Zu viele Arztbesuche in Deutschland?

Das Thema kam gestern bei “Maybrit Illner” auch wieder vor. Was in manchen Diskussionen über die vielen Arztbesuche immer untergeht, ist, dass vieles in unseren bescheuerten Regelwerken angelegt ist, die zwangsläufig solche Statistikwunder erzeugen müssen.

Ich musste letztes Jahr wegen meiner üblen Schulterbeschwerden sehr oft zum Arzt. Zuerst zum Hausarzt, später zum Orthopäden. Und dann hatte ich noch andere gesundheitliche Probleme, die den Besuch eines weiteren Facharztes erforderte. Damit ich nicht in jedem Quartal mehrmals die Praxisgebühr zahlen musste, bin ich natürlich auch immer brav zum Hausarzt und habe mir eine Überweisung geben lassen. Dann war Quartalswechsel und ich habe mir vom Orthopäden wiederum eine Überweisung zum Hausarzt geben lassen. Nur so sparst du die erneute Praxisgebühr.

In diesem Jahr wird das (leider) wohl noch eine Weile so weitergehen. Inzwischen habe ich regelmäßige Termine in einer radiologischen Praxis. Auch dort das gleiche Spielchen. Diese Woche war ich bei einem Hautarzt und schwupp wieder. Davor musste ich mir wiederum die notwendigen Überweisungen besorgen. Immer vor allem deshalb, um nicht erneute die Praxisgebühren zahlen zu müssen. Viele meiner Arztbesuche wären also nicht erforderlich gewesen. Anhand dieses einfachen Beispieles kann man sich leicht vorstellen, weshalb statistisch bei uns in Deutschland 18 Arztbesuche pro Jahr zu Buche stehen. Es ist einfach lächerlich!

Kommentare

  1. Rayson meint:

    Bei “Hart aber fair” berichtete eine Zuschauerin, dass sie allein, um eine bestimmte, bei ihr regelmäßig nötige Untersuchung durchführen zu lassen, zu ihrem Hausarzt gehen muss, der sie dann an ihren Hautarzt überweist, der sie dann schließlich an die Klinik überweist, in der die Untersuchung dann stattfindet. Das macht im Jahr 12 Besuche für vier Behandlungen.

    Das ist durchaus beabsichtigt, weil es im wesentlichen um die Privilegien der verschiedenen Klassen der niedergelassenen Ärzte geht.

  2. ap meint:

    Man sollte nicht glauben, dass an sich doch vernünftige Menschen zu solch schwachsinnigen Regelungen kommen und diese, nachdem erwiesen ist, dass sie nicht wirken, nicht einmal wieder zurücknehmen.

  3. psychoMUELL meint:

    Ich finde es auch sehr dämlich, wenn ich als Patient weiß, ich MUSS zum Facharzt, deshalb vorher zuerst zum Hausarzt zu gehen.

    Beispiel ich habe was an meiner Halswirbelsäule und gehe zum Hausarzt, der mich 1 Woche mit Salbe und Schmerztabletten behandelt, was nicht wirkt und gibt mir den Hinweis, das seien Verspannungen, ich solle mehr Schwimmen gehen.

  4. ap meint:

    @psychoMUELL: Finde ich auch dämlich. Aber die Praxisgebühr sollte ja genau dieses “Ärztehopping” unterbinden. Jetzt hat das nicht funktioniert. Aber abgeschafft wird die Gebühr deshalb natürlich nie mehr. Es ist schließlich eine nicht unbedeutende Einnahmequelle der Kassen. Die würden gequält aufschreiben, wenn ihnen der Staat diese Gebühr nun wieder entziehen würde. Und seien die Gründe dafür noch so gut.