Ab und zu liest man schwerverdauliche Texte. Damit meine ich nicht mal die, die intellektuell besonders anspruchsvoll wären, sondern solche, deren Autoren wohl davon ausgehen, ihre Sicht der Dinge sei die einzige Mögliche und Richtige:

Der gelernte Linke weiß außerdem von den Vögeln, dass wer am weitesten den roten Schnabel aufsperrt, auch stets am üppigsten gefüttert wird. Und der 50jährige, der seit 30 Jahren den Laden in Gang hält denkt sich, Kurzarbeit sei doch mal der gerechte Ausgleich dafür, dass man sein Leben lang der Zahlemann war. Nie war die Arbeitswoche so entspannend wie heute, dauert sie doch nur drei bis vier Tage.
Quelle: Sozialstaat im Endstadium: Auf Kurzarbeit noch kurz das Leben genießen – Roland Woldag – eigentümlich frei

Deutschland befindet sich, wie viele andere Länder auch, in einer sehr kritischen Phase. Ich hätte damit kein Problem, wenn man in diesem Zusammenhang die Höhe des Sozialetats unseres Landes kritisch bewertet. Es stimmt, dass seine gigantische Dimension uns wichtigen Gestaltungsspielraum nimmt. Rechnet man die Bundesschuld hinzu, beanspruchten beide Positionen in 2009 57% vom Gesamtetat.

Im Beitrag werden einseitig Missstände im System des Sozialstaats beklagt.

Außer gemütlichem und privilegiertem Sterben scheint dieser Drohnenstaat nichts mehr vorzuhaben.

Nicht erwähnt wird, dass Deutschland ein Sozialstaat ist (Artikel 20 Absatz 1 GG), vor allem jedoch, dass die Verantwortung für die gigantische Ausweitung der Staatsverschuldung das kapitalistische System und seine Profiteure tragen. Das wird im Beitrag ausgeblendet. Nicht einmal der direkte Zusammenhang zwischen der wahnsinnigen Neuverschuldung und den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise wird im Beitrag auch nur mit einem Wort erwähnt.

Falsch und zynisch:

Kurzarbeit wird besonders durch staatsgehätschelte Großbetriebe ausgenutzt und bei populären Marken adressiert die Systempresse gern mal einen unvorteilhaften Elendsbericht an die Amateurregierung, wenn es nicht läuft. Die Belegschaften in diesen Betrieben sind zwar völlig überaltert, was auch bedeutet, dass die meisten saturiert leben, das Haus bezahlt haben und die Kinder aus dem Haus sind, aber gelitten wird in Deutschland auch auf hohem Niveau.
Quelle: Sozialstaat im Endstadium: Auf Kurzarbeit noch kurz das Leben genießen – Roland Woldag – eigentümlich frei

kurzarbeit1Nach diesen Daten der Arbeitsagentur nehmen  insbesondere Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern Kurzarbeit in Anspruch. Ich halte das aber aufgrund der vorhandenen Strukturen in diesen Betrieben auch für ganz normal und bei der Mehrzahl der Unternehmen handelt es sich wohl nicht, wie der Autor behauptet, um staatsverhätschelte Großbetriebe. Die Kurzarbeit kostet uns viel Geld, und das kann man beklagen. Aber wie hätte denn die Alternative ausgesehen? Aber auch davon schreibt der Autor nichts. Er beschränkt sich darauf, die Menschen in unserem Land als Parasiten zu beschimpfen. Sicher ist er ein Kandidat für “Goodbye Deutschland”.  In den USA soll es sehr schön sein. Da gab es, wenigstens bis jetzt, keine gesetzliche Krankenversicherung, das Sozialwesen ist kaum vorhanden und Ron Paul ist auch in der Nähe.


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2 Antworten : “So tickt der gemeine Linke”

  1. Fast jedes mal wenn ich auf Deinen Blog komme zum kommentieren, weil mich das Thema des Artikel interessiert, dann hat sich irgendwas wieder grundlegend geändert. Mir ist zwar bewusst, das ich nicht sonderlich viel kommentiere im Vergleich zu Anderen hier, jedoch stören mich diese dauernden Veränderungen.

    Genau das ist jetzt der Grund für diese Zeilen.

    Denn ich werde mich als Abonnement von deinem Blog verabschieden, auch wenn gleich ich deine Themengebiete sehr mag, so stören mich die andauernden Veränderungen beim Blog-Design selbst und die Veränderungen innerhalb des Blog-Design zu sehr.

    Es ist für mich persönlich in Ordnung wenn sich hier und da im Blog-Design was verändert, so Kleinigkeiten am Rande sind für mich kein Störfaktor. Jedoch wenn sich immer zu was größeres verändert, dann stört mich das beim lesen und bei der Wahrnehmung des Blog.

    Wenn sich hier auf dem Blog mal das Blog-Design verändert, also nicht jeden Monat was neues sondern eher Jährlich, dann ist das in Ordnung für mich. Oder wenn sich die Strukturen innerhalb des Blog-Design verändern, langsam aber stetig, dann ist das auch für mich in Ordnung.

    Jedoch wenn sich ständig was verändert, an der Struktur, der Ausrichtung, dann stört Mich das als Leser und ich spreche dabei jetzt nur für Mich selbst! Zudem mag ich Webseiten und Blog’s nicht die Links oder Rechts ausgerichtet sind, denn das entspricht nicht der Form in der ich gerne Text lese.

    Diesen Kommentar schreibe ich jedoch nicht, weil ich das muss, sondern weil ich der Meinung bin das ich somit Dir als Blog-Autor eine Möglichkeit und Chance gebe über eben diesen Kommentar zumindest nachzudenken.

    Deinen Blog werde ich weiterhin im Auge behalten, jedoch nicht mehr mittels meines Feed-Leser abonniert haben. Vielleicht werde ich alle paar Monate mal vorbeischauen, vielleicht auch nur Jährlich, kann ich nicht genau sagen.

    Vielleicht auf ein Wiedersehen, irgendwann.
    LexX Noel

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  2. Zuerst dachte ich, du meinst politisch rechts oder links. Da wärst du ja hier falsch gewesen, weil ich ja schon, wie die Ausrichtung des Blogs :-) , eher links gepolt bin.
    Theoretisch wäre es ja möglich, den Blog nur im Feedreader zu lesen. Aber das kommt für dich wohl nicht in Frage. Ich kenne übrigens manches Blogdesign gar nicht, weil ich nämlich genau das mache. Ich kommentiere auch nur wenig, weil ich mich ja mehr mit dem Design meines Blogs beschäftige – zum Leidwesen meiner Leserinnen und Leser. Ich weiß, dass es einige davon gibt, die die ständigen Änderungen nicht gut finden. Tja, tut mir leid. Ich werde jedenfalls meine Beschäftigung mit dem Aussehen des Blogs nicht aufgeben. Andernfalls würde ich nämlich vermutlich gar nicht mehr bloggen. Wir sehen uns.

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