Du trinkst ja auch nur Kaffee vermutlich ohne Milch. Das wird also nichts werden. Ich trinke auch keine Milch oder nur in Maßen. Also müssen die Bauern wohl mit der Produktionsmenge runter. Das bedeutet aber weniger Höfe, weniger Bauern, mehr Arbeitslose. Das ist ein schwerer Weg. Aber wird es anders gehen?
Ob es anders geht, das weiß ich nicht. Aaber – bei meinem Kaffee – da bist du schwer im Irrtum! Ich trink den immer aus so einer großen Tasse. Weil ich manchmal ein Genauigkeitsfanatiker bin, werde ich JETZT in die Küche eilen und diese Tasse “auslitern”. :harry:
Bin schon aus der Küche zurück – in die Tasse gehen genau 300 cm³ – wenn sie randvoll ist. Ich füll sie aber normalerweise immer nur zu 2/3 bis 3/4 – wären also 200 – 225 cm³. Und da tu ich ordentlich Kondensmilch rein, bis die Farbe schön goldbraun ist. Und 4 Stücke Würfelzucker. Die Kondensmilch kostet bei der Norma 0,35 € für 200 g. Der Zucker kostet 1,09 – 1,15 € pro kg.
Ich unterstütze also nicht nur die Milch- sondern auch die Zuckerbauern (die, wo Zuckerrüben anpflanzen). Ich tu also meinen Teil. So.
@JürgenHugo: Wie ich sehe, erfüllst du deine Pflichten als Konsument sehr nachhaltig und wohlüberlegt.
Sogar eine Firma aus Cupertino in Kalifornien hab ich kürzlich unterstützt – mit einem großzügigen Sümmchen…
Ich kann mir im Moment keinen Apple leisten. Aber wenn ich in Rente gehe. Und das, obwohl ich kein Beamter bin.
http://debatte.welt.de/kommentare/185453/der+fiktive+reichtum+kuenftiger+pensionaere