Monatsarchiv: Januar 2010
Stimmungen herbei geredet?
Alice Schwarzer stellte das soeben bei “Hart aber fair” fest. In der Sendung geht es um die “Arbeit” unserer neuen Regierung, die 100 Tage (gefühlt 1000) dabei ist, uns in Angst und Schrecken zu versetzen.
Vielleicht hat es aber doch viel mit Schwarzes Feststellung zu tun, dass von den 100 vergangenen Tagen 50 Weihnachten waren. In der Zeit haben sich die Medien, wie zu dieser Jahreszeit üblich und auf dieser Welt ja doch nicht richtig was los war, schon sehr stark auf das Zursaumachen der Regierungskoalition konzentriert. Und dass sie darin wirklich gut sind, wissen wir schließlich.
Von dem Geplänkel, das vorwiegend von den von der FDP und teilweise auch der CSU geforderten Steuersenkungen handelt, habe ich persönlich allerdings auch die Schnauze voll. Jeder wird nachvollziehen können, dass es nicht schlecht wäre, wenn man durch Steuersenkungen wirklich Impulse für die Wirtschaft setzen könnte. Das jedoch bestreiten Wirtschaftsexperten, egal welcher Couleur. Die hierdurch freiwerdenden Mittel reichen von ihrem Umfang her dafür nicht aus.
Außerdem erkennen viele Menschen, dass die Steuersenkungen fatale Wirkungen für die Kommunen haben. Man hört von Gebührenerhöhungen auf breiter Front. Damit wird klar, dass die Ausnahmeausfälle natürlich nicht ohne Wirkung bleiben. Wir schneiden uns letztlich ins eigene Fleisch.
Noch in diesem Jahr werden wir erleben, dass diese Regierung sich auf das besinnt, was viele ihr von vornherein zugeschrieben haben. Es geht –natürlich- ums Sparen. Und die Ersten, denen das zugemutet wird, werden, wie immer, die Schwächsten in dieser Gesellschaft sein – die Arbeitslosen und insbesondere die ALG II-Empfänger.
Die Regierung wird schon bald sehr konkret. Konkreter als viele sich das im Moment vorstellen können oder möchten. Wir sollten deshalb ein bisschen gelassener sein. Das Frühjahr (und die NRW-Wahlen) kommen schließlich noch früh genug. Und danach geht es ans Eingemachte.
TV Hinweis: Abgestempelt? Leben mit Hartz IV. Eine SWR- Reportage von Thomas Reutter und Sylvia Nagel
links for 2010-01-11
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ZEIT: Wie geht es mit dem Fernsehen weiter?
Brûlé: Gute Frage. Ich glaube, Zuschauer würden sich über den Luxus von weniger Auswahl freuen. Es gibt viele, die sich nach den Zeiten zurücksehnen, als man zum Beispiel BBC 2 oder das ZDF einschalten konnte und einen Abend mit guten, solide gemachten Programmen verbrachte und einfach nur auf der Couch saß. Man bekam ein gutes Programm geboten. Da besteht die Chance für ein neues Modell, für den neuen Kanal: zu den guten, alten Zeiten des Fernsehens zurückzukehren.
Wie schön, dass es B*ld und RTL gibt
Zunächst will ich von mir behaupten, dass ich gegenüber den Privatsendern eine gewisse Aversion an den Tag lege. Das hindert mich allerdings nicht daran, trotzdem ab und an auch dort zuzuschauen.
Und ich bin manchmal froh, dass es B*ld und RTL gibt. Wir hätten sonst ja (fast) nix mehr in diesen tristen Wochen, über das wir uns aufregen könnten – das Wetter und Merkel mal ausgenommen.
Im Augenblick ist RTL dran. Stefan Niggemeier hat den Urin-Fleck, der beim letzten DSDS-Casting eine unrühmliche Rolle spielte, aufgespießt und findet, wie zu erwarten war, jede Menge Mitempörer.
Ich habe mir zusammen mit meiner Frau die Sendung angesehen und war, überraschenderweise, über diese inkl. Urinfleck weder verwundert noch empört. Im Gegenteil: Wir haben uns gut unterhalten gefühlt. Wie abscheulich Menschen sein können! Nein, ich meine jetzt nicht RTL, sondern uns. Wir beide erdnussmümelnd auf der Couch mit einem Gläschen Rotwein im Anschlag.
Peter Zwegat bezeugte (via Twitter), sich bei dieser Sendung für seinen Sender geschämt zu haben. Kann ich verstehen, denn die Masse macht es ja bekanntlich.
Wer es bisher immer noch nicht verstanden hat, wie RTL und andere Sender “arbeiten” bzw. wie rücksichtslos sie ihre Quoten einholen, dem ist nicht zu helfen.
