Monatsarchiv: Februar 2010
Zwei Domains für ein Blog?
Nennt man das auch “Double Content”, wenn man zwei Domains besitzt, die auf eine Blog-Adresse zeigen? Ich glaube ja, ich habe da wohl einen Fehler gemacht. Seit ich Finger.Zeig.net vor drei Jahren nach den Abmahnungen aufgegeben habe, habe ich die Domain bestehen lassen. Ich habe sie auf den Querblog umgeleitet.
Dadurch hatte ich bisher ein paar Feedleser mehr, weil nicht alle Leser/innen die Feedadresse umgestellt hatten. Das wird ab morgen anders sein. Der Zähler wird wohl ordentlich nach unten sausen. Wahrscheinlich war es trotzdem richtig, dass ich heute die Domain Finger.Zeig.net bzw. die erwähnte Umleitung endlich mal gelöscht habe. Was meint ihr?
Sind wir denn auch stolz oder wenigstens zufrieden?
Die Amerikaner könnten uns heute Abend noch den 2. Rang im Medaillenspiegel streitig machen. Sie müssten dazu allerdings Gastgeber Kanada im Eishockey-Finale schlagen. Dann wären wir trotzdem 3. im Medaillenspiegel. Eine ganz tolle Leistung, die wir hoffentlich auch zu schätzen wissen.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Kritik an den Spielen konnte man lesen, insbesondere am kanadischen Veranstalter. Die Spiele waren noch nicht gestartet als es schon einen Toten zu beklagen galt. Ganze Artikel beschäftigen sich mit den Gefahren für die Sportler. Der Kölner Stadt-Anzeiger widmet heute seinen Leitartikel der “Sucht nach dem Superlativ”.
In der veröffentlichten Wahrnehmung ist die Sucht danach überhaupt nichts Neues. Die Hauptrolle spielen die Goldmedaillen-Gewinnerinnen und –Gewinner. Dabei sollen doch alle Sportler, die dabei sind, im Mittelpunkt stehen – oder? Es heißt doch: Dabei sein ist alles. Ist das Schnee von gestern? Die, die Silber, Bronze gewonnen haben werden mir zu oft als “Verlierer” behandelt. Schade, wenn über die Medien mitunter der Eindruck vermittelt wird, als würde nichts zählen außer einer Goldmedaille. Aber eigentlich ist es ja auch nur konsequent. Nur die oder der Beste zählen etwas in unserer Gesellschaft. Am Superlativ wird herumgefuhrwerkt. Er wird immer exzessiver ausgeschmückt, in den Mittelpunkt allen Interesses gerückt. Bald findet man keine Worte mehr, um die supertollen, extraordinären Leistungen der Akteure zu feiern, die gerade zu feiern sind und man vergisst damit all die anderen, die sich den Arsch dafür aufreißen, uns, die Zuschauerinnen und Zuschauer, so prächtig zu unterhalten und –oft genug- auch stolz zu machen.
Unsere Männer waren bei dieser Olympiade nicht so erfolgreich. Macht aber nix. Schließlich haben wir ja die schönen und schnellen Mädels, die sich für Superlative in mannigfaltiger Hinsicht wohl noch viel besser eignen.
Irgendwie sollten wir bald mal wieder auf den Teppich zurückkommen und uns darauf besinnen, worum es bei der Olympiade gehen sollte. Aber das können wir von den Medien, die natürlich nur das tun, was wir von ihnen wollen oder erwarten, nicht verlangen. Auch diesen Teil unseres Lebens bestimmen selbstverständlich Angebot und Nachfrage.
Sind Bayern und Schwaben selbstbewusster?
Im Moment habe ich es scheinbar mit dem Selbstbewusstsein. Warum komme ich heute schon wieder mit dem Thema um die Ecke? Die Olympiade hat mich darauf gebracht. Oft kamen die Gewinner/innen ja aus Bayern, wie man anhand des Dialektes deutlich heraushören konnte.
Es gibt ja diesen netten Werbespott, in dem behauptet wird, die Schwaben, Entschuldigung, die Baden Württemberger, könnten alles, außer Hochdeutsch. Ich finde es schade, dass wir Rheinländer, jedenfalls nach meinem Eindruck, keinen so selbstverständlichen Umgang mit unserem Dialekt pflegen. Mir scheint es eher so, dass wir uns dafür schämen. Immer weniger junge Leute sprechen Dialekt. Deren Eltern, also unsere Generation hat sich damit “abgefunden”, dass wir vielfach so genanntes Hochdeutsch mit Knubbeln sprechen. Unsere Kinder werden den Slang war mitunter immer noch hörbar mich sich herumschleppen aber “es” wird immer weniger. Bald werden zumindest in unserer Gegend die charakteristischen Klangfarben wohl ganz verschwunden sein. Ganz so, wie es irgendwann mit den Trachten, sofern es hier mal solche gegeben hat, längst geschehen ist.
