In der Zeitung stand, der politische Aschermittwoch sei wider Erwarten kein Tsunami, sondern nur eine Westerwelle gewesen. Allerdings war Guido Westerwelles Versuchsballon ein Erfolg. Und keiner soll mir jetzt damit kommen, er habe soziale Konflikte geschürt.
“Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit”. Dieser Spruch hält sich seit ich denken kann. Und wir wissen alle, dass er weder ganz falsch noch ganz richtig ist. Ganz genauso wie die in meinen Augen seltsame Botschaft: Sozial ist, was Arbeit schafft.
Unsere Gesellschaft befindet sich seit Jahren im Umbruch. Das Resultat ist keine bessere, auch nicht unbedingt eine schlechtere, ganz sicher aber eine fundamental andere Welt. Allmählich begreifen wir: Der Kapitalismus hat sich in seiner ihm eigenen Radikalität, Skrupel- und Rücksichtslosigkeit durchgesetzt.
Junge Leute können sich auf die Veränderungen bestimmt besser einstellen als ältere Menschen. Das ist gut so. Wir, die Älteren wurden durch andere (bessere?) Zeiten geprägt. Verharren wir, die Älteren, also in Sozialromantik oder versuchen wir, unseren Besitzstand zu wahren, statt uns auf die Veränderungen offensiv einzustellen?
Brauchen wir nicht Westerwelles Anwürfe von der “spätrömischen Dekadenz”, um uns zu besinnen? Sollten wir Leuten wie Buschkowsky lieber zuhören und über Fehlentwicklungen mehr nachdenken, als wir es zu tun bereit sind? Fällt die Gesellschaft weiter deshalb auseinander, weil wir Wahrheiten thematisieren und die innewohnenden Konflikte offen austragen?
Es scheint eher nicht so, denn die Zustimmung, die Westerwelle für seine Sozialstaatskritik bekommt (und wenn es nur die beiden Prozentpunkte bei dieser aktuellen Umfrage sind) entspringt wahrscheinlich nicht der Weigerung, sich mit den Problemen unserer Zeit auseinanderzusetzen, sondern vielmehr der Sorge, dass die Entwicklung in Deutschland in die falsche Richtung geht.
Es sind sehr, sehr große Räder zu drehen und — wie das so ist — wenn man eine Mammutaufgabe zu bewältigen hat: Gemeinsamkeit macht stark. Lassen wir uns also über die Diskussionen über den richtigen Weg nicht auseinander dividieren.












“Es sind sehr, sehr große Räder zu drehen und” – ich seh den Guido schon, wie er am drehen ist… :miesdrauf:
Zum Glück ist im Grundgesetz das Sozialstaatsgebot gleich zwei Mal festgelegt und selbst ein Westerwellchen wird da nicht sonderlich viel dran drehn können. Aber ich selbst empfinde es dennoch als grässlich, wenn der Kerl angelatscht kommt und etwas von “Wer Arbeit will, findet auch welche” sabbelt – das ist heutzutage nunmal nichtmehr so. Leute, die über vierzig sind und den Job verlieren können sich praktisch schonmal vorsorglich verrenten lassen, weil kein Unternehmen sie mehr einstellen will. Ganz egal, was sie an Erfahrungen oder Arbeitswillen besitzen. Aber hey, Westerwellchen kann ja was von seinem Mövenpickgeld für Weiterbildung hergeben? Wetten, dass er dann gleich wieder jammert, weil er als hart arbeitender Spendeneintreiber belangt wird?
Er gibt mit dem Hammer jedenfalls den Takt an. Aber das war ein anderes Bild, nicht wahr?
Für eine Grundgesetzänderung braucht es Mehrheiten, die die FDP nie organisiert bekommt. Darüber brauchen wir uns also nicht zu sorgen. Allerdings wohl über die Finanzbarkeit unseres Sozialstaates. Da nutzen ein paar zusätzliche Steuereinnahmen von “den Reichen” auch nicht viel. Im Grunde brauchen wir mehr Arbeit. Und die zu Bedingungen, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Die wenigsten Aufstocker werden diese Transferleistungen auf Dauer wollen. Und das wäre, davon bin ich überzeugt, schädlich für die Gesellschaft insgesamt.
Sodele, hier noch mal Guido Westerwelle:
http://bit.ly/divhki
Nagelneu von Heute, 17 Uhr!
Danke Yüxxel. Das ist göttlich!