Und warum guck ich diesen Scheiß überhaupt? Ich habe keinen Spaß daran, wenn junge Leute dort zur Schnecke gemacht werden, wohl aber über die, jedenfalls meiner Ansicht nach, dort zum Vorschein kommenden Talente. Auch wenn manche/r jetzt aufstöhnen wird: Ich freue mich, dass sich so viele junge Leute was trauen und sich Hoffnungen darauf machen, vielleicht irgendwann ein Star zu sein. Daran finde ich nichts verwerfliches. Umso weniger, wenn ich sehe, dass die Leute etwas können. Ich finde es auch nicht tragisch, dass nachhaltiger Erfolg bisher noch keinem Kandidaten vergönnt war. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt und deshalb treten auch immer wieder neue Kandidatinnen und Kandidaten an. Und sie lassen sich von Bohlen und RTL vorführen. Sie nehmen es in Kauf.
Denkt mal darüber nach, wie heute in manchen Unternehmen mit den Angestellten umgegangen wird. Ist das so viel anders? Gut, es sind keine Kameras dabei. Aber auch das ist heute nicht mehr sicher.
Die Empörungsrituale über die RTL-Methoden finde ich jedenfalls inzwischen langweiliger als die Sendung.
Es war einmal… ein Plattenspieler, für den ich keinen Platz mehr habe
Das ist ein Plattenspieler von “Sony”. Mit einem solchen Gerät kann man Musik hören. Vorausgesetzt natürlich, man hat eine oder –komfortabler Weise-mehrere Schallplatten (von Spezialisten ersatzweise auch LP, also Langspielplatte oder Elpi genannt).
Ich habe ungefähr 600 Stück. Die stehen allerdings alle im Keller und der Weg dorthin ist mir zu beschwerlich. Kellertreppe runter, Kellertür aufschließen, Zeugs wegräumen, Schrank öffnen, Kiste durchsuchen und doch nicht die LP finden, die man sucht. Ärgerlich und zeitraubend. Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen hat meine Frau nun einen Stellplatz mehr für irgendwelchen Nippes. OK, ich übertreibe, wie man an diesem Foto sieht.
Wenn jemand dem Plattenspieler wider Erwarten ein Gnadenbrot geben will, kann er sich gern bei mir melden (apollon23@gmail.com). Allerdings will ich nicht fürs Porto aufkommen. Und einen ordentlichen Versandkarton habe ich auch nicht mehr. Tja, die Chancen stehen schlecht. Ich sehe mich schon, wie ich ihn zum Sperrmüll stelle. So eine Affenschande.
Wie die Digitaluhr im Western
Der heutige WDR-Tatort hat mir wieder mal gut gefallen. Ich muss hinzufügen, dass ich den Kölner Tatort eigentlich von allen am liebsten sehe. Nicht wegen des vielleicht vermuteten Lokalkolorits, sondern deshalb, weil ich das Team Max Ballauf und Freddy Schenk toll finde.
Heute sind mir ein, zwei Dinge aufgefallen, die ich ein bisschen lustig fand. Für mich passte die Jahreszeit, in der die Folge offenbar spielte, nicht zu den mehrfach vorkommenden offenen Cabrios. Leute, die bei dieser Witterung offen fahren, beweisen vielleicht ein hohes Maß an Individualität aber sauber ticken können die nicht.
Diese Folge erhält von der FAZ eine schlechte Kritik. Für Swantje Karich waren die Helden totmüde. So ist das eben mit Kritiken. Die eine ist so, die andere so.
Wir müssen Hartz IV reformieren
Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel nuschelte noch einen Halbsatz in die Willsche Abmoderation der heutigen Sendung zum Thema Hartz IV:
Das Volk wird verarscht….
Der Mann bringt die gegenwärtige Diskussion auf den Punkt. Die Beiträge haben streckenweise das Niveau des Satzes, den ich über die Jahre wirklich lieben gelernt habe:
Wer Arbeit haben will, der findet auch welche
Mein Foto des Jahres 2009: Das kleinste Müllauto
Ich habe lange gebraucht und mich dann doch noch entschlossen, mich an Martins Blogparade (“Euer bestes Foto 2009”) zu beteiligen. Vorher hatte ich mir die tollen Fotos, die von anderen Bloggen für die Parade eingereicht wurden, angesehen und fand von den vielen, die ich im letzten Jahr geschossen haben, keines richtig gut. Dann fiel mir dieses Foto “in die Hände”. So ein kleines Müllauto hatte ich vorher auch noch nie gesehen. ![]()
links for 2010-01-09
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Polizei privatisieren, so dass es Konkurrenz gibt und diese selbstmitleidige Tour aufhoert, den darin liegt wohl das strukturelle Problem. — > Man kann nur hoffen, dass auch Liberale das nur als Witz verstehen.
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und auszubauen! — > Die hätten ja mit dem Artikel schon mal anfangen können.
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