Ich arbeite, wie einige Leserinnen und Leser aus anderen Artikeln von mir wissen, in Rheinland-Pfalz. Dort hört man ebenfalls noch den typischen Dialekt. Mir kommt es allerdings so vor, dass man sich auch dort größte Mühe gibt, diesen möglichst nicht hören zu lassen. Ich glaube, ich spreche damit eine Sache ist, die ein bisschen heikel ist. Viele werden es von sich weisen, Menschen mit rheinischem Dialekt mit Vorurteilen zu begegnen. Bestimmt bin ich in dieser Beziehung wieder mal einfach zu empfindlich. Aber ich habe es schon vor Jahren gehasst, wenn ich im Urlaub auf meinen Dialekt angesprochen wurde: “Und du kommt bestimmt aus Kölle”. Noch schlimmer fand ich, wenn einer versucht, meinen Dialekt nachzuäffen. So von oben herab. Dabei sind gerade das oft Leute, die selbst einen unüberhörbaren Dialekt haben.
Aber gut, ich denke, ich bin einfach zu empfindlich. Aber wenn ich recht habe, weshalb verlieren dann so viele Menschen im Rheinland ihren ursprünglichen Dialekt? Vielleicht liege ich mit meiner Vermutung ja doch nicht so falsch?
Unsympathischer als die notorischen Rheinländer?
David Harnasch lebt in Berlin und Freiburg, also weit weg von Köln. Dafür bin ich echt dankbar! Nicht nur wegen seiner Kritik am Karneval, speziell am rheinischen. Möglich, dass ich von diesem Harnasch schon den einen oder anderen Text zu viel gelesen habe. Ich erinnere mich nicht, dass mal einer dabei gewesen wäre, der mir gefallen hätte.
Jetzt frage ich mich, woher Herr Harnasch den Rheinländer so gut kennen mag, dass er ihn in seinem beschissenen Beitrag als so unsympathisch beschreibt. Ich könnte mir vorstellen, dass er das eine oder andere Wort mit einem anderen erklärten Freund des Rheinländers gewechselt hat. Schließlich schreibt der auch für die “Achse des Guten”. Henryk Broder hat mal eine Weile in Köln gelebt und das scheint ihm nicht bekommen zu sein. Jedenfalls habe ich in seinen Texten so einen oder anderen Vorbehalt gegen die Stadt gelesen, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Kleine Kostprobe gefällig?
Wie hässlich Köln wirklich ist, merkt man erst, wenn man dort eine Weile nicht gewesen ist. Die Metropole der rheinischen Heiterkeit ist nämlich nicht nur hässlich, sie ist dynamisch hässlich. Das heißt, sie wird immer hässlicher. Eine Zumutung für das Auge, ein paar Straßen in Lindenthal und die Gegend rund um den Volksgarten mal ausgenommen.
Quelle: Hässlich, hässlicher, am hässlichsten – Köln am Rhein
Der Ordnung halber will ich anfügen, dass ich Broders Texte grundsätzlich schätze, auch wenn ich nur selten inhaltlich mit ihnen einverstanden bin.
Wenn ich Harnaschs “Kritik” über den dummen Karneval lese kommt mir die Galle hoch. Und das, obwohl ich den Artikel, der übrigens schon im Jahr 2009 produziert wurde (s. Abspann des Filmchens) erst heute, reichlich lange nach Karneval, zufällig in Jans Empfehlungen gefunden habe. Vielleicht hat Harnasch seine Konserve im letzten Jahr ja schon mal bei Cicero TV angebracht. Steter Tropfen höhlt bekanntermaßen den Stein.
Ich kann die verstehen, die es mit Karneval nicht so haben. Und auch die vielen Fernsehübertragungen sind einfach des Schlechten zu viel. Insbesondere diesen Teil der Kritik (an der Zahl der Fernsehübertragungen) kann ich nachvollziehen und finde ihn berechtigt. Harnasch geht allerdings in dem Moment zu weit, wenn er ganze Landsmannschaften als unsympathisch und dumm bezeichnet. Und das deshalb, weil es Menschen gibt, die am Karneval teilnehmen. Noch ärgerlicher ist, dass Harnasch sich nicht scheut, dieses Brauchtum in die braune, antisemitische Ecke zu stellen. Ihm geht es doch um den Hinweis darauf, dass im Dritten Reich auch der Karneval nicht vor dem Zugriff der Nazis sicher war, sondern ausschließlich darum, mit seinem Geschwätz die zu Munitionieren, die ähnliche Vorbehalte gegen Karneval haben. Harnasch mag seine Gründe dafür haben, Karneval nicht zu mögen. Aber er kann Köln und das Rheinland meiden und außerdem weiß er hoffentlich, wo der Aus-Knopf an seinem Fernsehgerät ist.
