Gestern Abend erlebten wir bei “Anne Will” den x.ten Teil dieser Legende. Richtig interessant wird die Diskussion um den Kauf der Daten-CD mit den Namen der mutmaßlichen Steuerhinterzieher immer dann, wenn die, die sich ganz große Sorgen um den Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland machen, ihre ganz speziellen Argumente bemühen und so die Diskussion bereichern.

Sie reden dann gern und ausführlich über die Notwehrsituation, in der sich manch armer reicher Mann befindet, wenn er sich letztlich nicht anders zu helfen weiß, als das durch harte Arbeit erworbene Geldchen ins Ausland zu schaffen. Dieser miese Staat hat ja nichts anderes im Sinn als seine (reichen) Bürger zu schröpfen. Da kann man nur zum Steuerhinterzieher werden. Auch die Schweizer glauben, dass bei uns nur deshalb Steuern hinterzogen werden, weil die Situation so ist. Dabei wissen sie selbst gar nicht wirklich, ob und vor allem wie viele Steuern dort hinterzogen werden. Steuerhinterziehung wird nämlich im Gegensatz zum Steuerbetrug in der Schweiz nur als Kavaliersdelikt betrachtet. Aber der Schweiz geht es gut. Kein Wunder bei dem ganzen Geld, das vom Ausland aus bekannten Gründen dort hinein gepumpt wird. Aber bleiben wir bei denen, den Deutschen, die den Grund für den ganzen Ärger liefern.

Es ist nicht in Ordnung, was die Reichen tun. Sie entziehen Hunderte von Millionen Euro dem Gemeinwesen. Dafür müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden. Und wenn dazu Daten aus einer zweifelhaften Quelle beschafft und bezahlt werden müssen ist es eben so. Ich habe kein Problem damit und werde zunehmend ärgerlicher, wenn ich die Diskussionen verfolge, die dazu in den letzten Tagen im TV geführt werden.

Wenn ich Henkel (liebgewonnen schon während seiner Zeit als BDI-Chef) und seine beiden Kapitalistenfreunde da sitzen sehe, kriege ich eine Hasskappe. Ich weiß nicht, wer mich so erzogen hat. Meine Eltern waren es bestimmt nicht. Aber ich kann das Geschwurbel dieser Leute nicht mehr ertragen!

Dabei war anhand der Auswahl der Diskutanten für die gestrige Sendung Anne Wills bereits angelegt, dass ich mich nachher wunderte, sie überhaupt angesehen zu haben. Immer die gleichen Fehler. Immer das gleiche Gelaber. Ich konnte mich wieder so enorm voraussehbar echauffieren über diese reichen Säcke, die uns arme Restdeutsche so verarschen. Das Ganze hat was von einem Stellvertreterkrieg. Hier die Reichen, da die armen Bedürftigen. Der Mittelstand geht flöten, die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Blablabla. So zieht sich die Diskussion durch wie ein roter Faden – im Moment wohl mehr, als wir es je zuvor in unserem Land erlebt haben.

Was wäre eigentlich, wenn wir irgendwann zur Besinnung kommen und feststellen, dass wir dieser Entwicklung zwar beiwohnen aber exakt null Einfluss darauf nehmen können? Das ganze Theater taugt bestenfalls noch, um den Medien höhere Auflagen und Einschaltquoten zu besorgen.



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4 Antworten : “Schweizer Daten: Die Legende von der Notwehr”

  1. JürgenHugo sagt:

    Wenn ich reich wär, würd ichs genau so machen. Und wenn es für dich eine ziemlich einfache Möglichkeit gäbe deine Steuern “hinzutricksen”, na? Sach nix – denk nur mal nach… :harry:

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  2. Ich würde das nicht machen! Was sagst du jetzt? Ich war mal privat krankenversichert. Längst bin ich wieder in der gesetzlichen Krankenversicherung. Aus Überzeugung! Ich hinterziehe auch im Kleinen keine Steuern, ich arbeite nicht schwarz. Ich bin ein gutes Mitglied dieser Gesellschaft.

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  3. JürgenHugo sagt:

    Und morgen wächst dir ein Heilgenschein… :-) – 60 Minuten vor dem Früh :cafe: stück! :kussmund:

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  4. Den habe ich tags- und nachtsüber. Der geht gar nicht mehr weg.

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