Ich mag übrigens keine Volksmusik. Aber ich versuche deshalb nicht, daraus eine Nähe zur braunen Vergangenheit herzustellen.
Bloß kein Streit in der Familie
Wenn ich einen Grundsatz habe, dann den, keinen Streit innerhalb der Familie zuzulassen. Das ist nicht immer leicht aber es geht. Ich meine keinen kleinen Krach, eine hitzige Diskussion über irgendwas, sondern richtigen Streit, der zu einer Entfremdung von der eigenen Familie führen kann.
Es gibt einen konkreten Anlass, weshalb ich das Thema anspreche. Eine Freundin meiner Mutter ist gestern plötzlich während einer Operation verstorben. Das ist sehr traurig. Viel trauriger ist aber, dass sie seit Jahren keinen Kontakt mehr mit ihrem einzigen Sohn und dessen Familie hatte, der in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wohnt. Sie war schon lange gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe und hätte ganz bestimmt ihre Familie gebraucht. Aber aus unerfindlichen Gründen hat selbst vor diesem Hintergrund keine Aussöhnung stattgefunden. Keine Ahnung, wer da nicht über seinen Schatten springen konnte und weshalb das so war. Jetzt ist es zu spät.
Vielleicht nimmt der eine oder andere, der diese Zeilen liest, dies zum Anlass noch einmal über die eigene Haltung nachzudenken und sich zu überlegen, ob es wirklich Meinungsverschiedenheiten gibt, die diesen Preis wert sind.
Manchmal ist es besonders schwer, ein Katholik zu sein
Eben wollte Plasberg in seiner Sendung “Hart aber fair” Bischof Zollitsch’ Erklärung zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche deshalb als nicht ernsthaft verurteilen, weil dieser die Entschuldigung vom Blatt abgelesen und sie nicht frei vorgetragen hat. Und er versuchte dies gleich mehrfach. In den Zuschauerreaktionen im Laufe der Sendung kam das ebenfalls mehrfach vor. Ich fand das nicht in Ordnung!
Viele können nach meinem Eindruck mit dem Konflikt, in den sich die katholische Kirche durch eigene Schuld hineinmanövriert hat, nicht wirklich umgehen. Auch ich nicht. Da spielen vermutlich Alter und Erziehung wohl eine Rolle. Ich finde es schrecklich, was den Kindern und Jugendlichen widerfahren ist. Dass manche sich aber an diesen Vorgängen abarbeiten, weil sie ganz offensichtlich darin eine weitere Gelegenheit sehen, ihren Ressentiments Vorschub zu leisten, finde ich fragwürdig. Die Medien unterstützten das leichtfertige Gesülze mancher Leute noch nach Kräften. Sie bieten bereitwilligst eine Plattform. Es ist wie so häufig.
Die katholische Kirche hat durch ihren absoluten moralischen Anspruch die Verpflichtung, diesen Verbrechen umfassend nachzugehen und dafür zu sorgen, dass die Täter den Behörden übergeben werden. Es wird für die Kirche keine Chance geben, über diese Fälle einfach hinwegzugehen und darauf zu hoffen, dass die Leute auch diese Vorgänge vergessen. Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche ist seit Jahren ein großes Thema. Auch der Vatikan kommt an dieser Entwicklung nicht mehr vorbei.
Aber ich fordere auch dazu auf, dass man bitte die Kirche im Dorf lassen soll. Und noch etwas. Ich bedaure diejenigen, die in diesen Tagen die katholische Kirche vertreten und in der Öffentlichkeit zu den Vorgängen Stellung beziehen müssen. Eine schwerere Aufgabe kann ich mir im Moment einfach nicht vorstellen.
Ich wünschte, es wären andere zurückgetreten
Dass Margot Käßmann von ihren Ämtern zurückgetreten ist, stimmt mich traurig, weil sie ein Mensch ist, dem ich persönlich eine hohe Glaubwürdigkeit zuschreibe. Auf der anderen Seite kann ich ihre Entscheidung sehr gut nachvollziehen. Die öffentliche Ausbreitung ihrer Verfehlung würden ihr und natürlich ihrem Amt schaden. Sie hat Autorität und Glaubwürdigkeit eingebüßt. Das hat sie erkannt und sofort die Konsequenzen gezogen.
Schade, dass nicht auch andere Menschen, die öffentliche Ämter bekleiden, ähnlich konsequent und ehrenhaft handeln. Ich ziehe meinen Hut vor Frau Käßmann. Deutschland hat einen wichtigen Funktionsträger verloren, vor allem jedoch eine Frau, die das Zeug zum Vorbild hat. Das kann man leider nicht von vielen sagen, die heute eine herausgehobene Position in unserem Land bekleiden.
Schwarzgeldkonten – Wer hat’s erfunden?
“Die meisten wollen ja jetzt mehr netto als brutto” – Volker Pispers in “Neues aus der Anstalt“
Der beste Joke von Pispers (ab Minute 11:44 Uhr) war der Vergleich von Schlecker und mit der Caritas, die laut Pispers beide mit schlechtbezahlter Leiharbeit operieren würden. Der Unterschied wäre nur der, dass bei der Caritas ein Bonus ausgezahlt werde. Der Gotteslohn. Man könne noch froh sein, wenn einem dieser nicht bei den Jesuiten in Form von Sachleistungen ausgezahlt würde.
Helmut Schmidt und Fritz Stern heute bei Beckmann
Wenn Beckmann sich ein bisschen zurückhält, könnte das eine interessante Sendung werden. Heute um 22:45 Uhr in der ARD:
Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Europäischen Union, vom Wirtschaftswunder bis zur Finanzkrise – Altbundeskanzler Helmut Schmidt (91) und Historiker Fritz Stern (84) blicken bei “Beckmann” auf ein wechselvolles Jahrhundert zurück.
Der Wandel der Weltpolitik prägte maßgeblich ihre Lebensgeschichte: Schmidt erlebte die Kriegsschrecken als Frontsoldat, Stern floh mit seiner jüdischen Familie im Alter von 12 Jahren vor dem Nazi-Regime in die USA. Er zählt heute zu den bedeutendsten Historikern der Gegenwart.
Bei “Beckmann” sprechen Helmut Schmidt und Fritz Stern, die seit mehr als drei Jahrzehnten befreundet sind, über die Lehren der Vergangenheit für die Welt von heute.
via DasErste.de – Beckmann – Helmut Schmidt und Fritz Stern. (Hier kann man sich in der ARD-Mediathek die komplette Sendung ansehen – nur 7 Tage lang!)
Und wieder scheinen die Bürger weiter zu sein
Guido Westerwelle hat mit seinen Sätzen von der spätrömischen Dekadenz eine Kampagne gestartet. Wahrscheinlich war er sich nicht im Klaren darüber, welche Wellen seine Sätze schlagen würden. Ich nehme es zumindest nicht an, dass er diese Wirkung einkalkuliert hatte. Jetzt ist klar, dass er, wie er selbst sagte, den Finger in die Wunde gelegt hat und er streut weiter kräftig Salz hinein.
Anstatt sich aber über die “holzschnittartige Debatte” aufzuregen und stattdessen im eigenen “Duktus” zu reden, sollte so langsam zumindest Klarheit darüber einkehren, dass wir so nicht weiterkommen werden. Nicht vor den nächsten Wahlen und auch nicht danach wird es Lösungen geben, die allen recht werden.
Wenn Westerwelle Krokodilstränen darüber vergießt, dass Arbeit sich heutzutage nicht lohnt, andererseits angeblich jedoch die Arbeitsanreize für Hartz IV-Bezieher zu niedrig sind, weshalb zum Teufel ist er dann nicht konsequent für den Mindestlohn? Jedenfalls haben wir es in diesem Sinne wohl mit einem Paradoxon zu tun, einem gordischen Knoten, den der Leichtmatrose auf der Regierungsbrücke scheinbar nicht durchschlagen kann. Jedenfalls redet er heute nicht darüber, welches Seilende er ggf. bereit ist aufzunehmen. Aber als verantwortlicher Politiker muss man sich nun einmal entscheiden – nicht wahr?
Wir können davon ausgehen, dass die FDP ihren Vorstoß sehr bald nach den NRW – Wahlen machen wird. Bis dahin sind wohl die Sondierungsgespräche mit den Konservativen in dieser Frage so weit gediehen, dass durch eine spätere Zuspitzung die Koalition nicht mehr weiter belastet wird.
Inzwischen merkt man ja klar und deutlich, dass man die Stammtische und nicht nur die auf seiner Seite hat. Auch Frau Angela –nicht mein Duktus- Merkel wird sich wohl nach der Wahl plötzlich und nach geschickter Körpertäuschung auf die andere Seite schlagen und schon zu verhindern wissen, dass es eine andere Lösung gibt als die, die auch ihre Klientel davor schützt, dass sich deren Arbeit noch weniger lohnt.


